Linus Torvalds hat nach sieben Release Candidates am Sonntag Kernel 4.13 freigegeben. Es war ein ruhiger Zyklus mit weniger Änderungen als bei einigen der letzten Kernel. Wieder einmal bilden neu unterstützte Grafikchips von AMD und Intel eines der Glanzlichter des neuen Kernels. Durch TLS geschützte Datenübertragungen verschlüsselt der Kernel nun selbst.

Klein, aber fein

Torvalds hebt in seiner Ankündigung aber zwei eher unscheinbare Änderungen hervor, die ihm besonders gefallen. Im MMU-Benachrichtigungssystem des Kernels wurde in letzter Minute eine Regression festgestellt. Deren Beseitigung resultierte in der Entfernung eines fehlerhaften Moduls und der Einsparung von rund 200 Zeilen Code. Zudem hat eine minimale Änderung die Sicherheit erhöht, indem Cifs-Mounts nun nicht mehr das unsichere SMB 1.0 aufrufen, sondern das modernere SMB 3.0. Anwender, die damit Probleme haben können laut Torvalds immer noch manuell SMB 2.5 aufrufen.

»I love seeing those kinds of fixes. Better, smaller, code.»

Neue Treiber für AMD und Intel

Bei den Treibern bietet Kernel 4.13 im Amdgpu-Treiber vorbereitende Unterstützung für die Grafikchips von AMDs noch in diesem Jahr erwarteter Prozessor-Generation Raven Ridge. Diese APUs verbinden Prozessorkerne auf Basis von Zen mit AMDs stark überarbeiteter GPU-Architektur Vega. Auch die Neuerungen von Intels Treiber i915 sind zukunftsgerichtet und etablieren Unterstützung für Coffee-Lake– und Cannonlake-CPUs. Auf eine künftig bessere Unterstützung können Linux-Anwender auch bei VirtualBox hoffen. Hierfür wurde ein bei Red Hat entwickelter Grafiktreiber für die virtuelle GPU des Oracle-Hypervisors eingereicht, der aber vorerst noch im Staging-Bereich des Kernels residiert.

Dateisysteme aufgebohrt

In Sachen Sicherheit wurden Änderungen von Ubuntu an AppArmor, die zur Verbesserung des Sandboxings für Snaps vorgenommen wurden, in den Kernel aufgenommen. Das Dateisystem Ext4 erfuhr eine Erweiterung in Form der Option largedir , die es erlaubt, statt der bisherigen 10  Millionen Dateien pro Verzeichnis künftig bis zu 2 Milliarden Dateien zu speichern. Das Dateisystem F2FS lernte den Umgang mit Disk-Quotas. Des Weiteren erhielt das virtuelle Dateisystem OverlayFS ein Index Directory, das es ermöglicht, Dateien, die Links enthalten, sauber zu kopieren.

Zahlen und Fakten

Statistisch gesehen war 4.13 im Vergleich mit 4.12 ein eher ruhiges Release, das rund 12.700 Änderungen aufweist und dabei in etwa mit 4.11 gleichzieht. 1.634 Entwickler trugen Code zum neuen Kernel bei, bei 4.12 waren es rekordträchtige 1.825 Beteiligte, wie Jonathan Corbet auf LWN berichtet. Auf der Webseite von Kernel Newbies wird in Kürze wie üblich eine allgemeinverständlichen Erläuterung der Änderungen von 4.13 publiziert werden. Kernel 4.13 steht auf Kernel.org zum Download bereit. Mit der Veröffentlichung öffnet sich auch das zweiwöchige Merge-Window für Einreichungen zum nächsten Kernel 4.14. Mit der Veröffentlichung ist im November zu rechnen.

 

 

Kernel 4.13 erweitert Ext4-Dateisystem

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