Mozilla und Mr. Robot

Mozilla und Mr. Robot
Bild: Wikimedia Lizenz: CC0 1.0

 

Ich mag Mozilla. Ich mag Mozilla sogar sehr. Es fühlt sich einfach besser an, Software zu nutzen, die von Leuten stammt, deren Ideologie ich unterstützen kann. Mozilla setzt sich für Datenschutz, Privatsphäre und die Freiheit des Internet ein und ich kauf ihnen das ab. Das ist es, was sie bewegt. Dahinter stehen keine Anteilseigner, die den Kurs mitbestimmen, es ist eine gemeinnützige Stiftung.

Aber liebe Mozillianer: Warum schießt ihr euch mit schöner Regelmäßigkeit selbst in den Fuß und führt euer eigenes Credo ad absurdum? Das tut doch weh! Das tut vor allem den Anwendern weh, die mit solchen Aktionen verunsichert werden und deren Privatsphäre verletzt wird. Wie gerade wieder mit Mozillas letzter unüberlegter Aktion.

Automatisch installiert

Vor wenigen Tagen entdeckten Firefox-Nutzer eine Erweiterung auf ihren Rechnern, die sie nicht installiert hatten. Es handelte sich um die Erweiterung Looking Glass, die ein Spiel bewirbt, dass auf der Hacker-Serie Mr. Robot basiert, die mittlerweile in der dritten Staffel ausgestrahlt wird. Mozilla hatte die Erweiterung ohne Nachfrage auf Anwendersystemen im deaktivierten Modus installiert und hielt es für eine gute Idee, Mozilla mit dem Hackerethos in Mr. Robot zu assoziieren. Dort geht es darum, einen weltumspannenden Konzern zu Fall zu bringen, der die Menschen unter seiner Kontrolle hat.

Bitte fragt uns!

Gut und schön, kann man machen, aber wer bitte hatte denn die Wahnsinnsidee, die Anwender damit zu überraschen ohne sie zu fragen? Damit macht man genau das, wogegen sich Mr. Robot ausspricht. Dramatischer Effekt hin oder her, gibt es denn bei Mozilla niemand, der die Nutzer von Firefox kennt und voraussehen würde, dass ein Sturm der Entrüstung folgen würde? Hätte man mich gefragt…

Mittlerweile hat Mozilla zurückgerudert, gerade so, als sei man überrascht über die Welle an Kritik, die die Aktion auslöste. Mozilla war gerade dabei, durch die Veröffentlichung von Firefox 57 »Quantum« Boden gutzumachen und Anwender vom »bösen Imperium« zurückzugewinnen. Die Aktion mit Mr. Robot hat einiges von diesem wiedergewonnenen Vertrauen wieder zerstört, wenn man den Kommentaren auf Reddit und anderswo Glauben schenkt.

Unnötiger Schaden

Der Schaden für Mozilla betrifft dabei auch das Werkzeug, mit dem die Erweiterung eingespielt wurde. Es handelt sich um das im September vorgestellte Projekt Shield Studies, das, sowieso schon umstritten, Mozilla dazu dient, Anwender-Rückmeldungen in Form von Telemetriedaten zu sammeln und experimentelle Funktionen auszuliefern. Die Kritik machte sich vor allem daran fest, dass die Erweiterung bei Anwendern automatsich installiert werdern sollte und nur per Opt-out zu deaktivieren sein sollte.

Mit seiner letzten Aktion beschädigte Mozilla also gleichzeitig das Vehikel, das benötigt wird um Entwickler und Entscheider bei Mozilla mit Nutzerdaten zu versorgen. Somit war Zurückrudern angesagt. Der bei Mozilla für das Marketing zuständige Jascha Kaykas-Wolff tat das dann auch nach Leibeskräften, nachdem die Aktion gestoppt war und die Erweiterung im Mozilla Store landete, wo jeder, der mag, sie installieren kann:

Es ist an der Zeit, zu sagen dass wir in den letzten 24 Stunden sehr viel gelernt haben…. Obwohl wir immer die besten Absichten haben, funktioniert nicht alles, was wir versuchen, so, wie wir es wollen.

Das mit den Absichten glaube ich ja, aber bitte, Mozilla, wer immer diese Entscheidung getroffen hat, lasst ihn nichts mehr entscheiden. Danke.

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