PortSmash: Erneut Sicherheitslücke bei Intel

PortSmash
Bild: Hacker | Quelle: The Presier Project | Lizenz: CC BY 2.0

 

Forscher an Universitäten in Finnland und Kuba haben unter der Leitung von Billy Brumley eine neue Sicherheitslücke entdeckt, die auf den Namen PortSmash getauft wurde. Die neue Lücke ist, wie auch schon Meltdown und Spectre zu Jahresbeginn, eine Seitenkanalattacke.

PortSmash erlaubt es einem versierten Angreifer, verschlüsselte Daten wie etwa kryptografische Schlüssel oder andere privilegierte Informationen von internen CPU-Prozessen auszulesen. Die Lücke wurde bisher für CPUs der Baureihen Skylake und Kaby Lake bestätigt. PortSmash ist zudem das erste Ergebnis einer auf fünf Jahre ausgelegten Forschungsreihe in Sachen Seitenkanalattacken, die vom Europäischen Forschungsrat finanziell ausgestattet ist.

Seitenkanalattacke

Eine Seitenkanalattacke stellt eine Technik dar, die verwendet wird, um verschlüsselte Daten aus dem Speicher oder der CPU eines Computers auszulesen. Von den verschiedenen Formen der Seitenkanalattacke bedient sich PortSmash der Timing Attack.

Dazu werden minimale Diskrepanzen bei den Laufzeiten eines Algorithmus, des Energieverbrauchs des Prozessors während der Berechnungen oder der elektromagnetischen Ausstrahlung beobachtet und analysiert, um zusätzliche Informationen zu erhalten, die helfen können, Verschlüsselungsalgorithmen zu brechen und die verarbeiteten Daten der CPU wiederherzustellen.

Hyper-Threading ermöglicht Angriff

Anders als Meltdown und Spectre nutzt PortSmash nicht das Speicher-Subsystem oder die Caching-Mechanismen der CPUs aus. Die Forscher fanden heraus, dass PortSmash CPUs betrifft, die die SMT-Architektur verwenden, die es ermöglicht, mehrere Threads in der Form von Multithreading gleichzeitig auf einem CPU-Kern auszuführen. Intel setzt  SMT als Hyper-Threading (HT) um.

PoC auf GitHub

Gelingt es einem Angreifer, einen präparierten Prozess im Rahmen von SMT neben einem legitimen Prozess laufen zu lassen, so kann er kleine Mengen an Daten des legitimen Prozesses auslesen, die dann bei der Rekonstruktion der verschlüsselten Daten hilfreich sein können. Ein Proof-of-Concept (PoC) des keinesfalls trivialen Angriffs ist von den Forschern auf GitHub eingestellt worden. Dabei werden OpenSSL-Schlüssel von einem TLS-Server entwendet. Ein ausführliches Papier soll in den nächsten Tagen folgen.

Intel arbeitet an Patch

Intel ist die Lücke vor rund einem Monat bekannt gemacht worden, bisher liegt noch kein Patch dagegen vor. Intel teilte gestern abwiegelnd mit, die Lücke habe nichts mit Spectre, Meltdown oder L1 Terminal Fault gemeinsam. Man werde weiter »mit Kunden, Partnern und Forschern zusammenarbeiten, um die identifizierten Schwachstellen zu verstehen und zu beheben«.

Vermutlich auch AMD betroffen

Die Forscher gehen davon aus, dass auch CPUs von AMD, die SMT verwenden, von PortSmash betroffen sind. Bereits letztes Jahr war mit TLBleed eine ähnliche Lücke entdeckt worden, die ebenfalls HT ausnutzt und die das OpenBSD-Projekt veranlasste, die Unterstützung für Intels HT-Technologie in ihren Kerneln zu deaktivieren.

 

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