Hyper-Threading adé

Als Reaktion auf Meltdown &Spectre sowie deren Verwandschaft deaktiviert OpenBSD konsequent die Unterstützung für Intels Hyper-Threading. Bereits 2005 wurde die dort lauernde Gefahr im Zusammenhang mit gemeinsam genutztem L1-Cache (PDF) in einem Papier beschrieben. Da heutzutage viele modernen Systeme ein Abschalten des HT im BIOS nicht mehr anbieten, entschloss sich OpenBSD zu diesem Schritt, der gut in das straffe Sicherheitskonzept der Distribution passt.

Zudem veröffentlicht die SUSE Linux AG im Juni SUSE Linux Enterprise 15, das der Unternehmensversion von SUSE ist eine weitgehende Modularisierung bringt, die unter dem Begriff Multimodal IT läuft. Die Umsetzung wird dadurch unterstützt, dass alle Varianten künftig auf einem Medium vereint sind und der Kunde erst im neuen Unified Installer entscheidet, welche Komponenten installiert werden. Zudem bedienen sich alle Komponenten jetzt der »Common Code Base«, die es unter anderem ermöglicht, eine Installation von OpenSuse Leap nach SLE zu migrieren.

SUSE Linux verkauft

Wenige Wochen später wird SUSE Linux für 2,5 Milliarden US-Dollar verkauft. Der bisherige Besitzer Micro Focus International stimmte dem Verkauf an den schwedischen Finanzinvestor EQT zu. ​Bei EQT soll SUSE weiter ein reines Open-Source-Unternehmen bleiben und dabei sogar unabhängiger agieren können als bisher.

Linux 2018 - das Jahr im Rückblick
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LinuxMint 19

Ende Juni wird Linux Mint 19 herausgegeben. Es bringt Timeshift als Anwendung für System-Backups. Ein neuer Willkommensbildschirm, bessere HiDPI- und Multi-Monitor-Unterstützung sowie ein neues Theme und Icon-Set namens Mint-Y sind weitere Neuerungen des auf Kernel 4.15 und Ubuntu 18.04 LTS »Bionic Beaver« basierenden Release. Viele Apps wie Software Manager, Update Manager und die XApps wurden zudem weiter überarbeitet.

Python ohne Kopf

Der Juli brachte die Nachricht vom Rücktritt des Python-Projektleiters Guido van Rossum. Damit geht für das Entwicklerteam der beliebten Programmiersprache eine Ära zu Ende. Der Niederländer van Rossum lenkte die Geschicke von Python seit 1989 für fast 30 Jahre, bevor er nun das Zepter niederlegte. Er verlässt das Projekt nicht endgültig, verabschiedet sich aber gänzlich von den Entscheidungsprozessen innerhalb des Projekts. Letzlich ausschlaggebend für seinen Weggang war nach seinen Worten das heftige Ringen um eine Entscheidung über PEP 572, einen Erweiterungsvorschlag, der letztlich durch ein Machtwort von van Rossum entschieden werden musste.

Easy Linux eingestellt

Nach 15 Jahren wird die Zeitschrift Easy Linux eingestellt. Sie richtete sich mit praxisorientierten und detaillierten Anleitungen besonders an Linux-Ein- und Umsteiger. Der LinuxUser als Schwesterpublikation übernimmt einige Rubriken des eingestellten Magazins. Als Grund ist der schrumpfende Werbemarkt für Printmedien zu vermuten.

Slackware wird 25

Zehn Jahre älter, aber noch quicklebendig ist im Juli Slackware. Seit 25 Jahren bestimmt Patrick J. Volkerding als Alleinherrscher die Geschicke der ältesten noch aktiven Distribution. Die Webseite postuliert »Benutzerfreundlichkeit und Stabilität« als Hauptziele der Distribution. Dabei kann »Benutzerfreundlichkeit« auch als Reduktion von Funktionalität verstanden werden, denn Slackware besitzt keinen grafischen Installer und der Paketmanager kennt auch keine automatische Auflösung von Abhängigkeiten.

WireGuard will in den Kernel

Mit WireGuard strebt eine neue VPN-Software ihre Aufnahme in den Kernel an. WireGuard ist so simpel wie SSH, besteht aus lediglich 4.000 Zeilen Code und ist wieselflink. Einige VPN-Anbieter wie etwa Mullvad erlauben in ihren Clients bereits die Nutzung der Software.

Von Linus Torvalds gelobt und von seinem Adlatus Greg Kroah-Hartman gefördert, hatten viele Beobachter damit gerechnet, dass WireGuard noch 2018 in den Mainline-Kernel einzieht. Dazu hat es nicht ganz gereicht, soeben wurde von Entwickler Jason Donenfeld aber ein neues Patchset eingereicht.

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Alle Kommentare
  • chris_blues

    30.12.2018, 10:48 Uhr

    Schöne Zusammenfassung! Ja, auch für mich ist jedes Jahr das Jahr des Linuxdesktops. Und meistens ein anderer Desktop… :o)

    Schönes neues Jahr!

  • Floydpink

    30.12.2018, 12:42 Uhr

    “Aber für mich ist auch jedes Jahr, in dem ich ausschließlich Linux nutze, das Jahr des Linux-Desktops.”
    Geht mir genauso seit ich zum ersten Mal einen Screenshot von Windows 8 gesehen habe, und realisierte, dass NICHT der erste April ist…
    Gut, ich hatte schon Vorkenntnisse, aber jetzt möchte ich endgültig nicht wieder zurück.
    Hatte Windows seit 3.11 genutzt, mein erstes Linux war Suse 3.
    Guten Rutsch…

  • tuxnix

    30.12.2018, 16:07 Uhr

    Ein toller Jahres Rückblick ( danke devil ) und viele guten Aussichten für das nächste Jahr.
    Auch bei mir hat Linux längst den Desktop erobert. Die Welt-Beherrschung wird dann gleich wieder um ein Jahr verschoben werden müssen.
    Aber 2020 kommt sie dann, ganz bestimmt! 😉

  • Matthias Böhm

    31.12.2018, 14:47 Uhr

    Und so endet auch dieses Jahr mit einem Pinky and Brain Zitat: Was wollen wir denn nächstes Jahr machen? Genau das selbe, wie jedes Jahr. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.”

    In Bezug auf freie Software irgendwie seltsam! Die Torvalds-Pause machte mich nachdenklich wie der Kernel vor einer reinen Interessenvertretung der Konzerne geschützt werden kann. Die Vielfalt der Desktops und Distributionen ist nicht viel wert, wenn für GNU Linux grundlegend falsche Entscheidungen getroffen werden. Die Liste der Mitglieder der Linux Foundation ist kein Who is Who der Zivilgesellschaft oder NGOs sondern: https://www.linuxfoundation.org/membership/members/
    GNU Linux besteht nicht nur aus Bits und Bytes, sondern in erster Linie aus Kooperationsgeist! Daher bleiben wir positiv, optimistisch und kritisch!