Abschied von Android?

Google arbeitet seit Jahren an Fuchsia, einem Betriebssystem, das nicht mehr auf Linux basiert, ohne sich bisher klar zu äußern, wo Fuchsia im Endeffekt zum Einsatz kommen soll. Unter der Hand wird es als potenzieller Nachfolger von Chrome OS, aber auch von Android gehandelt. Im Juli veröffentlicht Bloomberg einen Bericht, der angeblich auf Aussagen von Google-Mitarbeitern beruht und die These von der Ablösung von Android durch Fuchsia in den nächsten fünf Jahren unterstützt.

Vorerst ist aber Android weiterhin für die breite Masse mobiler Endgeräte unersetzlich und so erscheint im August mit Android Pie die neunte Inkarnation des mobilen Betriebssystems. Erstmals hält KI Einzug in Android und ermöglicht diese auch für Apps. Zudem wird das Bedienkonzept abgeändert, um Multitasking besser zu unterstützen.

Google treibt im Sommer die Verwendung von Linux-Apps auf vielen Chromebooks in einer Virtuellen Maschine (VM) voran, die speziell für Chromebooks entwickelt wurde. Debian-Pakete sind demnach beispielsweise genauso leicht zu installieren wie unter Debian selbst.

Kernel 4.18 zeigt, dass Meltdown & Spectre die Entwickler immer noch in Atem hält. Raspberry Pi 3B und 3B+ werden erstmals im Mainline-Kernel unterstützt. Mit BPfilter zieht eine neue Firewall-Technik initial in den Kernel ein.

Flatpak wird erwachsen

Ebenfalls in den August fällt Version 1.0 von Flatpak, was somit für die produktive Anwendung freigegeben ist. Flatpak 1.0 soll über signifikant verbesserte Leistung und Zuverlässigkeit verfügen. So wurde unter anderem das Berechtigungssytem überarbeitet. Zudem erhalten Apps in Sandboxen Zugriff auf den SSH-Agent des Hosts.

Gleichzeitig begegnet den neuen plattformübergreifenden Paketsystemen aber auch Kritik, da sie auf Dauer den Paket-Maintainer der Distributionen als Zwischenschicht zwischen Entwickler und Endnutzer auszuschalten drohen. Die Sicherheit von Flatpak zweifelt eine Webseite an, die sich plakativ im Stil der Systemd-Kritik vergangener Jahre flatkill.org nennt und substantielle Kritik mit viel roter Schrift ersetzt.

Linux 2018 - das Jahr im Rückblick
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Commons Clause

Kritik substantiellerer Art erregte Datenbankspezialist Redis Labs mit dem Hinzufügen eines Commons Clause zu der Apache-2-Lizenz einiger seiner Datenbank-Module. Damit wird die kommerzielle Verwendbarkeit des Codes eingeschränkt. Hintergrund ist das Vorgehen vieler Cloud-Anbieter, die den Code von Open-Source-Projekten verwenden und viel Geld verdienen, ohne freiwillig etwas zurückzugeben.

Die Commons Clause fügt dem ursprünglichen Lizenztest drei kurze Absätze hinzu, in denen der Verkauf der Software durch den Nutzer ausgeschlossen wird. Dabei wird zusätzlich definiert, was in diesem Zusammenhang unter Verkauf zu verstehen ist.

Durch die Verwendung des Commons Clause wird eine Open-Source-Anwendung proprietär. Zu den lautesten Kritikern zählen der Entwickler Drew deVault und Bradley M. Kuhn von der Software Freedom Conservancy, der die Klausel als schädigend für Open Source insgesamt ansieht und von daher die AGPL empfiehlt.

Die Klausel erschwert den Distributionen zudem künftig die Auslieferung der betroffenen Software. So entschloss sich Debian-Projektleiter Chris Lamb bereits zu einem Fork der betroffenen Redis-Module. Commons Clause adressiert ein reales Problem, wobei sich die Medizin als schlimmer als die Krankheit erweisen könnte. Mittlerweile haben sich weitere Unternehmen zur Verwendung ähnlich restriktiver Klauseln entschieden.

Copyright Reform

Die am 12. September 2018 erfolgte mehrheitliche Zustimmung des Europaparlaments zur Vorlage der umstrittenen EU-Copyright-Reform erregte erneut besorgte Kritik aus Kreisen der Open-Source-Bewegung. Besonders gegen die Artikel 11 und 13 regt sich Widerstand.

Ein neues Leistungsschutzrecht will selbst kleinste Textschnipsel aus Online-Texten 20 Jahre lang schützen. Die Einführung der Haftung von Internet-Plattformen für Inhalte ihrer Nutzer führt zwangsläufig zu Upload-Filtern und damit zu Zensur. Diese Maßnahmen würden, so auch die Kritik der FSFE, in der vorliegenden Form dem Internet und Open Source Schaden zufügen.

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Alle Kommentare
  • chris_blues

    30.12.2018, 10:48 Uhr

    Schöne Zusammenfassung! Ja, auch für mich ist jedes Jahr das Jahr des Linuxdesktops. Und meistens ein anderer Desktop… :o)

    Schönes neues Jahr!

  • Floydpink

    30.12.2018, 12:42 Uhr

    “Aber für mich ist auch jedes Jahr, in dem ich ausschließlich Linux nutze, das Jahr des Linux-Desktops.”
    Geht mir genauso seit ich zum ersten Mal einen Screenshot von Windows 8 gesehen habe, und realisierte, dass NICHT der erste April ist…
    Gut, ich hatte schon Vorkenntnisse, aber jetzt möchte ich endgültig nicht wieder zurück.
    Hatte Windows seit 3.11 genutzt, mein erstes Linux war Suse 3.
    Guten Rutsch…

  • tuxnix

    30.12.2018, 16:07 Uhr

    Ein toller Jahres Rückblick ( danke devil ) und viele guten Aussichten für das nächste Jahr.
    Auch bei mir hat Linux längst den Desktop erobert. Die Welt-Beherrschung wird dann gleich wieder um ein Jahr verschoben werden müssen.
    Aber 2020 kommt sie dann, ganz bestimmt! 😉

  • Matthias Böhm

    31.12.2018, 14:47 Uhr

    Und so endet auch dieses Jahr mit einem Pinky and Brain Zitat: Was wollen wir denn nächstes Jahr machen? Genau das selbe, wie jedes Jahr. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.”

    In Bezug auf freie Software irgendwie seltsam! Die Torvalds-Pause machte mich nachdenklich wie der Kernel vor einer reinen Interessenvertretung der Konzerne geschützt werden kann. Die Vielfalt der Desktops und Distributionen ist nicht viel wert, wenn für GNU Linux grundlegend falsche Entscheidungen getroffen werden. Die Liste der Mitglieder der Linux Foundation ist kein Who is Who der Zivilgesellschaft oder NGOs sondern: https://www.linuxfoundation.org/membership/members/
    GNU Linux besteht nicht nur aus Bits und Bytes, sondern in erster Linie aus Kooperationsgeist! Daher bleiben wir positiv, optimistisch und kritisch!