Google Plus: Das Ende naht
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Google hat in den letzten Tagen das nahende Ende seines sozialen Netzwerks G+ präzisiert. Demnach ist am 2. April endgültig Schluss. Bereits im Dezember hatte der Konzern verkündet, die Plattform werde eingestellt.

Zwangsevakuierung

In den letzten Tagen erhielten Besitzer eines G+-Accounts E-Mails , die das Herunterfahren der Plattform detaillieren. Demnach werden am 2. April Google+-Konten und alle von deren Besitzern erstellten Google+-Seiten geschlossen.

Ausgelöscht

Damit beginnt auch das Löschen von Inhalten aus Google+-Konten für Verbraucher. Fotos und Videos von Google+ im Albumarchiv und auf Google+-Seiten werden ebenfalls gelöscht. Fotos und Videos, die in Google Photos gesichert wurden, sind davon nicht betroffen. Wer seine Inhalte behalten möchte, kann diese bis zum Stichtag herunterladen und sichern.

Der Prozess des Löschens wird sich über einige Monate hinziehen, sodass Inhalte teilweise sichtbar bleiben, bis der Vorgang angeschlossen ist. Bereits ab 4. Februar können keine neuen Google+-Profile, Seiten, Communities oder Veranstaltungen mehr erstellt werden. Alle Fakten zur Schließung der Plattform hat Google in einer FAQ zusammengetragen.

Der Letzte macht die Türe zu

Während viele Nutzer G+ bereits verlassen haben, harren andere bis zum Ende aus. Viele Communities wandern bereits auf andere Plattformen ab, wobei es schwer wird, einen adäquaten Ersatz zu finden, der auch optisch dem Google-Netzwerk nahe kommt.

Alternative MeWe?

Immer wieder fällt der Name MeWe, ein Netzwerk, in das WWW-Erfinder Tim Berners-Lee große Hoffnungen gesetzt hat. Es erfüllt den Punkt der größten Ähnlichkeit zu G+ und soll demnächst durch die Möglichkeit, Collections anzulegen, noch ähnlicher werden.

Allerdings haben auch Zeitgenossen die Plattform entdeckt, die die Plattform immens abwerten. So tummeln sich dort mittlerweile neben aggressiven Trump-Anhängern auch vermehrt Neonazis, Pädophile und Waffennarren.

Ein weiteres Ausschlusskriterium für G+-Geschädigte ist die Tatsache, dass MeWe ein zentralisiertes System mit kommerziellen Interessen ist. Wenn der Betreiber die Plattform schließt, stehen wieder alle so da wie eben jetzt.

Zu Facebook als Alternative muss wohl nichts mehr gesagt werden. Viele Plusser gehen zu Twitter oder Mastodon, wobei letzteres natürlich die bessere Variante ist. Ein adäquater Ersatz für G+ sind aber beide nicht.

Fediverse

Wer sich künftig erneute Heimatlosigkeit und das Zerstreuen von Communities möglichst ersparen will, sollte sich die dezentralisierten Plattformen des Fediverse anschauen, die aus vielen Instanzen auf weltweit verstreuten Servern bestehen. Geht ein Server vom Netz, zieht man auf einen anderen um. Die Chancen, dass derart aufgestellte Netzwerke offline gehen ist äußerst gering.

Viele der dezentralisierten Netzwerke sind über das Activity-Pub-Protokoll miteinander vernetzt. Dazu zählen unter anderem Mastodon, Hubzilla und Friendica. Neben sozialen Netzwerken verbindet Activity Pub auch Dienste wie Netxcloud, die YouTube-Alternative Peer Tube oder den Bilder-Hoster Pixelfed.

Demnächst gesellt sich hoffentlich auch noch Diaspora dazu, wo ich mich derzeit niedergelassen habe. Egal ob man G+ mag oder nicht, Google setzt​ mit der Schließung Millionen von Nutzern und Tausende von Communities auf die Straße. Die obdachlos gewordenen zerstreuen sich in alle Winde. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Open-Source-Projekte mit ihren Mitgliedern ins Fediverse ziehen, denn dort sind sie trotzt unterschiedlicher Netzwerke miteinander verbunden.

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Alle Kommentare
  • Linuxkumpel

    02.02.2019, 18:04 Uhr

    Ich habe mich bereits von G+ verabschiedet. Bei der Suche nach Alternativen blieb leider nicht viel. Mastodon fiel gleich raus, weil mir bereits die Hompage mit dem kleinen Einblick auch Pornos präsentierte. MeWe fühlte sich zwar angenehm an, aber auch nicht so richtig warm geworden. Trotz deines Hinweises zu Diaspora ist es letztlich doch Twitter geworden, weil sich da ebenfalls die Berufskollegen und Manjaro Linux tummeln. Es wird wohl kaum noch gelingen bestimmte Communities irgendwie richtig zusammenzuhalten, leider.

  • cryptosteve

    02.02.2019, 23:24 Uhr

    Mastodon hat ein Problem: die Webseite ist hässlich und nicht annähernd so eingänglich wie Twitter/Tweetdeck. Da fehlt noch eine gute Portion Liebe.
    Diaspora hat ein Problem: es gibt keinen iOS Client.

  • Gerriet

    03.02.2019, 21:18 Uhr

    Also nur etwas von der Webseite abhängig zu machen, finde irgendwie … weiss nicht. Ich bin seit über einen halben Jahr im fediverse sprich mastodon aktiv und fühl mich pudelwohl. Die Leute sind irgendwie anders drauf, natürlich gibt’s auch Ausnahmen, aber die gibt es überall. Also am besten erstmal reinschnüfdeln, den Account kann immer noch löschen.

    Tschö
    Gerriet