Sicherheit beim Purism Librem 5
Killswitches eines Librem Notebooks

Handelsübliche Smartphones mit Android als Betriebssystem sind alles andere als sicher. Sie sind von innen wie von außen in ihrer Sicherheit gefährdet. Google setzt von innen alles daran, auch unseren letzten Rest von Privatheit in bare Münze umzuwandeln. Von außen versuchen Cyber-Kriminelle unsere Phones für ihre Zwecke zu nutzen. Android 9 Pie bietet zumindest einen Modus, der Fingerabdrucksensor, Gesichts- und Spracherkennung blockiert.

Smartphones: Insecure by design

Bei iOS ist es zwar um die Sicherheit etwas besser bestellt, jedoch fehlen den damit ausgestatteten iPhones die Möglichkeit, schnell alle Verbindungen nach Draußen abzuschalten. Das Librem 5 bringt zu diesem Zweck drei Hardware-Killswitches mit, mit denen Kamera und Mikrofon, WLAN und Bluetooth sowie das Breitband-Modem in Sekundenbruchteilen getrennt werden können.

Purism stellt Lockdown Mode vor

Das Linux-Phone Librem 5 setzt hier neue Maßstäbe. Jetzt verschärft der Hersteller das Konzept nochmals. Purisms Sicherheitschef Kyle Rankin erläutert in einem Blogeintrag die Killswitches und das damit verknüpfte neue Konzept des noch restriktiveren Lockdown Mode.

Tracking verhindern

Die bereits von den Librem-Notebooks bekannten Hardware-Schalter erhalten bei einem mobilen Gerät einen noch höheren Stellenwert, da wir diese Geräte ständig mit uns führen und so der Gefahr des Ausspionierens noch weitaus mehr ausgesetzt sind. So weiß Google immer genau, wo wir uns gerade befinden und wie wir von A nach B kommen. Mit dem Librem 5 kann man die Stromversorgung zur WLAN-Hardware unterbrechen und so sicherstellen, dass alle Anwendungen, die versuchen, unseren Standort per WLAN zu verfolgen, blockiert werden.

Gleiches gilt für Kamera und Mikrofon, sie sind bei üblichen Smartphones ständig an, während wir das Telefon in der Tasche durch unseren Alltag tragen. Auch hier sind der Spionage Tür und Tor geöffnet, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind.

Der einzige Blob

Das Breitband-Modem ist der einzige Baustein des Librem 5, das einen proprietären Blob beinhaltet. Dieser hat zwar keinen Kontakt zu anderen Komponenten, da Purism ihn von der CPU getrennt und auf eine austauschbare M.2-Karte ausgelagert hat. Wir wissen aber trotzdem nicht genau, was darin abläuft.

Auch Sensoren sind ein Risiko

Eine weitere Herausforderung beim Schutz der Privatsphäre auf einem Smartphone sind die vielen Sensoren, die zum Verfolgen und Ausspionieren verwendet werden können. Viele Sicherheitsberichte in den letzten zehn Jahren haben gezeigt, wie viel Information von scheinbar harmlosen Sensoren abgeleitet werden kann, die in einem Telefon enthalten sind.

Standort auch ohne WLAN

Hierzu zählt der GNNS-Sensor, der Zugriff auf GPS, GLONASS, Galileo und Beidou hat ebenso wie ein SBAS-Chip, der ein Satellitennavigationssystem bietet, dass Dienste wie WAAS EGNOS, GAGAN und MSAS unterstützt. Per GNSS lässt sich auch bei abgeschaltetem Netzwerk der Standort bestimmen.

Der IMU-Chip stellt dem Telefon einen Kompass und einen Beschleunigungssensor zur Verfügung, den es zusammen mit einem GNSS verwenden kann, um zu sagen, in welche Richtung sich das Gerät bewegt. Auch hier gibt es Datenschutz- und Sicherheitsrisiken durch den Beschleunigungssensor. Sicherheitsforscher haben Wege gefunden, um zu erkennen, was auf dem Bildschirm eingegeben wird, indem sie einfach die Schwankungen des Beschleunigungssensors betrachten.

Nicht zuletzt kann der Lichtsensor zum Tracking des Benutzers und sogar zur Darstellung der Anordnung und Größe seines Hauses verwendet werden. Um nun nicht noch mehr Killswitches auf der Schmalseite des Librem 5 anbringen zu müssen, hat Purism sich den Lockdown Mode einfallen lassen, um bei besonderen Sicherheitsanforderungen auch die Sensoren abschalten zu können.

Kompletter Lockdown

Um den Lockdown-Modus auszulösen werden alle drei Kill-Schalter eingeschaltet. Damit werden dann auch GNSS-, IMU- Umgebungslicht- und Näherungssensoren deaktiviert. Wird einer der drei Hardware-Kill-Schalter wieder ausgeschaltet, schaltet sich die Hardware, die diesem Schalter entspricht, zusammen mit GNSS-, IMU- und Umgebungslicht- und Näherungssensoren wieder ein.

Das Abschalten der einzelnen Module und Sensoren hat neben dem Schutz der Privatsphäre auch noch den Vorteil, dass es die Laufzeit des Akku verlängert. Der Lockdown Mode könnte für besonders sicherheitskritische Zeitgenossen auch noch erweitert werden. Das könnte vom gesperrten Display über einzelne deaktivierte Apps und Dienste bis zum Löschen des Betriebssystems und aller Inhalte per Wischgeste gehen.

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Alle Kommentare
  • chris_blues

    12.03.2019, 11:08 Uhr

    Beeindruckend! Die Jungs und Mädels machen beim Librem5 allerhand richtig! Wenn mal ein größerer Haufen Geld vom Himmel fällt, werd ich mir auch so’n Ding besorgen! Ist schon nicht gerade billig…

    Lustigerweise ist mir ein gigantischer Appstore vollkommen Wurscht. Die Apps, die mich interessieren, laufen auch so, nativ, unter Linux…

  • putzertammer

    12.03.2019, 17:31 Uhr

    Danke für den Bericht

  • Uwe

    12.03.2019, 23:54 Uhr

    Zu Linux Laptops (als Ergänzung)

    Notebooks für Linux: Worauf Sie beim Kauf und Einsatz achten müssen.

    Vor etlichen Jahren war es Glücksache, ob ein Linux-System auf einem Notebook gleich lief oder doch erst eine Menge Bastelei erforderte. Das hat sich gebessert, aber höhere Aufmerksamkeit ist bei der Wahl dieser Hardware auch 2019 noch gefragt.

    https://www.pcwelt.de/ratgeber/Das_ideale_Linux-Notebook-10019715.html

  • Uwe

    12.03.2019, 23:59 Uhr

    Und:
    Zu Linux Laptops (als Ergänzung)

    Probleme beim Linux-Start beseitigen

    Wenn Linux sich auf PCs oder Notebooks nicht installieren lässt oder nach dem Start der Bildschirm schwarz bleibt, ist oft die Hardware schuld. Über geeignete Bootoptionen lässt sich der Fehler meist beheben.

    https://www.pcwelt.de/ratgeber/Probleme_beim_Linux-Start_beseitigen-10546270.html

    Nebenbei: Mein, nun vor kurzem, erworbenes Think Pad L540 mit DVD-LW läuft unter Mint 19.1 absolut prblemlos!!
    🙂 🙂 🙂

  • Uwe

    13.03.2019, 00:11 Uhr

    Zur Info:
    Wen das interessiert:
    Ich habe die 20AU*** Baureihe
    ————————————————–
    Test Lenovo ThinkPad L540 20AV002YGE Notebook

    https://www.notebookcheck.com/Test-Lenovo-ThinkPad-L540-20AV002YGE-Notebook.112588.0.html

  • Uwe

    13.03.2019, 00:14 Uhr

    Und mehr dazu hier.
    Purism-Linux lief übrigends NICHT darauf, ist abgestürtzt !
    Monitor eingefroren und dann wars das.
    ————————————————————-
    Das Wiki zum L540

    https://thinkwiki.de/L540

    • Ferdinand Thommes

      13.03.2019, 00:17 Uhr

      PureOS ist zu 99 Prozent ein Debian Testing, der Rest sind eigene Anpassungen. Ich hatte auf menen 3 Thinkpads bisher keine Probleme bei Tests mit PureOS.

  • Uwe

    13.03.2019, 00:21 Uhr

    ->Bekannte Probleme

    “Gefährliche UEFI-Sicherheitslücke, das Aktualisieren der Firmware auf eine Version, die einen Fix beinhaltet, wird dringend empfohlen”

    https://thinkwiki.de/L540

    Wird beim Update mit behoben!

  • Uwe

    13.03.2019, 00:23 Uhr

    Ferdinand Thommes
    13.03.2019, 00:17 Uhr
    ….

    Du Glücklicher. 🙂