openSUSE Leap 15
Lizenz: GFDL

Auf der openSUSE-Mailingliste findet derzeit eine Diskussion über eine mögliche Umbenennung der Distribution statt. Hintergrund ist der wiederholte Wunsch des Projekts, durch Gründung einer Stiftung oder dem Beitritt zu einer Schirmorganisation mehr Unabhängigkeit von der Konzernmutter SUSE zu erlangen.

Seit 2011 immer wieder ein Thema

Die Idee einer unabhängigen Organisationsform taucht regelmäßig auf, wenn die SUSE Linux GmbH wieder einmal den Besitzer gewechselt hat. Die weiteren Gründe, die für eine Stiftung sprechen, wurden in einer Vorstanddssitzung während der kürzlich abgehaltenen openSUSE Conference erläutert, die als YouTube vorliegt.

Nomen est Omen?

OpenSUSE steht zu SUSE wie Fedora zu Red Hat, mit dem Unterschied, dass Fedora keinen Namensteil von Red Hat im Namen hat, sondern lediglich im Logo eine Verbindung erkennen lässt. Einerseits mag es naheliegend klingen, durch den Zusatz »open« die Ausrichtung klarzustellen.

Juristische Implikationen

Jedoch hat dies juristische Auswirkungen etwa beim Markenrecht. So muss die Konzernmutter SUSE derzeit alle Domains von openSUSE weltweit innehaben, da das Unternehmen ansonsten seine eigene Marke nicht effektiv schützen könnte. Zudem könnte openSUSE mit einer Stiftung im Hintergrund selbst Spenden einnehmen, Spendenquittungen ausstellen und auch selbst an andere Projekte spenden.

Häufige Besitzerwechsel

openSUSE hat zwar auch nach dem kürzlichen erneuten Besitzerwechsel bei SUSE alle bisherigen Freiheiten behalten, das kann aber nicht in alle Zukunft vorausgesetzt wrrden. Somit ist es verständlich, dass durch die Gründung einer Stiftung mehr Unabhängigkeit und der Status einer eigenständigen juristischen Person erreicht werden soll. SUSE wird dem Projekt hier auch keine Steine in den Weg legen.

Würde man allerdings eine openSUSE-Stiftung ins Leben rufen, so wäre hier bei einer Markenanmeldung seitens der Stiftung der Markenstreit schon vorgezeichnet, denn SUSE würde durch eine Duldung seine eigene Marke schwächen. Also diskutiert das Projekt über eine Umbenennung. Eine Alternative wäre, der Stiftung einen abweichenden Namen vom Projekt selbst zu geben, was aber zu Problemen mit Zuordnung und Wiedererkennbarkeit führen könnte.

Sachlich bis nostalgisch

Die Diskussion teilt sich in sachliche Erwägungen und eher nostalgisch geprägte Aussagen, wobei die Meinungen in beiden Kategorien stark divergieren. Auch im Vorstand herrscht keine Einigkeit über den einzuschlagenden Weg. Während Richard Brown hauptsächlich aus juristischen Gesichtspunkten für eine Umbenennung stimmt, ist Simon Lees dafür, den Namen so lange wie möglich beizubehalten.

Andere Teilnehmer sehen einen möglichen Schaden für das Renommee beider Projekte bei einer Umbenennung, da Außenstehende diese für ein Anzeichen von Problemen sehen würden, egal wie man die Umbenennung marketingtechnisch verkauft.

Community soll entscheiden

Die Diskussion ist offen, im Endeffekt soll die Community entscheiden. Einhergehend mit der Namensänderung wird auch eine Änderung oder Abwandlung des Logos in Erwägung gezogen.

Einen Vorteil hätte die Namensänderung auf jeden Fall: openSUSE wäre nicht mehr die ständig falsch geschriebene Distribution. Obwohl die deutsche Rechtschreibung die offizielle Schreibweise zulässt, wird sie sowohl von Anwendungen wie LibreOffice als auch von Redakteuren in Blogs und Zeitschriften ständig zu OpenSUSE, OpenSuse oder Opensuse abgewandelt.

openSUSE will unabhängiger werden

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Alle Kommentare
  • axt

    04.06.2019, 23:17 Uhr

    Unabhängig, unabhängiger, am unabhängigsten…

    An falschen Schreibweisen sind diese Distribution bzw. die jeweiligen Macher/Besitzer, die offenbar nie eine rote Linie in allem gehabt haben, selbst schuld.

    Als S.u.S.E. Linux hat die Distribution noch eine gewisse Relevanz gehabt, durch den Sitz der damaligen GmbH in Nürnberg und der in Deutschland vertriebenen Kaufpakete (auch in Supermärkten) gerade hier (auch durch das Alleinstellungsmerkmal ISDN-Fähigkeit ootb).

    Bis zum Auftauchen von Ubuntu (damals sehr schlank, 1 Anwendung für 1 Anwendungsfall vorinstalliert, schnell und einfach installierbar, stabil, kein Verhunzen etablierter Pfade, Dateinamen, Konfigurationen – alles im Gegensatz zu S.u.S.E., openSuse oder wie wann auch immer geheißen). Seitdem ist der Abstieg vor allem selbstgemacht, besonders auf dem Desktop.

    Irgendwelche Umbenennungen oder Markenänderungen bringen auch keine neuen User oder gar welche zurück (Gottbewahre!). Firmen auch nicht.

  • tuxnix

    05.06.2019, 14:27 Uhr

    Ganz so schlecht ist es um SUSE nicht bestellt. Immerhin ist die Firma Ende 2018 den Investoren 2,5 Milliarden wert gewesen. Bei den häufig wechselnden Besitzverhältnissen ist es sehr verständlich, dass openSuse sehen muss wie man den organisatorischen Rahmen mit einem selbst verwalteten Budget und in einer juristischen Form absichert. Wie wichtig ist openSUSE für SUSE? Was leistet eine Community für die Weiterentwicklung einer kommerziellen Distribution? Wie viel Unabhängigkeit ist hier von Nöten? Wenn man diesen Zusammenhänge inhaltlich begegnet, wird man auch die geeignete Form dafür finden können. Sich einen neuen Namen zu geben, geht m.M. grundlegend an der Sache vorbei.