Linux 2020 – das Jahr im Rückblick

November

Der November bringt drei Jahre nach dem Crowdfunding den Beginn der Auslieferung des Librem 5 an die Unterstützer. Es gibt wegen der Verspätungen viele Kritiker des Projekts, in meinen Augen hat Purism eine Herkules-Aufgabe von Grund auf gestemmt, die allen Respekt verdient. Zu entscheiden, ob Python-Gründer Guido van Rossum mit seinem neuen Job bei Microsoft Respekt verdient, überlasse ich dem geneigten Leser.

Rossum Microsoft
Der Python-Gründer bessert seine Rente bei Microsoft auf Bild: Guido van Rossum | Quelle Daniel Stroud | Lizenz: CC BY 4.0

Was wäre das Jahr ohne Diskussion um Systemd bei Debian? Deshalb hat sich das Projekt gegen Ende November beeilt, hier noch die Gemüter zu erhitzen. Diesmal geht es um alternative Init-Systeme, deren Unterstützung im Projekt und um vollendete Tatsachen.

Dezember

Der Dezember bescherte uns gleich am ersten Tag OpenZFS 2.0 und Cinnamon 4.8. einen Tag später hoffen die Mint-Entwickler, dass Linux Mint 20.1 noch in diesem Jahr erscheint. Da wird die Zeit aber nun mächtig knapp. Offiziell freigegeben wurden dagegen Ubuntu Unity 20.10 für den Raspberry Pi und Manjaro 20.2. Das Linux-Notebook Tuxedo Aura 15 trudelte bei mir ein und wurde kurz vorgestellt. Ein detaillierter Testbericht steht noch aus.

Red Hat gab in der zweiten Dezemberwoche bekannt, dass CentOS Stream Ende 2021 den Platz von CentOS einnimmt. Die möglichen Folgen dieser Verwerfung im Gefüge von Red Hat verdienen einen eigenen Artikel. Google öffnet Fuchsia OS für Beiträge der Community. Als letzter Kernel des Jahres wird Linux 5.10 als LTS-Kernel mit fünf Jahren Unterstützung freigegeben. Plasma Mobile wendet sich von Halium ab und will sich künftig nur noch auf offene Geräte fokussieren.

Kurz vor Weihnachten wurde nach einigen Jahren in der Entwicklung dann noch GTK 4 fertig. GNOME 40 wird vermutlich Teile davon für sein neues Design einsetzen. Das moderne Dateisystem Bcachefs unternimmt derweil einen erneuten Versuch, in den Mainline-Kernel aufgenommen zu werden. Zu guter Letzt hat es Xfce 4.16 kurz vor Weihnachten noch zur Veröffentlichung geschafft.

Was war sonst noch?

Mozilla hat fast schon inflationär jeden Monat einen neuen Firefox herausgebracht. Noch eins draufgesetzt hat Tuxedo Computers mit 13 neuen Linux-Notebooks, von denen erfreulicherweise gefühlt die Hälfte auf AMD-Komponenten setzt. Fünfmal bescherten uns die UBports-Entwickler Updates zu Ubuntu Touch. Die Debian-Entwickler haben die derzeit stabile Version Debian 10 viermal einem kleineren Erhaltungs-Release unterzogen, derzeit aktuell ist Debian 10.7.

Und am letzten Tag des Jahres nehmen wir Abschied von einem mit reichlich Hassliebe versehenen Wegbegleiter: Flash erfährt heute sein endgültiges Support-Ende, die großen Browser erlauben keine Ausnahmen mehr, während angeblich noch über zwei Prozent aller Webseiten weltweit auf die Technik setzen. Ab dem 12. Januar 2021 wird Adobe das Ausführen von Flash-Inhalten in seinem Player vollständig blockieren. Die verbleibenden Inhalte können aber über Emulatoren weiter genutzt werden.

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