Wann darf OpenOffice endlich in den Ruhestand?

 

OpenOffice
Logo: Chris Rottensteiner

Die Apache Software Foundation  hat die Veröffentlichung von OpenOffice 4.1.4 bekanntgegeben. Liest man die Release Note, so wird hier mit keinem Wort erwähnt, dass das Release mit monatelanger Verzögerung erscheint. Was hier unter »Verbesserungen / Erweiterungen« aufgeführt ist, würden andere Projekte unter »ferner liefen« oder auch gar nicht erwähnen. Damit aber dort überhaupt etwas steht, wird unter anderem der Unterpunkt »aktualisierte Grafiken/Logos (neue Apache Feder)« erwähnt. Wirklich? Weitere Punkte betreffen Updates für Sprachwörterbücher, Übersetzungskorrekturen in der Benutzeroberfläche, Fehlerkorrekturen und Sicherheitsverbesserungen. Für die komplette Liste der Fehlerbereinigungen muss man nicht einmal scrollen.

Patient nicht zu retten

Eine neue Version ist natürlich immer besser als keine Veröffentlichung. Aber OpenOffice 4.1.4, ein Jahr nach Version 4.1.3, verlängert bestenfalls das bereits seit Jahren bekannte Überleben an der Herz-Lungen-Maschine. Und mit jeder Veröffentlichung frage ich mich: Wann zieht das Projekt endlich den Stecker? Denn: Klar ist, dass LibreOffice gewonnen hat. Klar ist auch, dass OpenOffice die Sicherheit der Anwendung mit so wenigen Entwicklern sogar nach eigener Aussage nicht garantieren kann. Die letzte Version, die überhaupt noch Neuerungen brachte, erschien als 4.1 im Jahr 2014.

Offene Briefe an Totgesagte

Johnathan Corbet von LWN hatte 2015 die Entwicklungstätigkeit von LibreOffice und OpenOffice analysiert. Demnach hatte OpenOffice zu dem Zeitpunkt 16 Entwickler, die innerhalb von 12 Monaten gerade einmal 381 Änderungen einbrachten. LibreOffice dagegen lieferte im gleichen Zeitraum 22.134 Änderungen von 268 Entwicklern. Bereits 2014 warf Bruce Byfield die Frage auf, ob OpenOffice am Ende sei. GNOME-Entwickler Christian Schaller veröffentlichte 2015 einen offenen Brief an die Apache Foundation und das Apache OpenOffice Team gerichtet mit der Bitte, Anwender, die die OpenOffice-Webseite besuchen, auf die Seite von LibreOffice umzuleiten.

Wie wiederum LWN dann 2015 berichtete, hat Dennis Hamilton, der vor einem Jahr als Vorstand des Projektmanagement Komitee (PMC) von OpenOffice ausgeschieden war, die Einstellung von Apache OpenOffice (AOO) als eine Möglichkeit unter anderen dargestellt, mit der prekären Situation umzugehen. Das bezog sich unter anderem auf eine mittelschwere Sicherheitslücke CVE-2016-1513, die durch das Öffnen eines manipulierten Dokuments vom Typ »OpenDocument Presentation« (.odp) oder »Presentation Template« (.otp) ausgenutzt werden konnte. Die Sicherheitslücke bestand zu dem Zeitpunkt bereits seit 2,5 Jahren und wurde erst mit Version 4.1.2 behoben.

Zu stur zum Aufgeben?

All das erweckt den Eindruck, dass lediglich die verbliebenen Entwickler von OpenOffice irgendeine Zukunft für das Projekt sehen. Die Entwicklung findet nur noch bei LibreOffice statt. Die Gefahr, die von OpenOffice ausgeht, basiert auf seiner ruhmreichen Vergangenheit. Diese beschert der Office-Suite auch heute noch einen hohen Bekanntheitsgrad. Solange das Projekt fortgeführt wird, werden Anwender, die nicht in der Open-Source-Szene zu Hause sind, weiter OpenOffice herunterladen und somit eine Software installieren, die nach aller vernünftigen Einschätzung keine Zukunft hat.

Es ist genug!

OpenOffice hat viel bewirkt. Es war die erste freie und offene Alternative zu Microsoft Office und fand neben Linux viele Anwender auch bei Windows und macOS. Vor sieben Jahren haben viele Open-Office.org-Entwickler gemeinsam LibreOffice gegründet. Grund war 2010 ursprünglich die Übernahme von Sun durch Oracle. Der Rest ist Geschichte. LibreOffice liefert Innovationen, Apache OpenOffice pflegt einen Leichnam. Liebe Open-Office-Entwickler, OpenOffice hat den Ruhestand verdient, lasst es endlich gut sein!

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