Librem 5 Linux-Smartphone - Erwartung und Realität
Librem 5 Basis-Apps

Seit weit über einem Jahr ist das Librem 5, Purisms Linux-Smartphone nun in der Entwicklung. Dem voraus ging das Crowdfunding mit über zwei Millionen US-Dollar für die Entwicklung des freiesten Smartphones bis dato.

Falsche Prämissen

Bereits in dieser Phase traten die Berufsunken auf den Plan und prophezeiten, das Crowdfunding werde scheitern, sei ja bei Canonical auch so gewesen. Auch jetzt höre ich von verschiedenster Stelle immer wieder, das Projekt sei zum Scheitern verurteilt, denn es könne sich ja niemals gegen Android und iOS durchsetzen. Immer wieder gerne genommen wird auch die These, ohne Android-Apps könne man den Massenmarkt gleich vergessen.

Zeitgenossen, die diese Argumente im Munde führen, sind oft die gleichen, die generell Linux die Fähigkeit absprechen, Windows zu ersetzen. Und genau da liegt der Hund begraben. Den meisten Linux-Begeisterten ist es im Grunde völlig egal, ob Linux am Desktop 2 oder 20 Prozent Marktanteil hat. Schöner wären natürlich 20 oder mehr, aber man kann halt nicht alles haben. Und das gilt auch für das Librem 5.

Langfristige Entwicklung

Hier kommen wir zur Erwartungshaltung. Wer glaubt, mit der Veröffentlichung des Librem 5 sei plötzlich alles gut und das bisher genutzte Phone könne in die Schublade, der wird enttäuscht sein. Das kann nicht funktionieren. Purism ist ein Unternehmen, dass auf die langfristige Entwicklung einer freien Hardwareplattform ausgerichtet ist, was man sehr schön bei den Fortschritten der Purism Laptops beobachten kann.

Alles neu

Das gleiche gilt für das Librem 5. Hier beobachten wir die Integration einer neuen Plattform mit Komponenten wie der CPU, die noch nie bei einem Smartphone zum Einsatz kam, einem bei mobilen Plattformen unüblichen Mainline-Kernel, eines für den Formfaktor neuen Betriebssystems sowie einer neuen Oberfläche.

Das alles wird völlig offen und unter Einbeziehung diverser Communities realisiert. Damit wird der Grundstein gelegt für ein Ökosystem »Linux-Smartphone«, auf dem andere Unternehmen und Projekte aufsetzen können.

Das Wissen um den Aufwand, der hier für Freiheit, Sicherheit und Schutz der Privatsphäre betrieben wird relativiert meiner Meinung nach auch das Argument, das Librem 5 sei mit derzeit 600 US-Dollar zu teuer.

Brot und Butter

Die rund 5.000 im Laufe des Jahres verschickten Einheiten konzentrieren sich in erster Linie auf das Brot- und Buttergeschäft eines Smartphones: Anrufe, E-Mail, Kontakte, Messaging und Webbrowser. Wenn Purism das einwandfrei funktionierend liefert, ist das schon sehr viel und ein großer Schritt vorwärts zur neuen Plattform.

Es werden derzeit viele Apps für das Librem 5 geplant und realisiert, was allerdings davon bei Auslieferung bereits verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten und sollte als das Tüpfelchen auf dem i gesehen werden.

Das waren bei der Bestellung im Sommer 2017 meine Erwartungen und sind es noch heute. Wer anfänglich mehr erwartet, wird sich vermutlich enttäuscht abwenden. Und das wäre schade.

Librem 5 Linux-Smartphone - Erwartung und Realität

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Alle Kommentare
  • Kurt Andro

    29.01.2019, 13:49 Uhr

    Sehe ich genauso. Pfeif auf Android-Apps. Davon will ich ja gerade weg!
    Der Preis für das Librem 5, ein freies(!) Linux-Handy, ist durch den Aufwand und die dahinterstehende Philosophie mehr als gerechtfertigt.
    Ich kann kaum erwarten, es zu bekommen 🙂

  • Uwe

    29.01.2019, 15:58 Uhr

    Ach lasst die Skeptiker doch jammern. Ich finds gut, das da sich was neues entwickelt.

  • HansFranz

    29.01.2019, 16:45 Uhr

    In der vorigen News stand folgendes:

    “Eintritt nur für Freie Software
    Auf Nachfragen aus der Community erklärte Purism-CEO Todd Weaver, die einzige Auflage zur Aufnahme von Apps sei, dass sie frei und offen sind…”

    Wieso diese fundamentalistische Einstellung?

    Ich habe vor kurzem Linus Torvalds Biographie Just for Fun gelesen und fand es SEHR interessant was er über Richard Stallman sagt:
    Das dieser ein religiöser Fanatiker wäre
    Bzw verglich er seine Einstellung damit.

    Wieso bleibt es mir als Kunden nicht selbst überlassen ob ich eine nicht freie App von z.B. Evernote, Spotify oder XY nehme?

    Besser eine proprietäre App als gar keine!

    Ich als Laie sehe es doch auch bei der Installation von Gewissen Linux Distros:

    – keine WLAN Funktion weil die Linux-informatik-Halbgötter zu fein sind diese mit zu geben weil nicht offen.

    Es gibt einen schönen Satz:
    Man hat keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.

    Mich als Laie interessiert dieser ideologische Kampf zwischen frei und proprietär nicht!
    Ich will das es funktioniert, egal ob WLAN oder sonst was.
    Ich will die spotify, Evernote, Twitter, Netflix oder sonst was App,
    Wenn sie frei ist schön, wenn nicht auch egal.

    Manchmal sollten manche aus dem Linux Bereich sich herablassen vom Thron und sich die Problematik aus der switcher Sicht anschauen und etwas drüber nachdenken.

    • Ferdinand Thommes

      29.01.2019, 18:10 Uhr

      ‘Ein bisschen frei’ ist wie ein bisschen schwanger’ Nach dem was Du schreibst, ist Android doch die ideale Plattform für Dich. Einige Apps sind frei im Sinne von Freiheit, andere nicht, du hast die Wahl. Ich will etwas anderes. Was Linus Torvalds sagt, wenn es um anderes als den Kernel geht, ist für mich völlig irrelevant. Und eines ist ja mal ganz klar: Gäbe es den ‘Fundamentalisten’ Richard Stallman nicht, wäre freie Software heute nicht, wo sie ist. Wir sollten froh sein, dass es Unternehmen wie Purism gibt, die ohne Aussicht auf Reichtümer den schwierigen aber richtigen Weg gehen.

  • HansFranz

    29.01.2019, 22:37 Uhr

    In der Tat, ich gehöre nicht zur Zielgruppe von Purism.
    Aber ich Frage mich wer es ist und wie groß ist die Gruppe?
    So viele Journalisten und Whistleblower die es benötigen gibt es ganz sicher nicht.

    Wenn es um reine Linux Laptops angeht,
    Kann der interessierte auch ein Dell XPS 13 nehmen usw.

    Bei Android stört mich Googles Intention dahinter, Apple ist mir zu gierig.

    Ein Linux Smartphone Ableger mit Community wäre wirklich schön,
    “Leider” geht Purism hier weiter und verkleinert die Zielgruppe dadurch ungemein.
    Die Ironie daran ist, durch Purism und seine Beschneidung des AppStores (mit nur offenen Apps) werde ich in meiner Freiheit beschnitten es auswählen zu können, das ist keine Freiheit.
    Das Gegenstück wäre, das in einem Store nur proprietäre Software erlaubt wäre -> wäre genauso purer dogmatischer Schwachsinn!
    Aber schön dass Purism gibt und ich hoffe sie finden ihren Weg.

    Linux schreibt ja in seiner Biographie das man Stallman dankbar sein muss und er sein Platz in der Geschichte hat!
    Aber das er es nicht so dogmatisch sieht wie Stallman:
    der der den Code schreibt soll selber entscheiden ob Open source oder nicht. Es ist eine subjektive Entscheidung,
    Da gibt es kein richtig oder falsch.
    Ich halte Linus seine Einstellung für sehr gesund und richtig.
    Vor allem in der heutigen Zeit und heutigen Gesellschaft wo jeder den anderen seine Meinung als die Einzig richtige aufdrücken will.

    Mal sehen was wir in 3-5 Jahren sagen werden.
    Entweder war es der Startschuss für etwas
    Oder in 5 Jahren ist wieder irgendein Linux Projekt für die Smartphones am Start.

    Wenn man seine Verkaufszahlen sehr tief stapelt,
    Dann wird man mit allem zufrieden sein, das kann auch nicht der Sinn sein.

    Und Mal eine Frage nebenbei:
    Wie viel Codebeiträge zu Open source bzw Linux kommen eigentlich von Unternehmen die ganz schnöde kapitalistisch Geld machen?
    Ich las irgendwo Mal das diese Beiträge mittlerweile höher sind als die der Community mit seinen Freizeit Programmierern?
    Stimmt das oder habe ich da was durcheinander bekommen?
    (Ich weiß nicht mehr ob es nur um den Kernel ging)
    Gibt es da eine Übersicht?

    • Ferdinand Thommes

      29.01.2019, 22:55 Uhr

      Ich gehe jetzt mal nur auf Deine Frage ein: Ja, bei Kernel ist das schon lange so und auch bei Linux allgemein. Firmen wie Red Hat treiben die Entwicklung etwa durch Unterstützung von Fedora an. Beim Kernel gibt es immer wieder Statistiken, wie die von LWN, die das bestätigen.

  • Rudi

    12.04.2019, 00:29 Uhr

    Erst seit 6 Jahren bin ich mit Linux unterwegs, ich hätte es schon früher angehen sollen. Ich bezeichne mich immer noch als Anfänger, vermisse aber kein Windows und auch kein Apple. Wer welche Betriebssysteme oder Smartphones nutzt, ist jedem selbst überlassen. Die meisten rennen dem hinter her was die Arbeitskollegen, Freunde und Bekannten tun. Etwas neues und dafür selbst Interesse und Energie aufzubringen ist schon zuviel verlangt. Deswegen ist es leider für Linux ein zäher Weg mehr Prozente am Markt zu bekommen.
    Alle schwärmen von Navis, von Homconnect-Geräten, sei es in der Küche oder sonst wo, oder von “selbst fliegenden TV-Bildschirmen”!!! Kaum jemand von denen weiß das meistens ein Linux Kernel dahinter steckt. Auch den wenigsten ist es klar, wenn Linux augenblicklich nicht mehr da wäre, gibt es kein WWW mehr.
    Wer mal kappiert hat wo Linux überall läuft ( Rootserver und andere Supercomputer ) dem ist es klar was Linux für einen Stellenwert in der ganzen Welt hat.
    Ich finde es erstaunlich das durch Linus Torvalds und alle Entwickler und Programmierer auf der ganzen Welt ein so tolles Computer Betriebssystem entstanden ist.
    Purism wünsche ich viel Erfolg. Es reicht wenn der Verkauf in der Menge stattfindet, das Purism gut kostendeckend entwickeln und produzieren kann, ich hoffe es wird so sein. Auch ich gehöre zu denen die mit Recht und Vernunft warten bis ein Smartphone am Markt ist das mich entscheiden lässt was ich ein und ausschalten, nutzen oder nicht nutzen möchte. Sicherlich wäre für mich ein unteres Preissegment interessant aber mir ist ein Gerät in der Klasse diesen Preis auch wert.
    Wenn am Purism 5 irgendwann die “Kinderkrankheiten” beseitig sind und es so stabil und zuverlässig funktioniert wie Debian dann ist alles Bestens.
    Linux ist einfach toll, die vielen unterschiedlichen Distributionen bereichern das ganze, da gibt es sogar welche da funktioniert auch das WLAN!!!!!!! Ich selbst würde gerne mithelfen bin aber weder ein Entwickler noch Programmierer.
    Vielen Dank an alle die Linux aktiv vorantreiben.

    • Ferdinand Thommes

      12.04.2019, 00:37 Uhr

      Ich finde es wichtig, dass das Librem 5 keine Eintagsfliege bleibt, sondern dass es v2, v3 usw gibt. Es kann eine Basis für Linux-Phones werden, auf der andere aufbauen können.

  • carrabelloy

    13.06.2019, 02:11 Uhr

    Ich sehe das genauso und ich mag mein Linux auf den Rechner und eigentlich meinem Laptop. Der den Geist aufgeben hat. Ich habe jetzt Debian 10 Baster. Und habe die schon alle durch probierte. Ich bin Konservativ und dauert auch GNOME und das zusammen mit Debian. Leider einen Tag später wie Michael Schumacher den selben Unfall gehabt. Bei mir nur mit Fahrrad. Und lange Zeit im Koma. Na ja was bei mir auch noch ist bin wohl der Älteste von Kommentare her. Und habe auch nie eine super Schule besucht, doch für mein Alter habe ich VB heute mehr an Wissen aus diesen ganzen Software Hardware als manche Freunde und Kollegen die den selben Alters Bereich haben. Sagen wir so ich kann mir helfen. Und ich bin die ganze Zeit am warten , denn ich möchte gern eins von den Geräten haben. Ich folge hier immer den Blogger und seinen Artikel. Von daher hoffe ich wenn du eine in den Fingern hat Berichte mal darüber schön mit Bildern. Ich freue mich drauf. Wo ich mich auch darüber freuen würde wenn zu den drei Schaltern zum Abschalten und sicherer Umgang Privatsphäre das dieses Telefon ein auswechselbar Akku verbaut worden ist. Doch ich will eins auf jeden Fall haben. Und freue mich immer wieder zu lesen darüber. Oder überhaupt über Linux. So zum Schluss bitte entschuldigt mein schlechte Grammatik. Wie gesagt bin froh dass ich etliche Puzzle Teile zusammen setzen konnte.

    • Ferdinand Thommes

      13.06.2019, 06:13 Uhr

      Ich freue mich auch auf das Gerät und werde ausführlich darüber berichten.