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Jeder, der viel und zudem öffentlich schreibt, verwendet vermutlich zum Korrekturlesen eine Software, die dabei hilft, Rechtschreib- und Grammatikfehler auszubügeln und zusätzlich auf Stilblüten hinzuweisen. Die Auswahl an brauchbaren Lösungen hierfür ist nicht gerade üppig, fast immer handelt es sich jedoch um proprietäre Bezahl-Software.

Es geht auch anders

Dass es auch als Open Source geht, beweist die Firma LanguageTooler GmbH aus Potsdam mit ihrer App LanguageTool. Die Anwendung ist Open Source unter der GNU Lesser General Public License v2.1 und wird für insgesamt rund 30 Sprachen angeboten, die unterschiedlich gut unterstützt sind. Die sehr agile Entwicklung findet auf GitHub statt. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziell gefördert.

Breite Unterstützung

LanguageTool ist als Web-App, als Java-basierte Version für den Desktop (auch offline) sowie für OpenOffice/LibreOffice, Google Docs und Microsoft Word verfügbar. Zudem gibt es Erweiterungen für Firefox und Chrome, die auf allen von mir getesteten Webseiten einen guten Job machen. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von der Community gepflegter Plug-ins für Anwendungen wie unter anderem Eclipse, Emacs, InteliJ, Lyx, Thunderbird, Vim und Editoren wie Atom, Sublime oder TinyMCE 4.

Alle Freiheiten

Ein weiterer Vorteil offener Entwicklung ist die Möglichkeit, LanguageTool selbst zu bauen, mit der CLI-Erweiterung der Standalone-Version im Terminal, auf einem Server oder in Docker zu verwenden. Mit languagetool-commandline.jar aus dem Zip-Archiv lassen sich einzelne Dateien, aber auch ganze Verzeichnisse überprüfen. Ich habe LanguageTool als Plug-in in Chrome, als Web-App und Standalone sowie in LibreOffice unter Debian Sid getestet. Voraussetzung für die Standalone- und LibreOffice-Versionen ist Java 8, egal ob von Oracle oder als OpenJDK. LibreOffice sollte dazu mindestens in Version 6.x vorliegen. Obwohl Java von Oracle empfohlen wird, lief die Erweiterung auch mit OpenJDK sofort problemlos.

Die Funktionalität ist bei den von mir getesteten Versionen unter LibreOffice am größten und geht weit über die üblichen Rechtschreibprüfungen hinaus, indem eine große Zahl an Stilprüfungen genutzt werden kann. Diese sind abwählbar, wenn sie nicht gebraucht werden. Wenn die gebotene Funktionalität nicht reicht, kann zusätzlich ein riesiger N-Gramm-Datensatz eingebunden werden.

Ziemlich fehlerfrei

Die Entwickler sind freundlich und helfen schnell und ausdauernd, wenn nötig. Hilfe und Unterstützung gibt es aber auch in einem Forum und im Wiki. LanguageTool ist kostenlos, bietet aber auch eine Premium-Version, die ich mittlerweile nutze, da sie zusätzliche Optionen bietet, die ich als Autor sehr hilfreich finde. Für den Hausgebrauch schlägt sich die kostenlose Version aber prima und sorgt dafür, dass man sich mit seinen Texten und E-Mails nicht blamiert.

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Alle Kommentare
  • Harald

    03.08.2019, 21:41 Uhr

    Danke für den Artikel!
    LanguageTool funktioniert auch super mit TeXstudio zusammen.

  • Ettore Atalan

    04.08.2019, 22:24 Uhr

    Wie schlägt sich LanguageTool im Vergleich zum Duden Korrektor?

    • Ferdinand Thommes

      04.08.2019, 22:38 Uhr

      Das kann man nicht vergleichen, sind zwei Paar Schuhe. Der Duden Korrektor ist ein proprietärer Dienst und korrigiert kostenlos lediglich 800 Zeichen pro Prüfung. Alles andere muss bezahlt werden. Nach Anmeldung erlaubt LanguageTool 2500 Zeichen pro Prüfung kostenlos und bietet darüber hinaus viele der Bezahlfunktionen von Duden umsonst.

      Die vielen unterstützten Plattformen und die Einbindung ins Terminal und die Möglichkeit, das Tool selbst zu hosten fehlen bei Duden völlig. Von daher und weil es Open Source ist, geht der Vergleich, wenn man ihn denn anstellt, meiner Meinung nach klar zugunsten von LanguageTool aus.