Min – der minimale Browser

Min - der minimale Browser
LinuxNews im Min Browser | Screenshot: ft

Min ist ein Open-Source-Browser, der dem Minimalismus frönt und dabei seinem Namen alle Ehre macht. Gerade ist Version 1.16 erschienen. Ich hatte Min in seinen Anfangstagen vor drei Jahren getestet und das Konzept gut gefunden. Die Umsetzung war damals allerdings noch in den Kinderschuhen. Ich hatte damals eine kurze News und einen umfassenden Artikel geschrieben. Zudem hatte ich die deutsche Lokalisierung des Browsers übernommen.

Min nutzt als technische Basis das von GitHub entwickelte Electron-Framework in Version 9 und basiert somit im Endeffekt auf Chromium 83. Min ist komplett in JavaScript und CSS geschrieben. Nicht jedermanns Sache.

Kernsoftware Browser

In den letzten Jahren hat sich für viele von uns die Arbeit am Rechner, egal ob beruflich oder privat, stark in den Browser verlagert. Bei mir ist das in hohem Maße so. Da definiert der Workflow schnell bestimmte Ansprüche an den Browser, die der eine erfüllt und der andere nicht.

Min als Zweit-Browser

Ich würde Min nicht als alleinigen Browser empfehlen, sondern als Ergänzung für bestimmte Aufgaben. Min eignet sich gut zum schnellen und ablenkungsfreien Arbeiten. Als Standard-Suchmaschine ist DuckDuckGo voreingestellt, es werden aber auch die anderen großen Suchmaschinen wie etwa Google, Bing, Yahoo, Baidu, Wikipedia und Yandex unterstützt. Suchanfragen werden direkt in die Adressleiste eingegeben.

Für Linux, macOS und Windows

Zum Installieren stehen auf GitHub Pakete als DEB und RPM zur Verfügung sowie Installer für macOS und Windows. Wer ein Debian-System zur Verfügung hat, kann den Browser ohne Installation nutzen und auch auf andere Systeme übertragen. Dazu dient der folgende Ablauf:

HTML

Danach liegt im Pfad min-test/usr/bin die ausführbare Datei. Nach dem ersten Start präsentiert das Browser-Fenster abgesehen von der Menüleiste ziemlich viel weiße Fläche. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, dem bietet der kleine Open-Source-Browser einige nützliche Eigenschaften.

Spartanische Ausstattung

Die Menüleiste verbirgt links hinter den drei Punkten ein Menü, dass neben dem Tab-Handling die Menüpunkte Datei, Ändern, Ansicht, Entwickler und Hilfe bietet, die ähnliche Untermenüpunkte aufweisen wie die großen Browser. Interessant finde ich den Menüpunkt Neue Aufgabe, der auch über das Kürzel Strg + N oder das Hamburger Menü rechts in der Leiste zu erreichen ist.

Dahinter verbirgt sich eine Tab-Gruppierung nach Aufgaben. Alle Tabs, die zu einem Thema oder einer anstehenden Aufgabe gehören, lassen sich damit sortieren. Tabs können auch von einer in die andere Aufgabe gezogen werden. Das entspricht sehr meinem Arbeitsstil.

Auch private Tabs werden unterstützt. Um einen privaten Tab zu erstellen, wird im Anwendungsmenü Datei – Neue private Registerkarte gewählt. In privaten Tabs wird der Verlauf nicht gespeichert, und jeder private Tab erstellt eine neue Sitzung, getrennt von weiteren regulären oder privaten Tabs.

Kombinierte Tab-/Adressleiste

Bei meiner ersten Besprechung von Min gab es noch keine Bedienelemente, um vor oder zurückzuspringen. Mittlerweile wurde Min ein Zurück-Button spendiert, der sich rechts neben dem Drei-Punkte-Menü befindet. Darauf folgt die kombinierte Tab-/Adressleiste. Rechts davon öffnet das Pluszeichen einen neuen Tab. Das Hamburger-Menü führt in die Ansicht der Aufgaben. Die Schalter für Minieren, Verkleinern und Schließen sitzen ganz rechts. Das war es dann auch schon.

Lesemodus und Leseansicht

Beim ersten Start wird eine Tour angeboten, die die Handhabung des Browsers erläutert. Diese lässt sich auch später unter dem Menüpunkt Hilfe wieder hervorholen. Die Tour klärt unter anderem über die Suche, Lesezeichen und Tasks, die bereits erwähnten Aufgaben auf. Eine Leseliste bietet den von Firefox bekannten Lesemodus, der die Seite vereinfacht darstellt. Bei geeigneten Seiten erscheint im entsprechenden Tab ein entsprechendes Icon. Bei Min werden Seiten, die im Lesemodus aufgerufen wurden, zusätzlich in dieser Form für 30 Tage auch zum Offline-Lesen gespeichert und sind im Menü unter Leseansicht verfügbar, auch wenn der Tab bereits geschlossen ist.

Unscharfe Suche

Min speichert alle geöffneten Seiten als Lesezeichen im Verlauf ab. Das erlaubt, per URL oder auch nach dem Inhalt der Webseite zu suchen, wobei eine Fuzzy Search zum Einsatz. Es kann also beispielsweise statt nach spiegel.de auch verkürzt nach spon gesucht werden.

Werbung und Tracker blockiert

Die eher spartanischen Einstellungen finden sich im Menü unter Ändern. Zuoberst steht die standardmäßig aktive Blockade von Inhalten, sprich Werbung und Tracker. Hier wird auch angezeigt wie viel bereits geblockt wurde. Ein Dunkelmodus lässt sich ständig oder nur in der Nacht festlegen.

Bei den Additional Features können User-Scripte erlaubt, ein User-Agent bestimmt und eine separate Fensterleiste am Kopf der Anwendung gezeigt werden. Darunter kann die Suchmaschine geändert, ein Proxy eingestellt sowie ein Passwortmanager eingebunden werden, wobei derzeit nur Bitwarden und 1Password zur Auswahl stehen. Rund 25 Tastaturkürzel bilden den Abschluss des Einstellungsdialogs.

Tabs zu Aufgaben bündeln

Unter Ansicht im Menü findet sich der Eintrag Focus Mode, der das Öffnen neuer Tabs und den Wechsel der aktiven Aufgabe verhindert und somit die Konzentration auf die anstehende Aufgabe steigern soll. Was man bei Min nicht findet, sind Erweiterungen. Es steht dazu gar keine Schnittstelle zur Verfügung und es würde auch das Konzept des minimalen Browsers konterkarieren.

Min eignet sich besonders zum schnellen Browsen, wenn die Tastatur zum Einsatz kommt. Dazu sind bereits viele Tastaturkürzel zur Navigation und für Browser-Aktionen vorbelegt. Der Browser setzt sich zum Ziel, Anwendern das produktive Arbeiten so stress- und ablenkungsfrei wie möglich zu gestalten. Dabei setzt er stark auf Reduktion, um den Fokus auf die eigentliche Arbeit zu lenken.

Min - der minimale Browser
4.5 6 votes
Article Rating
4.5 6 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Falls angehakt, wird ein MD5-Hash-Wert deiner E-Mail-Adresse an Gravatar.com übermittelt. Der Hash-Wert wird jedoch nicht veröffentlicht.
9 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments