Okuna: Soziales Netzwerk im Interview

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Das freie soziale Netzwerk Okuna, dessen ursprünglicher Name Openbook bei Facebook so viel Missfallen erzeugte, dass man mit Anwälten dagegen vorging, fand viele interessierte Anwender, die sich gegen eine Gebühr auf Kickstarter oder Indiegogo auf die Warteliste setzen ließen. Allerdings zieht sich die Entwicklung mittlerweile länger als erwartet hin und das Projekt verschwindet langsam aus der öffentlichen Wahrnehmung. Deshalb habe ich den Initiator und Hauptentwickler Joel Hernández gefragt, wie es derzeit um Okuna, das in Esperanto »zusammen« bedeutet, steht und wie die Pläne für die Zukunft aussehen.

Das Interview

Frage: Hi Joel. In letzter Zeit ist es um Okuna in der Öffentlichkeit etwas zu ruhig geworden. Kannst Du uns ein wenig erzählen, warum die Veröffentlichung von Okuna für das wartende Publikum so lange dauert? Ich schätze, eines der Schlüsselwörter hier ist der Mangel an Geld und damit an Entwicklerzeit. Wie können Benutzer und Unterstützer in dieser Situation helfen?

Joel: Zu sagen, dass dieses Jahr hart war, wäre eine Untertreibung … Im Februar standen wir kurz vor einer großen Neuigkeit. Wir hatten in den Monaten zuvor an einem Forschungszuschussantrag für die niederländische Regierung gearbeitet, einem Zuschuss, der zu Open-Source-Datenmigrationstools für soziale Netzwerke, einem Protokoll für die Visualisierung von Besitzrechten bei Daten, sowie zu einem Datenschutz- und benutzerfreundlichen Captcha-System führen sollte. All dies sollte auch in Okuna integriert werden, was bedeutet, wir könnten also Tag und Nacht weiter an Okuna arbeiten und gleichzeitig einen öffentlichen Code erstellen, der sowohl der Allgemeinheit als auch den Regierungsinstitutionen zugutekäme.

Grünes Licht und dann doch nicht

Wir hatten grünes Licht erhalten und warteten lediglich darauf, dass die Gelder eintreffen würden. Dann vergingen eine Woche, zwei Wochen, drei Wochen, und schließlich erhielten wir die vernichtende Nachricht, dass der Zuschuss plötzlich zurückgezogen wurde. Unsere Ersparnisse waren zu diesem Zeitpunkt fast aufgebraucht und wir hatten die Suche nach privater Finanzierung vorerst aufgeschoben, da sie mit dem Antrag auf Forschungsbeihilfe nicht vereinbar war. Nach der Ablehnung beschlossen wir, es endlich mit privater Finanzierung zu versuchen.

Joel Hernández, Initiator und Hauptentwickler von Okuna

Suche nach einem Engel

Wir teilten unsere Tage auf, um Okuna weiterzuentwickeln und gleichzeitig nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Tage, Wochen und Monate vergingen. In dieser Zeit waren wir neben dem Start und der Fehlerbehebung bei der Webversion auch in Kontakt mit Dutzenden von Angel-Investoren. Viele zeigten großen Enthusiasmus für das Projekt und unsere Mission, viele wollten mehr Validierung sehen, andere wollten die anhaltende Pandemie abwarten und wieder andere waren zwar finanziell interessiert, aber nicht kompatibel mit unserer Vision eines ethischen sozialen Netzwerks.

Ende der Fahnenstange

Leider kam dabei nichts Akzeptables zustande, und im Juli gingen uns schließlich die persönlichen Ersparnisse aus. Um uns über Wasser zu halten, mussten wir Vollzeitjobs annehmen und arbeiten seither nur noch abends und an den Wochenenden an Okuna. Wir konzentrierten uns ausschließlich darauf, live zu gehen und zu beweisen, dass das Abo-Geschäftsmodell für ein soziales Netzwerk machbar ist, was in unseren Gesprächen mit potenziellen Angel-Investoren immer wieder als negativer Punkt aufkam.

So sind unsere Tage derzeit aufgeteilt, und obwohl wir unser Bestes geben, um dies so wenig wie möglich in den Rhythmus der Entwicklung und des Fortschritts der Plattform einfließen zu lassen, haben sich die Dinge im letzten Monat unweigerlich verlangsamt. Dies ist auf eine Kombination aus der reduzierten Entwicklungszeit, der Arbeit an einer komplizierten Funktion (Abonnements) und der Wiederaufnahme von Gesprächen mit mehreren Engeln zurückzuführen, die Anfang des Jahres auf Eis gelegt wurden.

Arbeit am Subskriptionsmodell

In Bezug auf die Abonnements wurde zwar ein großer Teil der komplexen Materie, die mit der Abrechnung zusammenhängt, bereits von Unternehmen wie Stripe und Mollie gelöst, aber kein Tool kann die gesamte kundenorientierte Funktionalität abdecken, geschweige denn auf eine datenschutzfreundliche Weise. Es war also eine Menge Arbeit, verschiedene APIs zu finden und zu integrieren, zwischen asynchronen Ereignissen zu koordinieren und ein bisschen frustriert zu sein, weil wir gehofft haben, dass jemand anderes dieses Problem bereits gelöst hat und wir eine Lösung per Drag&Drop finden könnten.

Zu diesem Zeitpunkt sind wir, glaube ich, zu etwa 70 % damit fertig. Was die Frage betrifft, wie ihr an dieser Stelle helfen könnt, so möchten wir unseren Förderern und Kaffee-Sponsoren für eure bisherigen Beiträge danken und euch bitten, uns auch weiterhin zu unterstützen. Eure Beiträge decken die Infrastrukturkosten der Plattform und halten Okuna in diesen schwierigen Zeiten am Laufen. Eure Hilfe ist von unschätzbarem Wert!

Danke für die anhaltende Unterstützung

Den Mitgliedern von Okuna möchten wir dafür danken, dass sie während des ganzen Jahres besonders geduldig und aktiv waren. Die Dinge sind ziemlich schwierig geworden, aber wenn wir Menschen sehen, die in Okuna aktiv sind und zu einer Kultur der Freundlichkeit und des Miteinanders beitragen, gibt uns das immer wieder den Ansporn, weiterzumachen. Wir möchten euch bitten, uns auf der letzten Etappe noch etwas Geduld zu schenken und, falls ihr Lust haben, uns eine zusätzliche Hand zu reichen, sich zu überlegen, ob ihr nicht unser Sponsor werden oder uns eine Tasse Kaffee für unsere langen Abende bescheren wollt.

Vor einem Jahr…

Wie soll sich Okuna künftig finanzieren?


Frage: Schade, dass mal wieder der schnöde Mammon ein Projekt aufhält. Kannst Du etwas näher auf das erwähnte Subskriptionsmodell eingehen, an dem ihr gerade arbeitet? Es soll ja eine nachhaltige Basis schaffen, die Okuna in Zukunft finanziell über Wasser halten wird.

Joel: Wir haben uns für ein optionales Abo-Modell entschieden, ähnlich dem, das Discord für 4,99 pro Monat anbietet. Die Grundfunktionalität wird für alle Mitglieder zugänglich sein, aber finanziell beitragende Mitglieder werden einige zusätzliche Vergünstigungen erhalten, wie z.B. Uploads in höherer Größe und Qualität, zusätzliche und benutzerdefinierte Reaktionen für ihre Communities, einen Theme-Maker und eine Bibliothek, in der sie ihre Themes teilen können, und andere Vergünstigungen, die im Laufe der Zeit nicht freigeschaltet werden, sondern lediglich die für alle anderen verfügbaren Funktionen erweitern.


Frage: Ich weiß, es ist eine gemeine Frage, aber ich glaube, viele der Wartenden würden die Lage gerne etwas besser einschätzen können: Hast Du eine ungefähre Idee, wann Okuna für die Öffentlichkeit bereit sein wird?

Joel: Wir werden über die Feiertage weiter an Okuna arbeiten, aber ich möchte an dieser Stelle etwas vorsichtiger mit Schätzungen sein. Für das Abonnement-Feature haben wir 2 Wochen veranschlagt und es sind bisher bereits 4 Wochen vergangen. Das Beste, was ich derzeit sagen kann, ist Januar.

Wie geht es dann weiter?

Frage: Kannst Du uns verraten wie viele Benutzer bereits an Bord sind und wie viele noch vor der Tür auf Einlass warten? Wie wird das Onboarding der wartenden Menge gehandhabt, wenn Okuna an die Öffentlichkeit geht?

Joel: Derzeit sind bereits 8.000 Nutzer mit Okuna unterwegs. Dann sind da noch rund 25.000 Leute, die noch auf ihre Einladung zum Go-Live warten. Sobald wir an die Öffentlichkeit gehen, werden wir eine einmalige Anmeldegebühr von 0,99 Euro verlangen, um die potenziell steigenden Kosten für die IT-Infrastruktur tragen zu können und gleichzeitig zu verhindern, dass Bots dem Netzwerk beitreten und es spammen (wie wir es bei der Veröffentlichung von Byte gesehen haben).

Am Tag des Go-Live werden wir eine E-Mail an alle 25.000 Wartenden senden, in der wir sie darauf hinweisen, dass die Plattform live ist, eine Erklärung über die Anmeldegebühr und den Button, um zur Registrierung zu gelangen. Innerhalb der Plattform werden wir auch das Okuna-Sponsoren-Abonnement anbieten, bei dem wir deutlich machen, dass die Plattform noch in der Entwicklung ist und wir sie mit ihrem Beitrag nicht nur genauso gut, sondern besser als andere Plattformen machen können.

Joel, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für die ausführliche Beantwortung der Fragen genommen hast. Viel Glück bei der Lösung der verbleibenden Probleme.

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