Garuda Linux – jung und wild

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Arch Linux ist abseits des Coolness-Faktors nicht umsonst die Distribution der Wahl für viele fortgeschrittene Anwender. Die Funktionalität des Konzepts drückt sich deshalb auch in vielen Derivaten aus, die das Arch-Konzept pur oder in abgeschwächter Dosierung anbieten.

Für mich ist EndeavourOS einer der Ableger, deren Entwicklung ich verfolge. Neu hinzugekommen in meiner Beobachtungsliste ist seit einiger Zeit auch Garuda Linux. Das ist eine auf Arch Linux basierende junge Distribution mit Ursprung in Indien, die als direktes Rolling Release ausgelegt ist und sich mit innovativen Ideen und Benutzerfreundlichkeit von der Masse abheben möchte.

Große Auswahl

Allein die Auswahl von 12 Desktop-Umgebungen und Window-Managern beeindruckt. Es gibt Abbilder mit KDE Plasma gleich in dreifacher Ausfertigung, Xfce, GNOME, LXQT-Kwin, den Wayland-Compositor Wayfire sowie die Window-Manager Qtile, BSPWM, i3 und Sway. Hinzu kommen Community-Ausgaben mit Cinnamon und MATE. Zusätzlich wird für erfahrene Anwender Garuda Linux Barebones KDE Edition angeboten. Ein entsprechend großes Team vorausgesetzt, ist dies ein imposantes Angebot, das kaum Wünsche offen lässt.

Als Kernel kommt der Zen Kernel zum Einsatz, auf dem auch der vielleicht einigen hier bekannte Liquorix-Kernel basiert. Damit soll die Hardware bestmöglich angesprochen werden. Installiert wird mit dem Calamares-Framework. Das Standard-Theme hört auf den Namen Sweetified Plasma, das mit Neonfarben daherkommt, was bestimmt nicht jedermanns Sache ist. In den Systemeinstellungen ist aber schnell auf eines der Plasma-Designs umgestellt.

Das nur für 64-Bit vorliegende Garuda hat relativ hohe Anforderungen an die Hardware, empfohlen werden 40 GByte Speicherplatz und 8 GByte RAM. Bei unter 30 GByte freiem Platz beginnt die Installation erst gar nicht.

Arch pur bei den Updates

Garuda zieht Updates ungefiltert aus den Arch-Repositories und bietet als einziges Fremd-Repository Chaotic-AUR an. Es enthält bereits vorerstellte Binär-Pakete. Diese Pakete werden auf der Grundlage der Anweisungen gebaut, die im AUR für das entsprechende Paket zu finden sind.

Calamares installiert das System in wenigen Schritten und richtet das System mit Btrfs als Dateisystem ein. Als Standard-Browser kommt Firedragon zum Einsatz, eine angepasste Version von Librewolf. Beim ersten Start erblickt man den heutzutage obligatorischen Welcome-Screen, der unter anderem einen Post Installation Wizard bietet, der neben der Auswahl verschiedener Dienste wie Drucker, Samba und anderen, nach Kategorien sortiert, hunderte von Apps zur Installation anbietet. Das können sich gerne andere Distributionen abschauen.

Snapper für Btrfs-Snapshots

War in früheren Ausgaben der Distribution Timeshift für die Erstellung der Btrfs-Snapshots zuständig, so sind die Entwickler mittlerweile auf das für diesen Zweck eher geeignete und von openSUSE bekannte Snapper gewechselt. Snapper wird bei der Installation automatisch konfiguriert. Einfluss nimmt der Anwender über das Tool Btrfs Assistant. Die Btrfs-Snapshots sind auch der Grund dafür, warum Garuda mindestens 30 GByte Platz auf der Platte einfordert.

Einstellungen ohne Ende

Neben den Plasma-Systemeinstellungen bringt Garuda noch eigene Systemeinstellungen sowie Tools für Systeminfos und andere Diagnosedaten mit. Dabei kann der Anwender relevante Informationen wie den letzten Pacman-Run, Journal-Fehlermeldungen oder eine Systemanalyse gleich per Button für eventuelle Fragen im Forum kopieren. Garuda warnt zudem vor und bietet manchmal auch Hilfe bei einfachen Konfigurationsänderungen an, die bei Arch manchmal notwendig sind.

Das war nur ein kurzer Überblick über die Plasma-Edition von Garuda. Die Entwickler wollen viel und derzeit sind sie noch dabei, das alles unter einen Hut zu bekommen. Das ändert nichts daran, dass alles funktioniert. Bei den alternativen Paketformaten ist AppImage bevorzugt, Flatpak und Snap sind nicht vorinstalliert.

Jung und wild

Garuda ist noch ein wenig chaotisch organisiert, was bestimmt dem jungen Alter der Distribution geschuldet ist. Aber beim derzeit aktuellen Stand ist bereits eine Tendenz zur besseren Integration der vielen Tools zu verzeichnen. Die leichtgewichtigen Abbilder mit Wayfire und Sway sind interessant für Tests mit Wayland. Bei den Fenstermanagern dürften es ruhig weniger sein. Ob Plasma wirklich auch in Varianten für Gamer und zum Pen-Testing sein muss, wage ich zu bezweifeln. Die Integration und automatische Konfiguration von Snapper macht Sinn bei einem System, dass ein Tool namens Chaotic AUR ausliefert.

Gute Aussichten

Ich finde Garuda spannend und denke, da ist für die Zukunft noch einiges zu erwarten. Es ist nicht die reine Arch-Lehre, aber das muss es ja auch nicht sein. Die Daseinsberechtigung von Garuda setze ich mindestens so hoch an wie die für Manjaro. Empfehlen würde ich einen Blick auf Garuda denjenigen, die zwar die direkten Updates von Arch bevorzugen, sich aber gleichzeitig ein wenig Absicherung und eine große Zahl nützlicher vorkonfigurierter Tools wünschen. Garuda Linux Barebones KDE Edition ist für die, die sich ihr System selbst aufbauen möchten. Snapper und eine Menge Tools sind auch hier vorkonfiguriert. Bei der Anwendungssoftware ist nicht viel mehr als der Browser an Bord.

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