CPU-Gau

Bild: “IntelPentium4_Northwood_SL6SB_2015-05-09-17.26.07_-_ZS-PMax_-_Stack-DSC03946-DSC04026” von Fritzchens Fritz Lizenz: CC-0

 

Die Auswirkungen des CPU-Super-Gau, der in den letzten Tagen immer deutlicher die Züge einer IT-Katastrophe annahm sind noch nicht völlig überschaubar. Klar ist aber, dass letztendlich nur der Austausch der CPU die ultimative Lösung ist. Aber selbst wer sowieso in naher Zukunft die Anschaffung einer neuen CPU oder eines neuen Rechners geplant hat, wird seine zeitliche Planung neu überdenken müssen.

Intel-Mitarbeiter klärt auf

Die Tweet-Serie des ehemaligen Intel-Mitarbeiters Joe Fitz klärt uns darüber auf, dass hier mit Jahren und nicht mit Monaten zu rechnen ist, bis korrigiertes Silizium die Kunden erreicht. Aufgrund der gegebenen und über Jahrzehnte gewachsenen Komplexität heutiger Prozessoren ist es sehr aufwendig, das Layout auch nur in kleinsten Schritten zu ändern. Jedes sogenannte Stepping – bei Software würde man von einem Build-Vorgang sprechen – kostet einige Millionen Dollar und dauert einige Monate. Es ist jedoch mit einem Stepping nicht getan, ganz abgesehen von dem darauf folgenden Testzeitraum und der Auslieferung an die OEMs und der Händler für den Endkundenmarkt.

Die Zahl der Steppings ist relativ eng begrenzt, will man profitabel bleiben. Den Änderungen am Layout sind zudem enge Grenzen gesetzt, was das Ausmaß pro Stepping angeht. Es sind bei weitem nicht alles »full layer steppings«. So können etwa keine logischen Gatter geändert werden, ohne weitreichende Regressionen hervorzurufen. Bestenfalls kann man die Art, wie die Gatter angebunden sind, verändern.

Kleine Änderungen und hohe Kosten pro Stepping

Die Grenzen der möglichen Veränderungen sind von einem Bit bis hin zu wenigen Byte eng gesteckt. Instruktionen können ausgetauscht, die Richtung eines Branch angepasst werden. Verändert man mehr, beeinflusst man alles drum herum. Somit liegt der Zeitrahmen selbst für kleinste Veränderungen bei mehreren Monaten für die Steppings, weitere Monate für interne Tests des Fixes. Dann folgen Regressions-Tests gegen 50 Jahre Code, die die CPU unterstützt. Ist das alles erfolgreich durchlaufen, folgt noch einmal ein halbes Jahr für die Produktion, gefolgt von der Auslieferung.

 

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Das beschriebene Szenario mag zur Reperatur der jetzt aufgefundenen Fehler im Design unter Umständen aber auch nicht ausreichen.  Dann müsste man bei den Chip-Herstellern von der Entwicklungsphase zurück in die Planunsgsphase. Dann würden aus 1-2 Jahren der oben beschriebenen Änderungen und Steppings, die alle in die im Schaubild gelbe Entwicklungsphase fallen schnell 5-6 Jahre unter Einbeziehung der rosa Planungsphase.

Teurer Design-Fehler

Für Intel und die anderen betroffenen Hersteller bedeutet das, dass der Absatz der bereits produzierten und im aktuellen Stepping noch zu produzierenden CPUs wahrscheinlich hohe Verluste nach sich ziehen werden, die von den Entwicklungskosten für eine bereinigte Architektur nochmals erhöht werden. Zudem sieht sich Intel bereits ersten Klagen gegenüber, die ebenfalls die Kasse strapazieren werden. Die bisherigen Klagen beziehen sich darauf, dass Intel in den letzten Monaten bewusst schadhafte CPUs verkauft habe ohne dies den Kunden mitzuteilen.

 

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