Haiku

Screenshot: ft

Seit 16 Jahren arbeiten die Entwickler von Haiku an einer freien Implementierung des im Jahr 2001 eingestellten Betriebssystems BeOS. Die letze Alpha-Version von Haiku erschien vor sechs Jahren. Jetzt ist mit einer knappen Ankündigung eine erste Beta-Version freigegeben worden.

Alles neu

Haiku baut nicht auf dem kommerziellen BeOS-Quellcode auf, sondern wurde vollständig neu geschrieben. So ist etwa der verwendete Hybridkernel ein Fork von NewOS von Travis Geiselbrecht, der bereits den BeOS-Kernel verantwortet und in letzter Zeit für Google den Zirkon-Kernel für deren Betriebssystemprojekt Fuchsia schrieb.

Haiku fällt aus dem Rahmen, denn es ist, obwohl es Code von Linux und BSD nutzt, kein unixoides Betriebssystem, aber auch keiner anderen Kategorie zuzuordnen. Die Entwicklung von Teilbereichen wurde bei mehreren Teilnahmen am Google Summer of Code vorangetrieben.

BeOS 5 als erstes Ziel

Ziel von Haiku ist zunächst, BeOS 5, die letzte Veröffentlichung von BeOS nachzubilden und diese dann im weiteren Verlauf zu verbessern. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, dass sowohl die alten BeOS-Anwendungen lauffähig sind als auch neu erstellte Anwendungen. Als  Paketverwaltungssystem kommt Haiku Depot zum Einsatz.

Die Release Notes umfassen sechs Jahre Entwicklung und sind dementsprechend prall gefüllt. Mit dieser Beta-Version wird erstmals offiziell ein Abbild für  x86_64 angeboten, was im Gegensatz zu der 32-Bit-Version aber keine der originalen BeOS-Anwendungen ausführen kann.

Modernes Paketformat

Die mit Abstand größte Änderung in dieser Beta-Version betrifft die Paketverwaltung. Das Haiku-Paketverwaltungssystem ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Anstatt eine Datenbank installierter Dateien mit einer Reihe von Werkzeugen zu verwalten, sind Haiku-Pakete eine Art komprimiertes Dateisystem-Image, das bei der Installation und danach bei jedem Boot von der Kernel-Komponente packagefs eingehängt wird.

Pakete mit Rollback

Da die Pakete eigentlich nur aktiviert und nicht installiert werden, können sie beispielsweise nach einem fehlerhaften Update in einen vorherigen Paketstatus booten, eine Technik, die unter Linux in letzter Zeit als atomare Updates die Runde macht. Die Release Notes bieten noch viele interessante Einblicke in die Funktionalität von Haiku.

Derzeit stehen als Live-Medium mit Installer ausgelegte Images für die x86-Plattform in 32- und 64-Bit zum Download bereit, die in einer virtuellen Maschine oder vom USB-Stick gestartet werden können.

BeOS, ZETA, Haiku…

Haiku weckt bestimmt nicht nur das Interesse von Nostalgikern. Ich kann mich erinnern, BeOS 1996 genutzt und es im Vergleich mit Windows 95 als recht fortschrittlich empfunden zu haben. Kurz nach der Jahrtausendwende gab es dann noch eine Weiterentwicklung namens ZETA, die für 100 DM angeboten wurde. Die habe ich aber nicht mehr getestet, da ich da schon Linux entdeckt hatte. SUSE war damals mit 40 DM für CDs und Handbuch um einiges erschwinglicher.

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