Librem 15 v3 von Purism

Ist Tuxedo Computers ein auf Linux spezialisierter Hardware-Ausrüster, der die Standard-Distribution leicht an die Hardware anpasst, so geht die Firma Purism um einiges weiter. Das Unternehmen aus San Francisco hat als Gesellschaftsform eine Social Purpose Corporation (SPC) gewählt, die es nur in wenigen US-Staaten gibt. SPC-Firmen stellen den Profit nicht an die erste Stelle, sondern weiter nach hinten. Der Schwerpunkt liegt darauf, den Kunden das bestmögliche Produkt mit den bestmöglichen Komponenten zu liefern.

In Sinne des Kunden

Wenn Entscheidungen über Hardwarekomponenten getroffen werden, so hat sich Purism eine bestimmte Reihenfolge vorgegeben, wie eine Komponente zu bewerten ist. Dabei ist zunächst wichtig, dass sie dem künftigen Nutzer möglichst viel Freiheit gewährt. Als Zweites wird eine gute Qualität angestrebt. Erst danach geht es um Preis, Verfügbarkeit und weitere Details. So sind die Interessen des Kunden bereits bei der Komponentenauswahl gut berücksichtigt.

Zwei aktuelle Linux-Notebooks aus 2018

Eigenes Mainboard

In diesem Sinne entwirft Purism seine Mainboards selbst und ergänzt sie mit TPM und Kill-Switches. Das Trusted Plattform Module, dass Purism bei allen neuen Notebooks auf das Mainboard lötet, ist ein sicherer kryptografischer Schaltkreis, der einen hardwarebasierten Ansatz zu Benutzerauthentifizierung, Netzwerkzugriff, Datenschutz und mehr bietet. Seit kurzem wird es durch die Sicherheits-Firmware Heads von Trammell Hudson ergänzt. Purism liefert Coreboot anstatt proprietärem BIOS und schaltet, wie auch Tuxedo, die Intel Management Engine fast gänzlich ab. Derzeit arbeiten die Entwickler unter anderem daran, Coreboot-Updates per fwupd zur Verfügung zu stellen.

Deutscher Vertrieb

Purism hat zurzeit die Notebooks Librem 13 und Librem 15 im Angebot, das Convertible-Tablet Librem 11 und das Linux-Smartphone Librem 5 sind in der Entwicklung. Ich konnte für einige Wochen mit einem Librem 15 v3 arbeiten, das mir freundlicherweise vom deutschen Purism-Vertrieb Floss Shop zur Verfügung gestellt wurde. Der Grundpreis mit deutschen Tastatur-Layout beträgt 1742 Euro, der Versand ist weltweit kostenlos.

Fingerabdruckmagnet

Das Librem 15 in der dritten Auflage steckt in einem eloxierten schwarzen Aluminium-Gehäuse ohne sichtbares Branding. Lediglich auf der Unterseite und auf der Windows-Taste prangt das Purism-Logo. Das Gerät misst 375 × 244 × 22 mm bei einem Gewicht von 1,8 kg. Gleich beim Auspacken wurde klar, dass das Gehäuse ein Magnet für Fingerabdrücke ist.

Zwei aktuelle Linux-Notebooks aus 2018

CPU aus der Skylake-Architektur

Die technischen Daten unseres Testgeräts beinhalteten eine Intel Core i7 6500U CPU mit integrierter Grafikeinheit HD Graphics 520. Der Prozessor entstammt der Skylake-Architektur und ist somit nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Das ist aber auch nicht das Hauptziel der Purism-Notebookreihen. Unser Testgerät verfügte über den Vollausbau mit 16 GByte DDR4-RAM, die mit 2133 MHz takten. In der Grundversion sind ebenfalls nicht mehr ganz zeitgemäße vier GByte Hauptspeicher verbaut.

Stabiler Aufbau

Das matte Display bietet eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten und bietet frische Farben. Was gleich gefiel waren die Display-Scharniere aus Metall, die, wie das gesamte Notebook, einen sehr stabilen Eindruck vermitteln. Die Tastatur bietet einen Zahlenblock und eine zweistufige Hintergrundbeleuchtung. Mit ihrem guten Druckpunkt ist sie auch für Vielschreiber geeignet. Auch der Akku unterstützt diese Spezies, er hält bei gemischter Nutzung 6 – 7 Stunden durch.

Auch beim Librem 15 sind alle Komponenten leicht zugänglich, der Gehäuseboden kann mit dem Lösen von 14 Schrauben entfernt werden. Bei den Schnittstellen bietet Purism drei USB-3.1-Ports, wovon einer als Typ-C ausgelegt ist sowie zwei zusätzliche USB-2.0-Ports. Der HDMI-Port unterstützt 4K.

Ethernet nur per USB

Im Gegensatz zum Tuxedo-Notebook verzichtet Purism, wie viele Ultrabook-Hersteller auf die RJ45-Buchse für einen Ethernet-Anschluss. Da hilft bei Bedarf nur der Griff zu einem USB-Netzwerkadapter. Das Librem 15 arbeitet flüsterleise, der leise surrende Lüfter schaltet sich nur bei hoher Systemlast zu und danach auch gleich wieder ab.

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Kill-Switches trennen das Librem von der Außenwelt

Ein Alleinstellungsmerkmal bei Purism-Geräten sind die Kill-Switches. Mit diesen Hardware-Schaltern lassen sich Komponenten wie WLAN und Bluetooth sowie Kamera samt Mikrofon schnell abschalten.

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Alle Kommentare
  • Steven Seifried

    16.12.2018, 16:23 Uhr

    Was mich bei Purism stört sind die Aufpreise:

    1x 16 GB: 75€ (Tuxedo) vs. ~184€ (Purism)
    Anderes Tastaturlayout: 0€ (Tuxedo) vs. ~70€ + kleinere Auswahl (Purism)

    Zumindest beim InfinityBook Pro 13 lassen sich folgende Dinge um UEFI-BIOS abschalten:

    – Integrierte Webcam
    – WLAN
    – HD-Audio
    – Intel ME

    Ich denke mal dass sich das auch beim InfinityBook Pro 14 abschalten lässt.

    • Ferdinand Thommes

      16.12.2018, 16:28 Uhr

      Richtig, lässt sich auch da im BIOS abschalten. Purism will aber eine Funktion bieten, die die Abschaltung in Sekundenbruchteilen bieten, wenn Gefahr im Verzug ist. Mit den Aufpreisen gebe ich Dir recht, die sind heftig. Aber Purism leistet sehr gute Arbeit, die Preisstruktur sollte vielleicht transparenter sein.

  • A.R.H.

    16.12.2018, 23:23 Uhr

    Grüß Gott,
    auch Schenker verkauft diese Clevo Produkte.
    Die Preisunterschiede sind zwischen Tuxedo und Schenker sind überlegenswert ….

  • Uwe

    17.12.2018, 01:35 Uhr

    Hübsch. Als Dienstlaptops im weitesten Sinne, OK. Für mich und den Hausgebrauch ersetzt es nicht den Desktop, da kein DVD/BD Laufwerk eingebaut ist. Eigentlich schade.

    • Ferdinand Thommes

      17.12.2018, 05:54 Uhr

      Ich kann dir nicht sagen wann ich das letzte Mal ein optisches Laufwerk verwendet habe, auf jeden Fall ist es einige Jahre her. Für Notfälle verstaubt ein externes Laufwerk im Schrank.

  • spaetschicht

    17.12.2018, 06:36 Uhr

    mein groesstes Problem beim Umstieg von Thinkpad auf Purism _ist_ der fehlende ‘rote Punkt’ zwischen den Tasten. Auf Reisen hab ich deswegen wieder mein altes x200 dabei.
    Aber die Komposition (Idee -> Entwicklung -> Realisierung) zu einem freien Rechner (eben nicht im Sinne von Freibier) kann in diesen kleinen Mengen imo nicht günstiger sein!

    Danke an dich, Ferdinand fuer die interessanten Artikel (nicht nur hier) und liebe Gruesse an die zwei Maedels von FOSS, dass sie diese wunderbaren Geraete hier auf dem Kontinent weiterverbreiten!

  • Matthias Böhm

    22.12.2018, 18:26 Uhr

    Ein super Bericht über zwei Geräte die ich schon in der engeren Auswahl hatte. Wenn man geringere Ansprüche in Bezug auf die Leistung hat, gibt es deutlich günstigere Alternativen. Beispielsweise kann man bei Acer das Swift 3 mit ab Werk vorinstallierten Endless OS beziehen, das nach einem Update auf die neueste Version erstaunlich erwachsen geworden ist. Ich betreibe das Gerät mittlerweile mit Elementary OS und liebe es schon allein aufgrund der Handlichkeit und der guten Akkulaufzeit.