Richard Stallmans unwürdiger Abgang

Richard Stallmans unwürdiger Abgang
Richard Stallman beim Commons-Fest in Athen 2015 | Bild: Dkoukoul | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Richard Stallman, Gründer von GNU und der Free Software Foundation, eine der Galionsfiguren der Free Software Bewegung, tritt als Präsident der Free Software Foundation (FSF) sowie von seiner Tätigkeit als Gastwissenschaftler am »Computer Science and Artificial Intelligence Lab« (CSAIL) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zurück.

Druck von verschiedenen Seiten

Damit gibt Stallman dem Druck nach, der seit Tagen seitens der Social Justice Warrior (SJW) und Teilen der Gemeinschaft freier Software auf ihm lastete. Auslöser waren Äußerungen Stallmans im Zusammenhang mit der Affäre um den Multimillionär Jeffrey Epstein, der kürzlich im Gefängnis Selbstmord beging. Epstein war ein verurteilter Sexualstraftäter, der über Jahre einen Prostitutionsring geleitet und seinen reichen Freunden zum Teil minderjährige Frauen zugeführt haben soll. Epstein hatte unter anderem auch das MIT finanziell unterstützt.

Stallman verurteilte zwar die Taten von Epstein, versuchte aber den inzwischen verstorbenen MIT-Professor und KI-Pionier Marvin Minsky in Schutz zu nehmen. Der wurde beschuldigt, Sex mit einer 17-jährigen Frau gehabt zu haben, die ihm von Epstein zugeführt wurde. Bewiesen ist das allerdings nicht.

Minsky in Schutz genommen

Stallman hatte sich zu den Vorwürfen gegen Minsky kürzlich auf der Mailingliste des CSAIL geäußert. Dabei stellte er den Begriff des »sexuellen Übergriffs« in diesem Zusammenhang infrage. Er schrieb unter anderem, das »plausibelste Szenario« sehe er darin, dass Epsteins minderjähriges Opfer, dass er zu Minsky schickte, sich dem »als willig« präsentiert habe.

Fragwürdige Ansichten

Außerdem sei es moralisch absurd, den Begriff Vergewaltigung von Kleinigkeiten abhängig zu machen, wie ob das Opfer 17 oder 18 Jahre alt sei. Bereits mehrfach hatte sich Stallman kontrovers zum Thema Pädophilie geäußert. So sagte er 2006, er sei skeptisch, ob einvernehmliche Pädophilie Kindern wirklich Schaden zufüge. Seit mehr als 15 Jahren schrieb er auf seiner persönlichen Website Dutzende von Beiträgen zugunsten der Legalisierung von Pädophilie und Kinderpornographie.

Der Druck auf Stallman nahm seit den letzten Äußerungen stark zu. Angefacht von Studenten am MIT griff sie über die SJWs auch auf die Gemeinschaft freier Software über. So hatten sich unter anderem die Gnome Foundation und die Software Freedom Conservancy von Stallman distanziert und seinen Rücktritt gefordert.

Stallman hat sich durch seine wiederholte Verharmlosung von Pädophilie selbst ins Abseits gestellt, anstatt in Würde abzutreten. Er hätte wissen müssen, dass moralisch stark von der Norm abweichendes Verhalten nicht mit einer öffentlichen Position vereinbar ist.

Stallman selbst kommentierte seinen Rücktritt so: »Ich tue dies aufgrund des Drucks auf das MIT und mich selbst aufgrund einer Reihe von Missverständnissen und Fehlcharakterisierungen«.

Richard Stallmans unwürdiger Abgang
1 1 vote
Article Rating
1 1 vote
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Falls angehakt, wird ein MD5-Hash-Wert deiner E-Mail-Adresse an Gravatar.com übermittelt. Der Hash-Wert wird jedoch nicht veröffentlicht.
5 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments