Wegwerfartikel Smartphone
Librem 5 App Drawer

Smartphones sind teure Wegwerfartikel. Zu einem anderen Schluss kann man nicht kommen, wenn man bedenkt, dass die Nutzungsdauer heutiger Smartphones nur rund zwei Jahre beträgt. Wenn man dann noch weiß, dass nur etwa ein Prozent aller Smartphones recycelt werden, weiß man auch, wo der Rest früher oder später landet: auf dem Müll.

Wegwerfartikel Smartphone

Schuld an dieser Misere tragen alle Beteiligten. Allen voran die Provider, in deren ureigenstem Interesse es liegt, dass wir alle zwei Jahre einen neuen Vertrag unterschreiben, der uns bindet. Als Belohnung für diese Abhängigkeit gibt es oft genug das neueste Smartphone subventioniert für wenig Geld oder sogar nur einen symbolischen Euro.

Hersteller und Provider vereint

Die Hersteller springen natürlich nur zu gerne auf diesen Zug auf und veröffentlichen ständig neue Smartphones, sodass egal, wann ein Vertrag ausläuft, immer ausreichend Auswahl an aktuellen Geräten aller Preisklassen besteht. Die Geräte sind vom Besitzer kaum noch zu reparieren, oft genug nicht einmal mehr zu öffnen. SD-Slots werden zur Seltenheit. Wenn Du den Speicher beim Kauf zu klein bemessen hast, heißt es, Daten löschen oder ein neues Gerät kaufen.

Zum Wegwerfen konzipiert

Noch seltener sind austauschbare Batterien geworden. Die perverse, diesen Teufelskreis legitimierende Begründung lautet, dass der Akku sowieso länger intakt bleibt als das Gerät genutzt wird. Google ist mit Android natürlich ein Teil dieser Wegwerfspirale, garantiert der Hersteller doch maximal drei Jahre Updates für neue Geräte.

Wir sind mit schuld

Nicht zuletzt sind wir natürlich alle selbst schuld an der Misere, denn wir ermöglichen durch unser willfähriges Verhalten diesen Kreislauf erst. Wenn wir unser ökologisches Gewissen einsetzen und uns gemeinsam gegen diesen Trend stellen würden, wären die Profiteure machtlos. Aber das wird natürlich nicht passieren.

Librem 5 mit anderem Konzept

Als Gegenentwurf wird derzeit das Librem 5 ausgeliefert. Abgesehen davon, dass hier möglichst freie Hardware auf völlig freie Software trifft, ist dieser Linux-PC für die Hosentasche, der konvergent ausgelegt ist und nebenbei noch telefonieren kann, auf Langlebigkeit konzipiert, wie Kyle Rankin, der technische Leiter bei Purism, in seinem aktuellen Blogpost ausführt.

Wie alter Wein

Nicht nur ist der Speicher erweiterbar und der Akku austauschbar, auch weitere Komponenten wie das Modem können ausgetauscht werden. Zudem sagt Purism Aktualisierungen des Betriebssystems für die Lebensdauer des Geräts zu. Das bedeutet, dass das Librem 5 über die Jahre besser wird und nicht schlechter. Deshalb ist der bei der Software noch frühe Stand der jetzt ausgelieferten Modelle für Enthusiasten auch kein Problem. Die nächsten Verbesserungen sind nur ein apt upgrade entfernt.

Ist es wirklich zu teuer?

Da Linux generell mehr aus der Hardware herausholt als andere Betriebssysteme, hinkt auch der Vergleich mit aktueller Smartphone-Hardware, der gerne angestellt wird, um aufzuzeigen, wie hoffnungslos überteuert das Librem 5 doch gegenüber der Konkurrenz ist. Wenn man das Gesagte in Betracht zieht und weiß, das Purism für eine Langzeitvision steht, erscheint der Preis von 699 Euro für die erste Auflage in einem anderen Licht.

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Alle Kommentare
  • Uwe

    12.12.2019, 13:09 Uhr

    Ich persönlich kann mit dem Gesamtkonzept: Smartfon einfach nichts anfangen. Als technische Spielerei, als Machbarkeitsstudie ist es ja interessant aber ich finde das ineffektiv, überteuert und für mich als nutzlos.

    Egal welcher Hersteller das baut oder welches BS das Smartfon hat.

    -keine Flatrate wie Festnetz
    -überteuerte undurchsichtige Volumen Tarife
    -zu kleiner Monitor fürs video/Internet ( 7″, was soll das?)
    -keine echten Tasten
    -keine normalen usb2 Schnittstellen für Zubehör
    -usw.

  • tuxnix

    12.12.2019, 14:30 Uhr

    Für Patrioten gibt es das Librem 5 bald auch in der made in USD Version für 1999 USD.
    Einzige Unterschied zur 699 USD Variante besteht darin, dass die Platinen in der USA bestückt werden. Die Hardware ist ansonsten identisch. Etwas verrückt mutet das schon an, ist doch die Chance mit dem Librem 5 ausspioniert zu werden geringer als bei allen anderen Smartphones die ebenfalls aus China kommen. Aber, es scheint auch Käufer zu diesem Preis zu geben. Bestimmt ist es für Purism so einfacher neue Prototypen herzustellen und zu testen. Bei den nächsten Chargen soll der SOC auf die Rückseite der Platine wandern um die Hitze besser über das Gehäuse ableiten zu können.

    • Ferdinand Thommes

      12.12.2019, 14:36 Uhr

      Ich kann mir vorstellen, dass es in Unternehmen mit einem besonders hohen Sicherheitsbedarf Kunden für die in den USA gefertigten Geräte gibt.

  • tuxnix

    12.12.2019, 14:49 Uhr

    Stimmt. Ähnlich wie bei Necunio, die einen ordentlichen Aufpreis haben nur um den gesamten Produktionsablauf kontrollieren zu können. Bei Purism kam mir der Gedanke, dass es für die nächste Anpassung ohnehin erforderlich ist die Produktion in der Nähe zu haben. Wie will man sonst testen. Denke, Purism macht aus dieser Erfordernis ein Produkt und lässt sich so den Aufwand vergüten.

  • Thoys

    12.12.2019, 20:14 Uhr

    Friday for Future ist nett aber mein Smartphone soll natürlich alle zwei Jahre erneuert werden 😉
    sehr traurig.

  • krutor

    12.12.2019, 23:42 Uhr

    Alternativ tut es auch ein gebrauchtes Telefon (z.B. Fairphone2) mit LineageOS, da hält dann auch länger 🙂

    • Ferdinand Thommes

      12.12.2019, 23:48 Uhr

      Natürlich gibt es Alternativen, wenn man offen dafür ist. Ich wünsche mir halt schon ewig ein brauchbares Linux-Phone.

  • andi

    13.12.2019, 16:01 Uhr

    Hallo Ferdinand , ich habe diese Woche von dem Linux SmartPhone PINEPHONE erfahren, welches im Frühjahr 2020 für $149.99 erscheinen soll.
    Kannst du etwas zu diesem Gerät sagen?

    • Ferdinand Thommes

      13.12.2019, 19:25 Uhr

      Ich habe schon öfter über das PinePhone berichtet, zuletzt hier. Ich habe mir ein BraveHeart bestellt, das im Januar geliefert werden soll. Ich habe beim PinePhone die Befürchtung, dass es mit der schwachen Hardware-Ausstattung nicht zum Ersatz als täglicher Begleiter taugen wird. Aber warten wir mal den Test ab.

  • tuxnix

    14.12.2019, 14:43 Uhr

    Ich bin beim PinePhone auch sehr gespannt darauf, ob es als daily driver taugen kann. Noch wichtiger als die nackten Leistungsdaten der Hardware wird sein, ob man mit einer Akkuladung auch über den Tag kommen kann. Noch ist es viel zu früh darüber zu spekulieren. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass man beim Energie-Management hier ähnliche Probleme wie beim Librem 5 bekommt und noch nachbessern muss. Warten wir’s ab.
    Spannend finde ich die Entwicklung. Dadurch, dass gleich zwei Geräte erhältlich sind findet auch die Software-Entwicklung in der nötigen Breite statt. Ubos vermeldet das erste Telefongespräch und Manjaro steigt mit einer Alph1 bei der Unterstützung des PinePhone’s mit ein. https://forum.manjaro.org/t/manjaro-arm-alpha1-for-pinephone/113744.
    Während Purism sein Projekt geziehlt voranbringt, sorgt das PinePhone für die nötige Breite der Entwicklung.
    Besser kann es doch gar nicht laufen.

  • axt

    14.12.2019, 20:50 Uhr

    > Zudem sagt Purism Aktualisierungen des Betriebssystems für die Lebensdauer des Geräts zu.

    …und für die Lebensdauer von Purism, versteht sich. Das kann dann auch kürzer sein und mit den 700 EUR hoch gepokert.

    • Ferdinand Thommes

      14.12.2019, 21:00 Uhr

      Ich hab “nur” $599 bezahlt. 🙂
      Ich habe zudem nicht das Gefühl, dass Purism in absehbarer Zukunft vom Markt verschwindet. Kann natürlich täuschen. Aber selbst wenn das passiert, würde die Community die Software weiterführen. Und wenn nicht, gibt es genug Alternativen zu PureOS.

  • Detlef S

    15.12.2019, 17:49 Uhr

    Das passt doch zu unsrem Wirtschaftssystem, und die Mobilfunk-Konzerne feuern das auch noch an, schliesslich bieten die ja alle 2 Jahre ein neues Handy an, wenn man einen Vertrag hat. Ich hatte auch mal ein Smartphone, weil es Linux an Bord hatte, da wurde nach wenigen Jahren die Weiterentwicklung eingestellt, Linux wollten nur die wenigsten, nun habe ich wieder mein altes NOKIA E7, und was soll ich sagen, es verrichtet immer noch seinen Dienst, Smartphone, ist für mich Rohstoff-Verschwendung.