Maui

Gerade erst hat Microsoft auf seiner Entwicklerkonferenz Build Erweiterungen für das Windows Subsystem for Linux in zweiter Version bekannt gegeben und setzt dabei einen Linux-Kernel ein. Wenige Tage vorher hatte Microsoft-Präsident Brad Smith offiziell eingestanden, sein Unternehmen habe Open Source Anfang des Jahrhunderts falsch eingeschätzt.

Paulus oder doch Saulus?

Irgendwann könnte man geneigt sein, Microsoft ihre Wandlung vom Saulus zum Paulus abzukaufen, doch dann rupft man dieses zarte Pflänzchen mit Stiel und Stumpf wieder aus. So geschehen in den letzten Tagen. Der Konzern aus Redmond änderte den Namen des Frameworks Xamarin.Forms im Rahmen der Integration in die .Net-Umgebung zu MAUI. Dabei hat man – wissentlich oder nicht – übersehen, dass es bei Linux bereits zwei durch KDE verbundene Projekte gleichen Namens gibt. Da ist einerseits die Distribution Maui, andererseits MauiKit, das, wie der neue Namensvetter, ebenfalls ein Framework zur Erstellung von Nutzerschnittstellen darstellt.

Microsoft was on the wrong side of history when open source exploded at the beginning of the century, and I can say that about me personally

Brad Smith, President, Microsoft

Ich will Microsoft nicht unterstellen, hier absichtlich und provokativ gehandelt zu haben. Allerdings, wenn es ein Versehen war, dann sollte man in Redmond mal ordentlich mit dem eisernen Besen durch die Rechtsabteilung fegen. Die ist vermutlich größer als die Entwicklerteams der meisten Linux-Projekte und hat offensichtlich übersehen, dass MAUI als KDE-Projekt bereits seit 2014 als Wortmarke geschützt ist.

Der Affront machte natürlich schnell die Runde und löste besonders auf GitHub rege Diskussionen aus. Das kann Microsoft natürlich nicht gefallen, da GitHub im Sommer 2018 von Microsoft übernommen wurde.

Diskussion unterdrückt

Die vielen Kommentare wurde in der Folge fast alle als Off-Topic versteckt und Microsoft-Mitarbeiter David Ortineau hinterließ seine Microsoft-E-Mail-Adresse, um die Diskussion von der Plattform zu verlagern. Als das nichts nutze, wurde der Thread als »too heated« geschlossen.

Die Entwickler von MAUI (MauiKit, Maui Apps) äußerten sich auf ihrer Webseite und eröffneten ebenfalls eine Diskussion auf GitHub, die zwar zwischenzeitlich für Nichtbeteiligte wurde, aber offiziell als Thread zur Klärung der Angelegenheit benannt wurde.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Angelegenheit beigelegt wird. Wird Microsoft seine Marktmacht versuchen durchzusetzen oder Kleinbeigeben? Was glaubt ihr?

Microsoft liebt Linux, aber…

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Alle Kommentare
  • Helmut

    23.05.2020, 11:50 Uhr

    Zu Microsoft fallen mir immer nur zwei Wörter ein, Spyware und Böse.

  • arnulf

    23.05.2020, 11:50 Uhr

    Moin,
    es ist und es bleibt eine Firma, es wird nur zurückgenommen wenn genug Druck ensteht.
    QNAP (Taiwan) hat gerade ähnliches erlebt in dem sie nach einem Update Werbung nach der Anmeldung platzierte.
    Abwarten und Tee trinken.
    Gruß

  • Andreas

    23.05.2020, 13:43 Uhr

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Mozilla ihren Browser Firebird in Firefox umbenennen musste, weil es eben schon das OSS Datenbank Projekt Firebird gab ( https://de.wikipedia.org/wiki/Mozilla_Firefox#Name).

    Im Grunde genommen also nichts ungewöhnliches, und man sollte annehmen, dass es für Microsoft kein Problem sein sollte, sich einen neuen schicken Namen einfallen zu lassen. Solange es nicht .NET Cute wird 😉

    • Ferdinand Thommes

      23.05.2020, 13:47 Uhr

      Das Problem ist eher, dass sie es entweder nicht mitgekriegt haben, dass sie Markenrecht verletzen oder es ihnen egal ist, da sie es mit Marktmacht durchsetzen wollen.

  • Detlef S

    23.05.2020, 14:59 Uhr

    Also wenn ich ehrlich bin, als Linuxer stinkt es mir, wenn ich darüber nachdenke, wie MS sich Linux immer mehr zu eigen macht, Aber die machen nichts, wovon sie nicht profitieren! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

  • Andreas

    23.05.2020, 19:41 Uhr

    Ich sehe gerade, dass es noch mehr Frameworks mit dem Namen MAUI gibt:
    https://github.com/iwoj/Maui
    https://www.researchgate.net/publication/299642500_The_Mobile_App_Usability_Inspection_MAUi_Framework_as_a_Guide_for_Minimal_Viable_Product_MVP_Testing_in_Lean_Development_Cycle

    Wenn man die Diskussion beim .NET Projekt so verfolgt, gewinnt man den Eindruck, Microsoft wäre verpflichtet gewesen, zu prüfen, ob es etwas mit diesem Namen schon gibt. Aber scheinbar haben das die Leute von https://mauikit.org/ auch nicht gemacht.
    Oder es war ihnen genauso egal, wie es jetzt Microsoft ist.

    • Ferdinand Thommes

      23.05.2020, 20:06 Uhr

      Im Endeffekt ist entscheidend, wer die Namensrechte besitzt. In diesem Fall ist das seit 2014 der Entwickler und Philanthrop Clemens Tönnies Jr, Besitzer von Blue Systems, der einige KDE-Projekte unterstützt und ein Dutzend KDE-Entwickler beschäftigt.

  • tuxnix

    23.05.2020, 22:20 Uhr

    Erstmal ist doch interessant wie Microsoft mit Diskussionen umgeht. Das Verhalten erinnert doch eher an böse Diktaturen die keinen Widerspruch dulden. Auch ist kritisch zu sehen, dass GitHub von dieser Firma geleitet wird. Was die Namensrechte angeht so sollte man entspannt sein. Wenn der Name rechtlich von Blue Systems gesichert ist, dann wird Microsoft wohl Federn lassen müssen. Falls diese Rechtsprechung nicht mehr gelten sollte nenne ich mein nächstes Programm Windows und biete es im Internet für 15€ an. Mal sehen wer dann anfängt zu schreien. Microsoft hat doch den grössten Profit an bestehenden Namensrechten und Lizenzen. Ich will ja nicht bestreiten, dass Microsoft eine große Macht besitzt, aber sollten sie hier erfolgreich sein, kommt der Schaden wie ein Bumerang auf sie selbst zurück.

  • Sebastien

    24.05.2020, 12:53 Uhr

    “Wenn man die Diskussion beim .NET Projekt so verfolgt, gewinnt man den Eindruck, Microsoft wäre verpflichtet gewesen, zu prüfen, ob es etwas mit diesem Namen schon gibt. Aber scheinbar haben das die Leute von https://mauikit.org/ auch nicht gemacht.”

    Selbstverständlich ist eine Firma verpflichtet zu prüfen, ob etwas mit diesem Namen bereits als Wortmarke geschützt ist. Marktmacht hin oder her, hier wird Microsoft wohl den kürzeren ziehen. Voraussetzung ist natürlich, dass Maui/KDE auch versucht die Rechte an der Wortmarke durchzusetzen. Solche Rechte verfallen nämlich durch Untätigkeit des Rechteinhabers… 😉

  • Sebastien

    24.05.2020, 13:19 Uhr

    “Das Problem ist eher, dass sie es entweder nicht mitgekriegt haben, dass sie Markenrecht verletzen oder es ihnen egal ist, da sie es mit Marktmacht durchsetzen wollen.”

    Der Besitzer der Wortmarke ist ein gewisser Herr T. aus Oelde. Er gehört nicht gerade zu den Ärmsten im Lande (er besitzt 25% Anteile an einer Firma mit 6,3 Milliarden Euro Jahresumsatz, der Onkel von Herr T. dürfte Fußballfans bekannt sein). Ich rate jetzt einmal, dass dem Herrn T. genug Mittel und Wege zur Verfügung stehen sich gegen die “Marktmacht” von Microsoft zur Wehr zu setzen… 😉

  • Jochen Geyer

    25.05.2020, 23:22 Uhr

    Wer immer noch glaubt, dass Microsoft sich geändert hat und Linux wirklich voranbringen möchte, der ist entweder mit dem Klammersack gepudert, oder einfach naiv.
    Denn dieser kommerzgetriebene – und ganz nebenbei auch viel zu mächtige – Konzern interessiert sich doch überhaupt nicht für Linux, sondern lediglich dafür wie man mit Linux die eigenen Services effizienter/effektiver/gewinnbringender gestalten kann.
    Das sieht man vor allem an den MS Cloud-Services, die im übrigen auf Red Hat-Infrastruktur realisiert wird.

    Aber im Gegensatz zu Red Hat setzt Microsoft diese Infrastruktur gezielt dazu ein, um noch mehr Daten abzuschnocheln.

    Also kurz: Microsoft unterstützt Linux nicht, sondern nutzt es lediglich für seine perfiden Zwecke.
    Meine Befürchtung: Das schadet Linux mehr, als das es nutzt.