Brave-Browser unterstützt das dezentralisierte IPFS-Protokoll

IPFS

Der Webbrowser Brave fügt mit dem neuesten Update auf Version 1.19.86 als erster Browser in Zusammenarbeit mit Protocol Labs native Unterstützung für das dezentrale InterPlanetary File System (IPFS) hinzu. IPFS ist ein Open-Source Peer-to-Peer-Protokoll, mit dem Dateien gespeichet und freigegeben werden können. Es gleicht in vielen Punkten dem bekannteren BitTorrent-Protokoll.

Dezentralisiertes Surfen

IPFS ist eine dezentralisierte Alternative zum HTTP-Protokoll, die ein geografisch verteiltes Schwarmnetzwerk verwendet, wie Brian Bondy, Mitbegründer von Brave, im Firmenblog erläutert. Es erlaubt Erstellern von Medieninhalten, diese ohne hohe Bandbreitenkosten zu verteilen und dabei die Vorteile der Datendeduplizierung und Datenreplikation zu nutzen. IPFs kann zudem für die Gestehungskosten senken, da weniger Server benötigt werden.

Das Surfen mit IPFS ist schneller, da auf Webseiten auf nahegelegenen Knoten zugegriffen werden kann. Auf zuvor bereits gesehene Inhalte kann mit IPFS sogar offline zugegriffen werden. Der wichtigste Vorteil von IPFS ist aber, dass es Regierungen und anderen Stellen das Zensieren von Webangeboten erschwert.

Zensur erschweren

Denn das IPFS-Netzwerk ermöglicht den Zugriff auf Inhalte, auch wenn diese von Konzernen und Nationalstaaten zensiert wurden, wie IPFS-Projektleiter Molly Mackinlay weiß. Das betrifft aktuell etwa Teile von Wikipedia in Thailand, viele blockierte Webseiten in der Türkei oder Informationen zu Covid 19 in China. Jeder mit einem Internetanschluss kann diese oft kritischen Informationen jetzt mit Brave über IPFS zugreifen.

Mit Brave 1.19 ausprobieren

Brave macht mit seinen 24 Millionen monatlich aktiven Anwendern einen Anfang. Um das Web wirklich zu dezentralisieren, müssen andere, weit größere Browser folgen. Bis es so weit ist, kann IPFS mit dem aktuellen Brave-Browser 1.19 ausprobiert werden. Um IPFS einzuschalten kann folgender IPFS-URI in Brave eingegeben werden:

ipfs://bafybeiemxf5abjwjbikoz4mc3a3dla6ual3jsgpdr4cjr3oz3evfyavhwq/wiki/Vincent_van_Gogh.html

Auch mit anderen Browsern nutzbar

Standardmäßig lädt Brave den URI über ein öffentliches HTTP-Gateway, zeigt jedoch eine Infoleiste an, in der gefragt wird, ob ein lokaler Knoten zur Auflösung von IPFS-URIs verwendet werden soll. Für die Verwendung eines lokalen Knotens lädt Brave automatisch go-ipfs herunter und leitet den zukünftigen Datenverkehr über diesen Knoten. Es ist nicht erforderlich, einen IPFS-Knoten manuell zu verwalten oder eine Erweiterung zu verwenden. Wer mehr Informationen über und Einfluss auf vorhandene Knoten haben möchte, kann die Browser-Erweiterung IPFS Companion installieren. Zum Testen von IPFS in Browsern außerhalb von Brave muss zusätzlich noch IPFS-Desktop installiert werden.

Mögliche Sicherheitsrisiken ergeben sich dadurch, dass der Anwender beim Abruf von Inhalten von lokalen Knoten temporär auch zum Host dieser Inhalte wird. IPFS-Knoten verwenden den libp2p-Stack für die Netzwerkschicht und haben eine Peer-ID, die in einer verteilten Hash-Tabelle (DHT) nachgeschlagen werden kann. Sowohl die gestellten Anfragen als auch die bereitgestellten Inhalte können von Netzwerk-Peers beobachtet werden.

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