Erfahrungsbericht: Reise zu Linux von Ralfi

Photo by Derek Oyen on Unsplash

Meine Reise zu Linux
… begann im Jahr 2002 mit einer großen Softwarekiste und vielen CDs. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube, es war irgend etwas Susehaftes. Die ersten Test-Installationen gingen erwartungsgemäß voll in die Hose aber solche Fehlschläge haben mich schon immer eher motiviert als verzweifelt. Nach dem Motto: „So blöd kann man doch eigentlich gar nicht sein…“


Ich bin ein IT Autodidakt. Zwar hatte ich während meiner maschinenbautechnischen Fachschulstudienzeit in der DDR ein Semester lang ein Fach namens Informatik, aber mit der Revolution, welche der IBM-PC auslöste, sowie nach der friedlichen Revolution 1989 konnte ich das damals Gelernte vollständig vergessen. Allerdings hat mir die Beschäftigung bereits zu dieser Zeit – in den meisten Fällen – sehr große Freude bereitet.

Im Laufe meines Berufslebens habe ich mich dann immer weiter mit Computern beschäftigt und seit Anfang der 90er Jahre diese Passion bis heute, wo die Pension immerhin schon am Horizont in Sicht ist, im Rahmen vieler
unterschiedlicher Beschäftigungsverhältnisse zum Brötchenerwerb genutzt. Im Laufe der Zeit konnte ich mir dann auch schon mal ein Stück Kuchen kaufen, was mir zeigte, dass dieser Weg nicht so verkehrt sein kann…


Und wie bei vielen anderen, die ihre Geschichte auf dem Weg zu Linux erzählen war ich fast aus dem Häuschen als ich meine erste Knoppix Live CD in der Hand hielt. Ein komplettes Betriebssystem, welches im PC vorhandene Festplatten unangetastet lässt, hat mich von Anfang an begeistert. Ich habe mich immer wieder mit allen möglichen Softwarekomponenten beschäftigt und sehr viel gelernt. Als ich zum ersten Mal ein Windows Anmeldekennwort erfolgreich zurücksetzte fühlte ich mich schon ziemlich toll. Nun ja, zumindest war es ein Ausgleich für die vielen Fehlschläge und Frustrationen auf Grund meiner eigenen Unwissenheit.


Eine Begegnung mit der Linux Community hat mich dann vollständig zum Fan werden lassen. Als ich 2004 zum Rumspielen ein Live-CD System auf einem Notebook installiert habe, funktionierte anschließend das WLAN nicht. Also habe ich eine Fehlerbeschreibung verfasst und in einem Forum einen Beitrag gepostet. Innerhalb von 2 Stunden hatte ich eine Antwort. Ich sollte an einer bestimmten Stelle eine genau bezeichnete und aus dem Internet herunter zu ladende Datei einspielen und das System neu starten, dann würde das WLAN schon wieder funktionieren.

Ich war zunächst sehr – wirklich sehr – skeptisch. Aber nachdem ich das mir beschriebene umgesetzt hatte klappte die WLAN Verbindung ohne jedes Problem. Ich war fasziniert! Und bis heute hat mich
diese Faszination nicht wieder losgelassen. Auch wenn man nicht immer alles glauben kann – und
sollte – was im Internet steht…


Über Kanotix bin ich dann bei sidux gelandet. Als 2005 der sidux e.V. gegründet wurde, habe ich an
genau diesem Tag – es war glaube ich auf der Linux Messe in Berlin – das erste Mal einige
Protagonisten persönlich kennen- und im Laufe der Zeit sehr schätzen gelernt. Es folgten viele
Chats, gemeinsame Treffen, Chemnitzer Linuxtage mit Gerstenbräu-Orgien und Tabak-Wolken bis
in den frühen Morgen, verspeiste Pizzen und vergleichbare Erlebnisse.


Heute verwende ich auf fast auf allen Geräten einen Debian unstable/experimental Mix, mal mit
Cinnamon und mal mit KDE. Seit etwa zwei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der
„Entgoogelisierung“ durch Einsatz von Nextcloud sowie der Möglichkeit, viele Dienste und Daten
selbst zu Hause zu hosten. Durch Linux bin ich nicht zum Windows „Hater“ geworden – aber Linux
ist für mich halt schlicht und einfach in allem besser.

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