Erfahrungsberichte: Meine Reise mit Linux von A.

Photo by Paul Carroll on Unsplash

Mein Weg zu MX-Linux

Den ersten Kontakt hatte ich 2010, in einem Praktikum, mit OpenSUSE (weiß nicht mehr, welche Version es damals war). Als ahnungsloser Anfänger, der bisher nur Windows XP, Vista und 7 kannte, war es erst einmal ein Kulturschock. Da es mir recht frickelig erschien, blieb es privat erst einmal bei dem Fenster-System aus Redmond. Ledig die Installationsreihenfolge für den Dual-Boot und die Tatsache, dass man mit einem Live-System einfach in ein unverschlüsseltes MS-Dateisystem schauen kann, blieb bei mir nachhaltig hängen.

Der nächste Berührungspunkt kam erst 2015 beim Versuch eines Informatik-Studiums. Erst als ich 2015 den Versuch eines Informatik-Studiums unternahm, kam ich wieder ein wenig mehr mit Linux in Kontakt. In einem Einführungskurs lernte ich erstmals, mich in der Kommandozeile zu bewegen. Ich wurde neugierig, was das kostenlose Betriebssystem sonst noch konnte und beschloss es auf meinem Notebook als Zweitsystem zu installieren. Bei der Suche im Internet geschah das, was bei den meisten Anfängern unweigerlich auftreten sollte.

Die riesige Auswahl an Distributionen und Varianten, genannt Desktop-Environments war echt verwirrend. Irgendwo hatte ich mal Linux Mint als Empfehlung aufgeschnappt und bin durch Google auf einen Artikel über die Debian-Variante gestoßen. Dummerweise habe ich ihn aber nicht gelesen und somit nicht mitbekommen, dass es auf dem Testing-Zweig von Debian beruhte. Was Debian überhaupt sein sollte, war mir gar nicht erst klar. Es kam, wie es kommen musste. Durch Rumprobieren schaffte ich es dann irgendwie, die Festplatte zu zerschießen, sodass kein OS mehr starten ließ. Verzweifelt gab ich auf und nutzte einfach das neu installierte Windows 7 weiter.

Wieder ein paar Jahre später war ich immer noch Student. Des Scheiterns durchaus bewusst, ging ich fast nur noch arbeiten. Mittlerweile lebte ich in einer kleinen Wohnung, mit miserabler Internetanbindung. Windows 8 war von Beginn an nicht nutzbar und Windows 10 kam mir bei meinem ersten Test ebenfalls nicht richtig vor. Ich sehnte mich nach etwas anderem. MacOS? Nein, das war für meine damaligen finanziellen Verhältnisse nicht möglich. In meinem Schlafzimmer stand noch ein alter Büro-Rechner. Wegen der Bambusleitung kaufte ich mir eine Zeitschrift, der eine Multiboot- DVD beilag. Ich testete das beliebte Ubuntu und Linux Mint, wobei mir der Zusammenhang beider Systeme endlich klar wurde.

Dazu muss auch noch gesagt werden, dass ich damals unter schweren Depressionen litt, welche meinen Alltag stark beeinflussten. Doch ich lernte damit umzugehen, überwand mich, Medikamente einzunehmen und lernte meine Freundin kennen, mit der ich heute, fünf Jahre später, zusammen lebe. Ich entschloss mich zu einem Neuanfang suchte mir einen Ausbildungsplatz, als Fachinformatiker für Systemintegration und beschäftigte mich immer mehr mit Technik allgemein.

Wie es Andere bereits häufig geschrieben haben, lernte ich endlich, was es mit Distributionen und den grafischen Benutzeroberflächen zu tun hat. Getestet wurde nicht nur jedes Linux-System, was mir zwischen die Finger kam. Auch wichtige Software-Werkzeuge wurden für bestimmte Anforderungen gesucht. Dadurch begriff ich nicht nur, wie z.B. Computer selbst und das World Wide Web funktionierten, sondern auch was die Philosophie freier Software bedeutet. Bevor es in meinem Kopf Klick gemacht hatte, bedeutete dies für mich in erster Linie, dass die Programme kostenlos waren.

Aus dem neu erlangten Wissen und den Erfahrungen des Distrohoppings heraus, entschied ich mich schließlich gegen auf Ubuntu basierende System und Installationen von Snap-Paketen. Zu meinem Lieblingssystem wurde MX-Linux auserkoren. Es läuft schnell und zuverlässig, vor allem auf alten Geräten, von denen ich mir, für mein Hobby, mittlerweile einige zugelegt habe und wird auf community-basierte Weise entwickelt. Die Installation selbst empfinde ich als schnell und unkompliziert. Die Oberfläche lässt sich für meine Bedürfnisse einfach anpassen und es lässt sich jede Software installieren, die ich benötige. Sei es durch apt, Flatpaks, dem Download von Appimages oder deb-Dateien.

Dies führt mich zu den MX-Tools, die für mich ein wahrer Segen sind. Nützlich finde ich vor allem „MX-Schnappschuss“, was ich öfters mal verwende, um schnell ein Abbild meines Hauptlaptops auf einem anderen Rechner zu installieren. Zudem bereinigt noch MX-Cleanup das System und Flatpaks installiere ich ganz einfach mit dem MX-Paketmanger. Als einzigen Nachteil sehe ich die ganzen unnötig vorinstallierten Programme, was durch die vereinfachte Vervielfältigung jedoch wieder ausgeglichen wird. Dass MX-Linux nicht Systemd als Init-System nutzt, ist für mich in der normalen Desktop-Nutzung nur selten zu merken.

Ansonsten nutze ich derzeit noch EndeavourOS(Arch Linux), Debian Buster als Basis für NextcloudPi, gelegentlich openSUSE und auf meinem alten Gaming-Laptop ausgerechnet Linux Mint. Letzteres stellt ein Kompromiss dar, da der NVIDIA-Installer in MX in diesem Fall nicht funktioniert. Aus Zeitmangel war so die Installation des NVIDIA-Optimus Treiber um ein vielfaches einfacher. Außerdem hat das Gerät einen Fallschaden, seitdem es im Betrieb sehr warm wird. Seit dem Wechsel, von Windows 10 zu Linux Mint, und der Verwendung eines Laptop-Kühlers, sind die Temperaturen spür- und messbar („sensors“) gesunken, wodurch mir der Computer hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Ich bleibe gespannt, was weitere Entwicklungen mit sich bringen. In diesem Sinne wünsche ich allen beste Gesundheit. Man lernt immer neu dazu.

4 5 votes
Article Rating

Verwandte Themen

4 5 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments