Erfahrungsberichte: Reise zu Linux von Christopher

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Meine Reise zu Linux muss irgendwo um 1999 gestartet sein.

Ich war gerade dabei mein Fachschulstudium (Maschinenbau) zu beenden. Bis dahin hatte ich schon einige Erfahrungen mit PC`s, insbesondere mit Windows PC`s gesammelt. DOS ist an mir langsam vorbeigezogen. Für das Fachschulstudium hatte ich mir extra einen neuen PC mit SCSI-Interface gekauft, da ich mit CAD Anwendungen zu haben würde.

Darauf sollte anstelle des damals gängigen Windows 98 (ich hatte meinen Start mit Win 3.1 und ganz vielen Disketten) Windows NT installiert werden. Das versprach deutlich mehr Stabilität, hatte aber so wie sich später herausstellte, auch seine Schattenseiten. Alle meiner Kommilitonen nutzen Windows 98, welches sich für die Anwendung mit Auto CAD, was wir seiner Zeit zum Konstruieren genutzt haben, als ungeeignet zeigte.

Leider hatte auch Windos NT seine Ecken und Macken die mich immer mehr zu stören anfingen. Der Super Gau stellte sich dann mit einer Facharbeit ein, die ich in Word geschrieben hatte. Viele von euch werden das kennen: Bilder, Absatzformatierungen, … gehen mit einem Mal verloren und im worst case Fall das ganze Dokument (Backup sei Dank!). Dieser Kampf hat mich dazu bewegt, die Suche nach Alternativen zu Windows, Microsoft Office & Co., zu starten. Apple fand ich eigentlich ganz gut, hatte ich bei einem Freund gesehen, waren auch echt chic, aber mit Peripherie wie meinen SCSI-Scanner, Drucker, … einfach viel zu teuer für mich.

Die Idee war geboren


Bei einem Nachbarn der sich sehr gut mit Rechnern und Betriebssystemen auskannte, habe ich SuSE-Linux das erste Mal gesehen und von Linux gehört. Ich versuchte mehr darüber zu erfahren und entschloss mich, SuSE 8.0 zu installieren. Da ich mir nicht sicher gewesen bin wie gut ich zurechtkommen würde und was mir am Ende alles fehlt, habe ich eine Dual-Boot-Installation mit Win NT und SuSE installiert. Nach einiger Zeit des Dual-Boots wurde Windows mittlerweile für das Fachschulstudium nicht mehr benötigt und somit war es recht einfach meine persönlichen Belange mit Linux zu stillen.

Red Hat

Nach einem recht kurzem Ausflug zu SuSE, bin ich auf Red Hat 7.3 umgestiegen. Danach wurde auf RH 8 und schlussendlich auf 9 aktualisiert. Da mir RH zu kommerziell erschien, habe ich nach einer „freieren“ Distribution gesucht und bin bei Debian GNU/Linux gelandet.


Mich hatte die Geschichte von Ian total begeistert und gefangen. Allerdings musste ich sehr viel dazu lernen und mehr noch wie bei RH, auf die Kommandozeile ausweichen. Aber das war auch so gewollt! Schließlich wollte ich mehr lernen und nicht nur die bunte klicki, klacki Welt von Windows haben. Mitte 2002 hatte ich mich das erste Mal in einem Linux Forum angemeldet. Es war „linuxforen.de“ dem ich bis heute treu geblieben bin. Für das neue Projekt mit einem freierem OS habe ich mich zusätzlich in dem „debianforum.de“ angemeldet und meinen ersten Beitrag veröffentlicht.

Debian GNU/Linux

Meiner erster Beitrag (gekürzt) am 17.08.2003 um 6:53:

Hallo !

Ich bin neu in diesem Forum und möchte demnächst als zweites System Debian auf meinem Rechner installieren.
Bisher habe ich mit SuSE 8.0, Red Hat 7.3, 8.0 und aktuell mit der 9er gearbeitet. SuSE war dabei ein sehr kurzes Kapitel ( Soll aber nicht`s bedeuten ! ). Nun möchte ich Debian ausprobieren ! Habe mich schon ein wenig in das offizielle
Anwenderhandbuch eingelsen.

Ich denke an eine “Box” aus dem Linuxland, da ich “nur” ISDN habe. Im Linuxland gibt es jetzt die Personal oder Prof. Woody 3.0r1, also mit Update CD. Kennt jemand diese “Boxen” ? Lohnt es sich eine solche zu kaufen ?
Wie gut ist die Doku ? Ist das Anwenderhandbuch mit dabei ?

Also habe ich mir eine CD Edition von Debian Sarge bei einer Bücherhandlung bestellt, die freier Software sehr zugewandt war. Die erste Debian Installation hat mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet, aber sowohl die „Schmerzen“ wie auch die Probleme wurden von Installation zu Installation immer weniger. Das hervorragende Anwenderhandbuch des Projekts aber auch der Ganten – Debian GNU/Linux waren mein ständiger Begleiter.

Hr. Kofler hat mir in den Anfängen bis heute mit seiner aktuellen Ausgabe stets Hilfestellung gegeben und für Anregungen gesorgt. Ausflüge zu Knoppix und diversen anderen Distributionen neben Debian habe ich mir immer wieder gegönnt. Alleine schon um eine Diagnose machen zu können, wenn mal wieder etwas geklemmt hat oder einfach nur aus Interesse. Bis heute nutze ich Debian und bin bei Bullseye angekommen.

Der Rest und die Smartphones

Alle Rechner im privaten Umfeld laufen mit Linux, vorzugsweise Debian (vom VDR mit „minidvdlinux“ MLD abgesehen). Selbst bei Smartphones habe ich sehr stringent auf Linux gesetzt. Das hatte mit einem Nokia N900 angefangen, ist über ein N8 hinaus bis zu Sailfish mit seinem OS gegangen (Jolla 1, Sony Xperia).

Da ich die Geräte auch im Ausland nutze (China, Japan, USA, Mexico …), haben mich ein paar Bugs in die Enge getrieben, so das ich mich dazu entschieden habe, erst einmal auf LineageOS umzusteigen. Sobald sich hier für mich eine alltagstaugliche Alternative ergibt, würde ich sofort wieder wechseln.

Fazit

Linux begleitet mich nicht nur im privaten Umfeld (ich arbeite in der Automobil Industrie wo auch Linux zum Einsatz kommt), aber hauptsächlich und ich finde es mit jeden Tag noch spannender. Ich bin weder ein Nerd noch der Linux Messias, allerdings mache ich kein Geheimnis daraus, was ich gut finde. Mein Umfeld versuche ich für Open Source zu begeistern und helfe, wo immer ich kann bei einer Migration von Windows zu Linux, Beratung zu einem alternativem OS auf einem Smartphone, …

Ich wünschte mir für die Zukunft noch mehr Linux auf dem Desktop und weniger Dominanz der großen Platzhirsche. Für mich selber kann ich mir gar nicht vorstellen wie ein Computerleben ohne Linux aussehen könnte und eine Rückkehr zu einem proprietärem System halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass eine solche Verbindung zu einem System entstehen kann. Das ist aber nicht nur dem System selber geschuldet, sondern vielmehr den vielen interessanten und netten, hilfsbereiten Menschen, die in der Community zu Hause sind und alle mit daran helfen Linux noch besser zu machen und noch mehr zu etablieren. Dafür ein fettes Dankeschön an Linus, aber vor allem den vielen helfenden Händen, die das möglich machen.

Auf die nächsten 30 Jahre!

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