Erfahrungsberichte: Reise zu Linux von stranger007

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Mein Leben mit 5/6 Linux und 1/6 Windows


Ich weiß, das ist ein komischer Titel, der aber später hoffentlich klarer wird. Der erste PC, den ich bewusst wahrnahm, war noch in Kindertagen. Ich war damals noch ein kleiner Knirps und wusste natürlich noch rein gar nichts über die wunderbare Linux Welt. Warum?


Nun meine Eltern waren und sind bis heute reine Windows Nutzer. Ich glaube, das erste Betriebssystem, was in meinem Elternhaus lief, war Windows XP. Im jugendlichen Alter bekam ich dann meinen ersten eigenen PC, der erst von Windows 7 beglückt wurde und dann von Windows 10. Ich bin also ursprünglich ein eingeschworener Windows Nutzer gewesen.


Meine Reise zur Linux begann schließlich, als ich anfing, mich mehr um meine digitale Privatsphäre zu sorgen. Das Auslöserereignis war in meinem Fall die Aufdeckung der globalen Überwachungsmaschinerie, welche unter dem Namen „NSA-Skandal“ Weltbekanntheit erlangte. Ich fand es damals einfach nur gruselig, was die USA im Namen der Sicherheit alles so überwachen. Von der kommerziellen Überwachung im Namen der „besseren Nutzererfahrung“ ganz zu schweigen.


Dies führte unter anderem dazu, dass ich mich mit dem Modding von Android beschäftigte und dort dann meine Liebe für FOSS Software entdeckte. Jeder kann den Code kontrollieren? Die Nutzer sind nicht die Kunden? Keine Telemetrie? Keine Frage, Open Source ist toll. Also musste als erstes mein Smartphone dran glauben, welchem ich radikal ein reines AOSP Rom verpasste und dies bis heute durchziehe. Leider gab es für mich in Sachen Linux als Desktop-Betriebssystem ein großes Problem: Ich bin ein leidenschaftlicher PC Spieler von Triple A Games. Blöderweise gibt es diese Sorte von Spielen natürlich so gut wie gar nicht nativ unter Linux. Doof!


Mein erstes Linux war also eher eine Testinstallation. Ich nahm mir eine weitere Platte, baute sie neben Windows 10 in meinen Gaming PC ein, knallte dort MX Linux drauf und installierte mir Steam, welches es glücklicherweise schon damals nativ für Linux gab. Meine naive Vorstellung: Dank Wine werden Spiele genauso gut laufen wie auf meinem Windows 10 in der Education Edition (auch neueste Triple A Blockbuster).


Nun, ihr könnt es euch denken: Ich war eher semibegeistert und genauso schnell wie die Platte in meinen Gaming PC geraten, war sie auch wieder draußen und ich ging wieder komplett auf Windows 10 (Gates war sicher stolz auf mich!). Dort blieb ich dann zur meiner Schande eine ganze Weile. Aber trotzdem verfolgte ich weiterhin mit halben Auge, was sich in der Linuxwelt so tat und ich spielte immer wieder damit Linux eine zweite Chance zu geben.


Schließlich entschied ich mich für einen Weg, den einige von euch vielleicht auch gehen. Ich baute
mir einen zweiten PC, der im Vergleich zu meinem Gaming PC zwar weniger Hardwarepower hatte, aber für die angedachten Zwecke auch ausreichend schnell war. Dieser zweite PC ist seitdem mein Arbeitstier und ich liebe mein MX Linux dort, da ich es dank Debian Basis stabil wie ein Felsen ist und es keine Neustarts bei jedem Update braucht (ja Windows, ich gucke dich an!). Meine Workflows habe ich mittlerweile auch entsprechend angepasst. Alles was mit Surfen, Texte schreiben, Videos schneiden und gucken oder E-Mails abrufen zu tun hat, mache ich auf meinen Linux PC. Zocken/Let’s Plays laufen weiterhin auf meinem Gaming PC mit Windows 10
Education.

Meine Reise hin zu Linux war also etwas holprig, aber am Ende habe ich doch irgendwie zu Linux gefunden. Und wer weiß, was die Zeit bringt: Vielleicht erkennen Publisher wie Ubisoft, EA, Microsoft etc. Linux auch irgendwann mal als richtige Spieleplattform. Dann wechsele ich gerne komplett auf Linux und erschieße mein Windows höchstpersönlich 🙂

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