Fedora Silverblue im Langzeittest

Screenshot: ft

Vor gut zwei Monaten entschied ich mich, testweise auf Fedora Silverblue umzusteigen, statt die neue Ausgabe der Standardvariante Workstation zu nutzen. Jetzt geht es für mich zur Workstation-Variante zurück und ich ziehe ein Fazit.

Die Besonderheit bei Silverblue ist, dass das Root-Dateisystem nur lesbar ist. Alle Änderungen werden außerhalb des Root-Dateisystems auf einer separaten Ebene gespeichert. Updates werden als komplettes Abbild ausgeliefert und lassen sich somit zurückrollen auf einen vorherigen Stand. Damit entfällt auch die Möglichkeit, mit dem Paketmanager dnf Pakete zu installieren. Viel eher soll auf Flatpaks gesetzt werden. In meinem ersten Bericht zu Silverblue gehe ich auch deutlich mehr auf die technischen Aspekte ein, hier überwiegen meine subjektiven Erfahrungen.

Mein Ersteindruck hat sich im Wesentlichen auch bestätigt: Ich konnte Silverblue recht gut nutzen in den letzten beiden Monaten als alleiniges Desktop-Betriebssystem.

Schwierige Kombination RPM/Ostree und Gnome Software

RPM-Ostree ist ein kombiniertes Image- und Paketsystem, sodass bei den Softwareaktualisierungen stets ein neues Image erstellt wird. Vorteil ist hier, dass auch Rollbacks problemlos möglich sind, weil stets ein alter Snapshot gestartet werden kann. Tatsächlich habe ich kein Rollback gebraucht. Viel eher lernte ich dadurch drei Nachteile kennen: Auch auf einem relativ schnellen Notebook dauern Softwareaktualisierungen so länger, wenn sie zum System gehören und eben nicht als Flatpaks vorliegen. Insbesondere die ersten sechs Wochen gab es relativ viele Updates von Systempaketen, die stets auch einen Neustart mit sich ziehen.

Außerdem ist es zwar so, dass mit der GNOME Anwendungsverwaltung alle Updates durchgeführt werden können. Allerdings ist die noch immer nur in einem mäßig guten Zustand. Kleine Bugs und fehlendes Feedback bei langen Ladezeiten lassen die Software nur in einem eher schwachen Licht erscheinen. Als Nutzer denkt man dann gelegentlich, das Programm hätte sich aufgehangen. Nervige Neustarts nach Softwareupdates und einen Softwarestore mit Bugs, das erinnert einen dann außerdem noch an Windows. Immerhin wird man nicht zu den Neustarts in unpassenden Momenten gezwungen.

Leider lässt sich mit den Bordmitteln der Speicherverbrauch nicht adäquat analysieren. Das System mit einigen manuell installierten Anwendungen und den Snapshots nimmt wohl gut 20 GB in Anspruch.

Flatpaks funktionieren

Recht positiv ist meine Erfahrung mit den Flatpaks. Die Latenzen bis zum Start der Anwendungen sind zumindest gefühlt nicht länger und sie laufen stabil. Mitunter auch stabiler als die anderen Pakete. So ist bei mir der als RPM vorinstallierte Firefox zuletzt häufig abgestürzt, beispielsweise beim Löschen von Lesezeichen, was sich in der Flatpak-Version nicht reproduzieren lässt.

Dennoch stört mich an den Flatpaks noch eine Sache: Das Gros bekommt man nur über Flathub. Da ist in meinen Augen allerdings die Qualität der Flatpaks nicht überall gleich. Manche machen bei mir im Umgang mit Codecs-Probleme, sodass die Flatpaks beim Abspielen von Multimedia-Inhalten gelegentlich versagen. Da wurde in meinen Augen bei der Etablierung von Flatpaks versäumt, eine Qualitätssicherung einzubauen. Wahrscheinlich ist auch das ein Grund, weswegen Fedora auch ein eigenes Flatpak-Repository vorhält. Dort sind allerdings deutlich weniger Flatpaks verfügbar, die auch nicht immer auf dem aktuellen Stand sind und manchmal aufgrund von offenen Lizenzfragen keine passenden Multimedia-Codecs enthalten.

Toolbox? Gibt es

Als »normaler« Desktopnutzer endet mein Nutzungsverhalten letztlich dort, wo die Möglichkeiten von Silverblue anfangen. Die Toolbox ist eine containerbasierte Umgebung, die sich an Softwareentwickler richtet. Dort kann man dann auch wieder dnf als Paketmanager verwenden. Das Nutzen von Containern ist prinzipiell eine sinnvolle Sache, habe ich als Nicht-Software-Entwickler allerdings nie in meinem Workflow einbinden können. Lediglich manche Anwendungen, die es nicht als Flatpak gab, habe ich in einer Toolbox installiert, um einen Neustart zu vermeiden.

Fazit

Nun endet meine Zeit mit Silverblue erst einmal. Und vermutlich werde ich auch nicht zurückkehren. Denn Silverblue richtet sich grundsätzlich nicht an Nutzer wie mich. Trotzdem konnte ich die Distribution meist bequem nutzen und bin gespannt, wann und in welcher Form manche der Features es in den Fedora- und Linux-Mainstream schaffen. Erste Spekulationen dazu habe ich schon 2018 gelesen, aber so richtig vorstellen kann ich es mir auch heute noch nicht. Das liegt für mich nicht an einer grundsätzlichen Ablehnung von Flatpaks, die in meinen Augen genauso viele Vor- und Nachteile wie die Äquivalente in den Paketquellen haben. Viel eher müssen die Lösungen noch etwas pragmatischer werden: Das Kernsystem muss so schlank und qualitativ hochwertig sein, dann braucht es hoffentlich deutlich weniger Updates und auch Aspekte wie Codecs müssen besser berücksichtigt werden.

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