Dieses Thema treibt Linux-Anwender schon seit jeher um und die Meinungen dazu gehen meist diametral auseinander. Während die einen sagen, die hohe Zahl an Distributionen ist der gesunde Nährboden der Linux-Entwicklung, glauben die anderen, dass einige wenige Entwicklungsstränge die dann gebündelten Energien besser kanalisieren würden und Linux so auch den Desktop erobern würde. Dazwischen gibt es eigentlich wenig.
Die Fakten
Zunächst: Was ist eine Linux-Distribution? Die Hauptbestandteile sind der Linux-Kernel, GNU-Tools und Bibliotheken, das X-Window-System oder Wayland, ein Paketmanagement und meist ein oder mehrere Desktop-Umgebungen oder Fenstermanager. Das wird komplettiert durch Anwendungen, überwiegend aus dem Bereich freier Software. Im Prinzip kann jeder mit entsprechenden Kenntnissen eine Distribution zusammenstellen und veröffentlichen. Das kann entweder auf der Basis einer bereits bestehenden Distribution oder »from scratch« geschehen. Die seit 1999 veröffentlichte Liste von Distributionen auf LWN verzeichnet über 1.000 Einträge.
In den letzten Jahren waren jeweils mindestens 300 Distributionen gleichzeitig aktiv. Allein Debian dient seit Mitte der 90er-Jahre als Grundlage für über 400 Distributionen, von denen derzeit 118 aktiv sind. Die beiden ältesten noch aktiven Distributionen sind Slackware und Debian, sie gingen bereits 1993 ins Rennen und sind bis heute unabhängig von Unternehmen.
Warum?
Warum stellt heute jemand eine neue Distribution zusammen? Das führt zur Frage, warum jemand überhaupt in seiner Freizeit etwas für freie Software tut? Die lapidare Antwort lautet: Weil er es kann. Etwas genauer betrachtet ist es meist so, dass ihm in einer vorhandenen Software etwas fehlt, was er selbst gern hätte. Hat der ursprüngliche Entwickler daran kein Interesse, entsteht ein Fork. Finden sich Gleichgesinnte, entstehen daraus oft überlebensfähige Projekte mit weiter Verbreitung. Oft genug sind es aber auch nur Fingerübungen, die über den eigenen Bedarf hinaus kaum genutzt werden. Das eine so legitim wie das andere.
Ubuntu nicht bunt genug?
Bei Distributionen ist es ähnlich. Da mag jemand Ubuntu, es ist ihm aber nicht bunt genug, also beginnt er Cutefish OS. Oder ein Arch-Jünger denkt, die Distribution sei Klasse, aber etwas zu instabil und müsse daher etwas entschärft werden – Manjaro wird entwickelt. Siduction und seine Vorgänger wurden aus der Erkenntnis geboren, dass es für den Debian-Zweig Unstable aka Sid keine Veröffentlichung und kaum Unterstützung für die Nutzer gab. Die Anlässe sind also vielfältig. Auch Unternehmen leisten sich gerne Distributionen oder basieren gar ihr Geschäft darauf, wie bei Red Hat, SUSE und Canonical. Intel pflegt mit Clear Linux seine eigene Distribution, um die vermeintliche Überlegenheit seiner Prozessoren zu demonstrieren.
Fluch oder Segen?
Die Frage ist, ob hier generell Entwicklerressourcen verschwendet werden und ob andererseits diese Ressourcen überhaupt zur Verfügung stehen würden, wenn es nur fünf Distributionen gäbe. Würde Linux dadurch besser oder ärmer? Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der verfügbaren Distributionen dem Ökosystem Linux erst den Nährboden bietet, den es braucht. Würde es nur eine Handvoll Distributionen geben, würden viele Entwickler oder Distributoren gar keinen Beitrag zu freier Software leisten. Was denkt ihr?

Was ich jedem, der Linux richtig verstehen will, empfehlen kann ist “Linux From Scratch”. Das ist etwas fuer Leute die tief ins Linuxsystem eintauchen wollen. 🙂
Es ist zwar Verschwendung von Entwicklungsleistung, aber ich finde es dennoch gut. Aus der Vielfalt entwickelt sich immer mal wieder was richtig großes und gutes.
Ich habe in >20Jahren schon so einiges ausprobiert… Hat Spaß gemacht. 😀
Ich sehe die kleinen Distributionen eher als Spielerei. Es ist gut, dass es die Vielfalt gibt, aber ob die Welt den tausendsten Ubuntu-Fork braucht, ist eher zweifelhaft. Dinge, wie die Distribution in hunderte Sprachen zu übersetzen und eine Qualitätssicherung auf hunderten Geräten durchzuführen – das können nur die großen Distributionsanbieter. Für Linux-Neueinsteiger empfehle ich nur die Großen, bei denen man auch sicher sein kann, dass die Distribution nicht in einem Jahr eingestellt wird.
Sehe ich nicht so, es ist der Linux spirit und keine spielerei.
suse/redhat sind da vollkommen aus dem Rennen, da sie von den grossen SW firmen vereinnahmt wurden sind. Das hat dann auch nichts mehr mit Linux zu tun, finde ich.
Es ist sehr gut, das es so viele Distributionen gibt, sonst muessten wir alle systemd fahren etc. und das waere ja traurig.
Ich benutze gern systemd. Für den Linux-Neueinsteiger ist es ebenso besser, da es leichter bedienbar ist und es bei Windows ein ähnliches System gibt.
Richtig ist, dass SUSE und Red Hat ihren Hauptfokus auf Serversystemen haben. OpenSUSE Tumbleweed und CentOS Stream sind meiner Ansicht dennoch auch sehr gut als Alltagssystem für den Desktop brauchbar. Man muss es nur ein wenig anpassen. Ich persönlich nutze zur Zeit Ubuntu 22.04.1 LTS. Da funktioniert fast alles, ohne das man etwas zu tun muss.
Ja fuer Anfaenger sollte es ja auch Distributionen geben, ebenso fuer normal Anwender. 🙂
Ich als uralter Linux nutzer finde das alles was man nicht selbst tut nicht so gut, denn ich moechte schon wissen was mein System macht und will natuerlich auch einiges unterbinden. Mir ist es ein grau auf einen Knopf zu druecken und nicht zu wissen was da alles passiert.
(Liegt vielleicht auch am Beruf als Programmierer 🙂 )
🙂 so hat jeder seins und deswegen auch die vielen Distros.
Uebrigends ist RedHat und suse ja nicht mehr unabhaengig, deswegen sagte ich das. 🙂
Ich finde es gut, das es viele Distros zur Auswahl gibt. Mit Linux beschäftige ich mich jetzt auch schon um die 20 Jahre und habe viele Distros kommen und wieder gehen gesehen. Begonnen mit Suse 3.x und dann als bald auf Debian umgestiegen. Schuld daran war der “Ganten”, welcher mir zu der Zeit sehr viel Wissen über Linux im Allgemeinen und Debian im Besonderen geholfen hat.
Daran hat sich auch bis heute nichts geändert, Debian ist bei mir immer noch erste Wahl. Natürlich habe ich auch viele andere Distros ausprobiert, man möchte ja auch seinen fachlichen Horizont erweitern. Daher bin ich froh, das ich die Auswahl habe. Denn das ist das Positive an FOSS, jeder kann die Quellen hernehmen und das nach seinem Ermessen anpassen und das bringt OpenSource weiter. Mal ein einfaches Beispiel, Das Mint Team hat Cinnamon aus der GnomeShell entwickelt und seit es im Debian Repo ist nutze ich es, weil es genau zu meiner Arbeitsweise “passt”.
Wenn ich die Jahre zurückblicke und sehe wie sich das alles positiv entwickelt hat, da kann man nur allen danken. Auch wenn es immer mal wieder Zoff gibt (systemd, pulsaudio etc.) und die Meinungen und Ansichten in Grabenkämpfen ausarten. Es ist immer schade, wenn es Stunk gibt, w doch eigentlich ein gemeinsames Ziel ist, das System voran zu bringen. Aber es ist nun mal menschlich, das man nicht immer einer Meinung ist.
Da denke ich wieder an Debian, als die Abstimmung im Raum stand, ob systemd als Basis in die Distro soll, oder man bei sysvinit bleiben soll. Am Ende sind einige Maintainer ausgestiegen und haben Devuan ins Leben gerufen.
Ist leider etwas viel Text geworden, aber da komme ich manchmal aus dem Schreiben nicht heraus, wenn man so schön im “Flow” ist. aber das Thema finde ich super interessant.
Grüße Sven
Witzig! Der Ganten war auch meine Bibel. Daneben gab bzw. gibt es noch den Koffler.
Ganten und Debian gehören zusammen. Wobei das Debian Handbuch auch exzellent ist.
Danke, es existieren 3 Auflagen. Die 1. stammt noch vom Meister höchst selbst, die 2. (Woody) und 3. Auflage (Sarge) sind von Wulf Alex.
Als Debian 3.0 heraus kam, hatte ich dazu die Ausgabe vorbestellt. Auch der Nachfolger steht bei mir im Bücherregal. Ebenso von Martin Krafft “Das Debian System” war fachlich ein Knaller. Leider existiert der Open Source Press Verlag nicht mehr. Da waren viele Perlen darunter, Bsp. Das Postfix Buch etc.
Ja bei systemd scheiden sich eh die Geister. Ich persoenlich sehe als “nicht gut” an aber leider brauche ich es beruflich. Privat habe ich meine Version entkernt von systemd.
Auch wuerde ich keineswegs empfehlen eine der grossen redhat/suse zb. zu nehmen, das ist schon lange nicht mehr der Linux gedanke.
Wenn ich nicht darauf angewiesen waere wuerde ich ausschliesslich debian fahren, auf server und so mache ich das auch aber auf der Workstation nehme ich weil vorgabe ubuntu-derivat.
Danke, ich kenne auch beide init Systeme. Bei systemd war eben auch der Gedanke, das es einen Standard/Struktur gibt, worauf sich alle Entwickler, Maintainer etc. verlassen können und so Zeit zur Anpassung einsparen können. Beim sysvinit hatte ja fast jede Distro ihre eigenen Runlevels und das sollte u. a.mit systemd vereinheitlicht werden. Als Anwender hatte man das hingenommen. Nur wenn man einen Distrowechsel machte, musste man sich das neu anschauen. Das war aber nicht so tragisch, da die sysvinit Skripte einfach zu verstehen sind.
Aber gut, über das Thema könnte man tagelang diskutieren.
Was jetzt RHEL / SLES betrifft, die sind im Unternehmensbereich angesiedelt und da sieht die Sache wieder anders aus. Nun darf man auch nicht vergessen, das die Entwickler auch Software/Code entwickeln, welcher uns allen zu Gute kommt. Würde es solche Unternehmen nicht geben, würde FOSS immer noch ein unbedeutendes Nischendasein führen und andere regieren den Markt.
Nun ja, es ist wie es ist, jedenfalls können wir froh sein, das es FOSS gibt und wir das nutzen können. Ich jedenfalls könnte es mir nicht mehr vorstellen, ohne zu arbeiten. OSS ist aus der heutigen IT nicht mehr wegzudenken. Viele Unternehmen erkennen auch den Vorteil, welche diese Software bietet. Ein einfaches Beispiel wäre Proxmox. Da gibt es hier auf LN eine super tolle Artikel Serie, Teil 1 wurde schon veröffentlicht, weitere folgen.
Grüße Sven
Ja das es unterschiedlich gehandhabt wurde lag doch hauptsaechlich an RedHat und suse. Die brechen doch staendig die Linuxstruktur. Suse war/ist da ganz groß drin. Man setzte diesen Strukturstandard damals fest, das eben genau so etwas nicht passiert und egal an welche maschine mit egal welchem Linux, Unix, SCO, Sun, IBM ueberall war die Struktur gleich. Nur wollten RedHat und suse irgendwie ihren alleinigen Standard schaffen und hielten sich eben nicht daran. Genau das war der Punkt fuer diese Unterschiede. 🙂 Nur mal zur Erklaerung wie sich das entwickelte.
…. Und suse und Redhat regieren den Markt doch nur, weil IBM sie uebernommen hat und sein eigenes AIX eingestellt hat.
Meine Reise durch den Linux jungle:
(nachdem die sich vom Standard entfernt haben)
Ich lege , da ich es beruflich brauche viel Wert auf Leichtigkeit der Distribution, lange Gebrauchssicherheit (LTS), weniger Automatisierung (GuiTools), wenn doch dann loesche ich sehr viel davon. Systemrelevante Sachen fuere ich prinzipiell auf der bash durch, ich will genau wissen was das macht.
Ich komme eben aus den alten Linuxzeiten. 🙂
Ein Zweit- oder Drittlieferant ist generell vorteilhaft. Die Diversifizierung bei Linux verschwendet zwar (auch) Ressourcen, stellt aber gleichzeitig sicher, dass immer irgendeine Distribution zu den eigenen Anforderungen passt. Und z.B. bei der Frage “Binary Blobs als Treiber – Ja / Nein?” oder “cdrtools vs. cdrkit” gibt es keine “richtige” Antwort, sondern nur individuell zu definierende Rahmenbedingungen.
Über dieses Thema denke ich oft nach. Es spricht eben vieles dafür für die Vielfalt. Trotzdem glaube ich das es interessant wäre eine “Mainline Distro” zu entwickeln. Ich denke das es eine tolle und einfache Möglichkeit wäre weiter Linux Benutzer zu gewinnen. Da das System von sich aus ja offen ist kann so oder so jeder dann seine eigene Distro zusammenbauen. Ein Beispiel dafür sind die BSD* Derivate. Trotzdem bin ich soweit zufrieden mit Ubuntu und Debian. Ein weiterer Punkt für mich wäre ein “Main Paketformat” (zb flatpak, snap usw) ,somit hätte man doch ein schönes Ökosystem, erweiterbar und offen.
Eine freie Welt, in der jeder mitspielen darf, wird zwangsläufig zu Verschwendung von Ressourcen aber auch zu evolutionärer Weiterentwicklung führen. In einer Welt der großen Zampanos soll eine “gemeinsam” entwickelte Lösung (also von “oben” herab oktroyierte) den “großen Wurf” – “one size fits it all” bringen. Beispiele aus dem Automobilbereich: Trabant oder für unsere indischen Freunde Hindustan Ambassador. Oder unsere Telefone, die uns die Deutsche Post gnädiglich überließ. Die waren auch in den 60er 70er und 80ern exakt gleich (wenn sie auch irgendwann statt grau in einer heute unangebracht wirkenden Farbgebung ausgeliefert wurden)
Ich finde die Diskussion überflüssig. Linux steht für Freiheit und das ist das Ergebnis. Das wichtigste ist doch, das der Upstream davon nicht negativ beeinflusst wird. Aber so wie das aussieht scheint das alles ja alles gut zu funktionieren. Fazinierend wenn man mal bedenkt wieviele Menschen daran arbeiten, alle handinhand gemeinsam. So schön alles.
Ich bin absolut überzeugt davon, dass die Vielzahl der Derivate Grund für die vielen Innovationen in der Linuxwelt ist.
Auch wenn man sich manchmal natürlich insgeheim wünscht, dass die Synergien aus den verschiedenen Projekten doch gebündelt werden mögen …
Hier lediglich zur Anschauung mal eine Liste von Arch Derivaten und meine Behauptung, dass es keine einzige Linuxdistribution gibt die unnötig vorhanden ist.
Vielleicht ist es sinnvoll drei Gruppen von einander zu unterscheiden.
Die eine Gruppe von Derivaten bzw. Distributionen will Linux für den User leichter zu installieren und einfacher zu bedienen oder einfach hübscher machen. Das betrifft dann Dinge wie den Installationsweg, die verschiedenen Desktops, Tools für die Bedienung, aber auch eine Zielgruppen ausgerichtete Userbetreuung gehört dazu, wie das z.B. hier bei Archman der Fall ist, mit dem es gelingt Arch Linux auch auf Türkisch zu beherrschen.
Eine zweite Gruppe von Derivaten nutzt die Ursprungsdistribution lediglich als Basis für ganz eigene und recht unterschiedliche Zwecke.
Da wäre z.B. der Rpi4 für Blinde, erleichterte Verwaltung von Web-Diensten, Penetration- und Sicherheitstesting oder die Entwicklungsplattform für Android.
Die dritte Gruppe von Distributionen erklärt sich aus technischer Sicht. Unterschiedliche Chiparchitekturen, Init-Systeme, Rolling Realise vs. Statisches Paketangebot, Optimierung für eine bestimmte Basis, Entwicklung neuer Konzepte, et cetera, et cetera.
Auf diese Weise kommt recht schnell eine ganz beträchtliche Anzahl von Distributionen zustande. Aber unnötig ist davon keine und wenn man sich erst ein mal orientiert hat, dann gelingt es auch recht einfach sich das für den jeweiligen Zweck passende heraus zu suchen.
Es kommen hier eine Vielzahl von Bedingungen zusammen die zur Zeit die Welt der Linux-Distributionen genau zu dem machen wie es jetzt ist. Alle Personen die sich zur Zeit in dieser Weltentschlossen haben was zu tun, tun das weil die Bedingungen so sind wie sie sind. Ändere ich die Bedingungen kann das dazu führen das sich mehr Personen beteiligen aber auch das sich weniger beteiligen. Rein mit Rechenschieber nur auf Entwicklerressourcen gerechnet sage ich ja, viele arbeiten an wenigen Projekten. Also werden dann diese wenigen Projekte (Linux-Distributionen)gut. Dann gibt es den Fork Cinnamon nicht weil man sich das wenige konzentriert. Wäre dadurch Gnome besser? Hätten sich die Personen um Cinnamon dann gesagt mir gefällt Gnome zwar nicht, aber wir arbeiten weiter an Gnome? Ich sehe bei einer Konzentrion auf weniger eher eine Entwicklung wie sie bei Windows oder MacOS stattfindet. Wobei ich nicht sagen will das aktuell alles in der Linux Welt so wie ist nicht zu verbesser ist. Aber aktuell kann ich meine Taskleiste noch ohne Verrenkungen dahin schieben wo ich es will und auf meine Bugreports habe ich bisher in wenigen Tagen ein Rückmeldung incl. Fix bekommen.
Ein Argument ist häufig, dass sich die vorhandene Arbeitskraft auf zentrale Projekte konzentrieren wird, wenn man doch diese Distributions-Vielfalt reduzieren würde. Ich glaube nicht dass das so einfach ist. Die Quelle der Arbeitskraft ist doch meistens die Motivation, und die lässt sich nicht so einfach von einer Aufgabe auf eine andere übertragen.
Es lebe die Vielfalt. Das macht GNU Linux aus.
Ich finde die Vielzahl an Distributionen definitiv zu viel. Das liegt aber nicht an der Zahl an sich, sondern eher darin, dass sich die Distributionen vor allem für Außenstehende nicht unterscheiden. Oder daran, dass Distributionen zwar für sich deklarieren, sie würden für Desktop-Anwender sein, liefern dann aber extrem veraltete und unsichere Software aus, sodass Desktop-Anwender das nicht nutzen können.
Ein Fork bzw. eine neue Distribution ist für mich gerechtfertigt, wenn sie wirklich einen Unterschied zu anderen macht.
Beispiele:
Bei vielen Distributionen sehe ich aber nur mit der Lupe Unterschiede.
Ist aber auch eine Sache der Aufzählung: Bspw. finde ich es merkwürdig, dass alle Fedora-Spins bei distrowatch.com unter “fedora” zusammengefasst werden, während alle Ubuntu-Varianten einzeln gelistet werden.
Dazu sehe ich immer wieder Distributionen, die keinen Sinn ergeben. Bspw. ist Debian stable für einen Desktop-Nutzenden unbrauchbar. Stampft sowas einfach ein und macht etwas Brauchbares daraus.
Was mir nämlich noch fehlt, ist ein “rolling-stable/LTS”, also eine Distribution, die auf die letzte stabile oder sogar LTS-Version einer Software aufsetzt. Bspw. KDE Plasma LTS oder LibreOffice stable und viele mehr. Das aber eben nicht (halb-/zwei-)jährlich, sondern eben kontinuierlich. Kein Upgrade, keine Upgrade-Schmerzen – ich bin da von Ubuntu einiges gewöhnt und mache das nicht mehr mit.
Wenn jemand eine Distribution kennt, die so agiert, dann bitte: schreibt mir!
Das gleiche können wir aber noch mal für Desktop-Oberflächen durchspielen. 😀
Genau da geht es bei Fedora Silverblue/Kinoit bzw. OpenSUSE MicroOS/ALP hin. Ein imuteable core OS welches als image stabil sein kann wie ein LTS aber deutlich aktueller. Darauf setzt dann ein aktuelles (rolling) Applikations System auf. Beide Distrozweige entwickeln sich sehr zügig und sollte demnächst benutzbar sein.
Ja, da bin ich gespannt.
Aber da muss sich auch einiges tun, weil einfach Flathub einbinden ohne Qualitätskontrolle halte ich für nicht sinnvoll. Entweder man schafft ein Overlay für RPMs bspw. per user oder vertrauensvolle Flatpak-Repositories (was bei Fedora gescheitert ist) oder beides 😀
Wobei Flathub ja gerade daran arbeitet, das Repo aufzuteilen in “direkt vom Entwickler”, “Quelloffen”, “Rest”, wenn ich das richtig verstanden habe. Das wäre auch was.
Debian stable für Desktop unbrauchbar? Bei mir läuft es ziemlich ungeschminkt auf allen PCs und Laptops. Und ich bin ein reiner Desktop-Anwender!
Dann habe ich großen Respekt vor dir. Ich könnte das nicht. Alleine wenn ich Dateien mit Kolleg:innen in der Schule (Microsoft-Welt) austausche, brauche ich mit LibreOffice 7.0.4 garnicht ankommen: die öffnen sich damit nicht oder die Formattierung ist total verhunzt.
Dazu kommt viele Software, die nicht mehr unterstützt wird.
Immerhin hat es Firefox mittlerweile auf eine unterstützte ESR-Version geschafft. Aber mit der 91er-Version brauche ich auch die Cloud-Webseite meiner Schule nicht öffnen.
Kann man jetzt als Spezialfall bezeichnen, aber leider müssen viele mit der Microsoft-Welt interagieren.
Dazu ist bei Debian der Veröffentlichungszyklus nicht erkennbar. “Wird veröffentlicht, wenn stabil”? Ich warte also auf unbestimmte Zeit auf neue Software. Danke, nein.
Flatpak oder Appimage schonmal ausprobiert? Wird beides für Libre Office angeboten. Problem solved 😉
Ja, klar. Flatpak nutze ich gerne. Aber da muss ich jedes Mal vorher prüfen, ob die Software in Ordnung ist – wie bspw. im F-Droid-Store unter Android. Das ist mir auf Dauer zu blöd und das kann ich auch Ein-/Umsteigern nicht empfehlen. Solange es kein geprüftes Flatpak-Repo (bspw. “signiert durch die Entwickler” oder so) gibt.
Flathub will das zwar in Teilen umsetzen, aber da sind wir noch lange nicht.
Und bei AppImages muss ich manuell auf Updates prüfen – damit mache ich mir einen großen Vorteil von Linux ggü. Windows kaputt.
Beides löst aber nicht das Problem, dass Kernkomponenten des Systems veraltet und vor allem oftmals unmaintained sind. Habe da mal einen Artikel zu gelesen, den ich aber natürlich gerade nicht finde :/
Wie von anderen auch schon angemerkt, ist die Kombination aus Debian stable und flatpaks eine gute Lösung, um auf Softwareseite immer einigermaßen aktuell zu bleiben. Allerdings konnte ich OneDrive (rclone) oder Teams (web app) auch schon ohne flatpaks mit Debian gut nutzen.
Debian Stable ist sogar sehr gut als Desktop OS geeignet. Man darf halt nur nicht zu viele Ansprüche an Aktualität stellen. Wenn es um das Arbeiten geht – was bei Linux Desktops meist Software- Entwickler- Arbeitsplätze sind – hat das sogar den Vorteil einer stabilen Umgebung was auch nicht Linuxer zu schätzen wissen. (Mein Arbeitsplatz bei einem Kunden: Debian,Xfce, Eclipse (mit allen möglichen Plug ins – das allerdings aktuell, Kommandozeilen-Umgebung – nie so wenig Probleme gehabt. Selber würde ich mir immer etwas installieren, was mehr sexy ist 🙂 )
Geht Manjaro nicht diesen Weg? Ich nutzte das selber nicht, aber LTS Versionen kommen da auch zum Einsatz.
Hast Du Debian alls produktives Desktop System schon einmal wirklich genutzt?
Ich kann deine Meinung gar nicht teilen. Davon abgesehen ist Debian eine, wenn gar nicht die Distribution, wo die meisten Derivate daraus hervorgehen. Hat wohl so seinen Grund.
Stable ist perfekt. Wer es frischer mag bindet entweder Backports ein oder geht halt auf unstable/testing (wie es beliebt).
Was also ist dein Problem mit Debian auf dem Desktop?
Vielleicht ist die Gewichtung zu GNOME einfach größer. Das mag sein. Hängt ja auch vom Paketbetreuer (z.B. KDE) ab.
Da sind sie aktuell vielleicht nicht so gut aufgestellt.
Ich finde so Aussagen wie deine immer schwierig und provokant.
Das zur Zeit so häufig benutzte soziologische Schlagwort Diversität beschreibt meiner Meinung nach die Entwicklung bei den Linux Distributionen weitgehend zutreffend.
Es sind immer die Menschen, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit ihren Merkmale wie Herkunft, Alter, Identität, Orientierung, Weltanschauung, Fähigkeiten, Interessen, … in vielfältigster Weise einbringen. Davon ein großer Teil ehrenamtlich, bisher real friedlich, wenngleich im Umgang miteinander gelegentlich etwas ruppig bis ausfallend.
Von der menschlichen Seite betrachtet treffen immer wieder Personen aufeinander, die feststellen, dass sie ausgezeichnet miteinander an einem Projekt arbeiten, sich woanders eventuell nicht so gut aufgehoben fühlen, und dann z. B. eine neue Distribution nach ihren eigenen Vorstellungen aus der Taufe heben oder Projekte zusammenführen.
Technisch betrachtet bringen die Vielfalt einerseits und die grundlegenden Freiheiten von Linux andererseits die Innovationen voran. Wer eine Idee hat, etwas ändern möchte, kann dies zu jeder Zeit tun. Kann sich einem Projekt anschließen oder ein neues gründen. Das Bessere, was auch immer das vom soziologischen Aspekt aus betrachtet ist, wird sich durchsetzen.
Meiner Meinung nach ist gerade die Vielfalt und die Akzeptanz dieser Vielfalt die Quelle und der Garant für die weitere Entwicklung von Linux und seinen Distributionen. Was mich besonders freut: Nach über 23 Jahren Nutzung von Linux Distributionen bin ich in der glücklichen Lage der Gemeinschaft mit meinen bescheidenen Kenntnissen und Fähigkeiten durch die Mitarbeit an einigen Projekten etwas zurück zu geben.
Für mich ist die Distributionsvielfalt ein Segen. Wenn beispielsweise SUSE in 2 Jahren mit ALP um die Ecke kommt und das System auf meiner alten bzw. leistungsschwachen Hardware nicht richtig läuft dann kann ich auf Debian oder Linux Mint wechseln. Das finde ich super!
Ich weiß nicht, ob der Durchbruch auf dem Desktop so ein erstrebenswertes Ziel ist. Dann fangen die ganzen Bösewichter an, Viren für Linux zu programmieren. Ich weiß das sehen andere nicht so, aber das ist meine Meinung.
Letzteres sehe ich genauso, allerdings wird diese Sicht dann oft als elitär abgetan.
Mir ist es völlig gleichgültig, ob sich Linux auf dem Desktop durchsetzt oder nicht.
Die Distributionen werden weiter leben und sich weiter entwickeln (zum Glück).
Jeder kann sich die passende Distri bzw. das Betriebssystem aussuchen, wenn daran überhaupt Interesse besteht. Nur die große Mehrheit kauft irgend ein hippes Gerät, egal was darin werkelt.
Ich glaube immer noch daran, dass Linux von Haus aus etwas sicherer ist. Auch macht es die Vielfalt der Distributionen bzw. unterschiedlichen Installationen den Bösewichtern schwerer Erfolg zu haben.
Dieses Thema ist wahrscheinlich kein ganz einfaches, oder anders gesagt, was ist der Grund dafür, das es nicht nur einige wenige Distributionen gibt?
Dann gäbe es wahrscheinlich nur Gnome oder XFCE und LXDE sowie KDE als Grafische Oberfläche, denn die meisten anderen beruhen auf Eigenentwicklungen anderer Distributionen, wodurch der Nutzer die Qual der Wahl hat.
Andererseits kann der User sich sein Linux anpassen, wie zum Beispiel neben Gnome XFCE installieren, und eventuell das andere deinstallieren, wenn ihn Gnome nicht gefällt.
Die Auswahl an Programmpaketen wäre wahrscheinlich auch kleiner, wären die einen auf Basisprogramme setzen, konzentrieren sich andere auf Grafik, Multimedia oder andere Anwendungsbereiche.
Aber selbst wenn die eine und andere Distribution nicht überlebt, aber eine gute alternative darstellen würde, dann wäre es nur eine Frage der Zeit, wann diese geforkt würde, also durch andere am Leben gehalten wird und fileicht auch weiter entwickelt wird.
Ich bin davon überzeugt, das gerade die wahnsinnige Auswahl an Distributionen aus Linux das macht, was es heute ist, ein universales Betriebssystem.
Eine eindeutige Meinung konnte ich bisher noch nicht ausbilden. Einerseits ist es gut, die Wahl zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen und Zielen zu haben. Andererseits gibt es leider auch viele Distributionen, die lediglich von einem Betreuer erstellt werden und nicht selten nur durch geringfügige Anpassungen von der Ableitung unterscheiden. Aber ich bleibe dabei, es ist gut, die Wahl zu haben.
Sehe ich auch so. Wenn der Unterschied nachvollziehbar und wirklich existent ist, dann kann ich eine Abspaltung schlecht kritisieren. Zumindest wenn vorher wenigstens versucht wurde, mit der Mutterdistribution zu reden, ob man nicht was ändern kann.
Wenn ich aber unter dem Mikroskop erst einen Unterschied erkenne, dann ist das reine Symbol-Forkerei.
Selbst bei einer anderen Desktop-Oberfläche braucht es noch keinen Fork. Sieht man ja bei Fedora, dass das mit “Spins” geht.
Habt ihr euch schon mal GeckoLinux angeschaut.
Eine sehr nützliche und recht solide Arbeit eines Einzeltäters, die den Usern den Weg zu openSuse erleichtern will.
…und der kürzlich auf Debian-Basis SpiralLinux ins Leben gerufen hat.
Ja, habe ich. Damit habe ich mein Tumbleweed eingerichtet. Leider sind für 15.4 immer noch keine Abbilder verfügbar. Weiß auch nicht, ob sich das noch ändert, nachdem der Entwickler Spiral-Linux erstellt hat.
Bei beiden frage ich mich aber auch, warum das jetzt als eigene Distribution bezeichnet wird. Faktisch ist es nur eine Zusammenstellung von openSUSE bzw. Debian und ich verstehe nicht, warum das die Projekte nicht selbst machen: ein mal “plain openSUSE” und dann vorgefertige Images für verschiedene Zwecke. Wobei man mit YaST da viel machen kann, wenn man sich auskennt bzw. liest…
Distribution bedeutet, dass etwas verteilt wird. Nicht mehr und nicht weniger.
GeckoLinux und SpiralLinux sind denn auch nur gute Beispiele dafür wie ein einzelner total nützliche Distributionen schaffen kann. Und das schöne daran finde ich gerade, dass er nichts an den Ursprungsdistributionen hinzufügt oder verändert. Er schöpft aus den vorhandenen Möglichkeiten und kombiniert sie zu etwas das viele so benutzen können.
Ich bin der Meinung, das es vollkommen ausreichend wäre, wenn sich die Gemeinschaft auf die größeren Distributationen beschränken würde.
Wenn jeder seine eigene Distri basteln will, verschwendet es gewiss mehr Ressourcen, welche sonst eher in allgemeine Bug-Behebung fließen könnten.
Sehe ich auch so. Deshalb bleibe ich auch bei Fedora, eben weil Red Hat dahinter steht und und ich nicht befürchten muss, dass die Entwicklung auf einem Mal zum Stillstand kommt – etwas, was schon bei vielen kleineren Projekten geschehen ist.
Wie oben in verschiedenen Kommentaren erwähnt, wird man niemanden der eine Distro bastelt dazu bewegen können was anderes zu machen. Auch gibt es immer wieder variatien, die neue Ideen, Konzepte oder nur eine gute Integration zuneiem Bestimmten Anwendungszweck wie z.B.Musik Machen, Spielen, Alte PCs, Bestimmte Hardware (ARM, …) bieten.
Manches wird dann von anderen Distributionen als gute Idee erkannt und dort integriert.
Man kann glücklicherweise niemanden daran hindern, seine Ressourcen “zu verschwenden”. Ob das wirklich so war sieht man erst hinterher. Ohne solche Leute, die Ressourcen nach damaliger Lesart verschwendet hatten,hätten wir heute keine Computer, keinen Strom und keine Autos. Leider ist die “Planwirtschaft” wieder auf dem Vormarsch. Die Folgen werden genau die selben sein wie damals in den 30ern bzw. 50ern bis ’89.