Ubuntu 18.04 LTS Bionic Beaver

Screenshot: ft

Wenn es nach dem Willen von Ubuntu-Entwickler Steve Langasek geht, soll Ubuntu 18.04 LTS »Bionic Beaver« als erste Ubuntu-Version neben dem herkömmlichen DEB-Format auch  einige Pakete im neuen Snap-Format auf dem Image ausliefern. Das Format wird seit Ubuntu 16.04 LTS »Xenial Xerus« offiziell unterstützt. Bereits 2014 hatte Mark Shuttleworth auf dem Ubuntu-Summit Snaps für die Zukunft als gleichberechtigtes Paketformat oder gar als Ersatz für Debians Format angekündigt. Letzteres ist erst einmal nicht in Sicht, allerdings könnte Ubuntu 18.04 erstmals Snaps beinhalten. Den Vorreiter hat hier Martin Wimpress mit Ubuntu MATE gemacht, der bereits mit 17.10 ein Snap auslieferte.

Was unterscheidet die Formate?

Snaps sind Pakete, die den Großteil ihrer benötigten Abhängigkeiten im Paket selbst mitbringen. Zudem sind sie per Sandbox besonders abgesichert – zumindest theoretisch, denn das funktioniert nur unter Wayland einwandfrei. Da aber Ubuntu 18.04 LTS nicht, wie der Vorgänger Ubuntu 17.10 auf Wayland setzt, sondern zu X11 zurückkehrt, entfällt dieser Vorteil erst einmal. Nachteile des Snap-Formats, das eigentlich für das Internet der Dinge entwickelt wurde, ist prinzipbedingt die Größe der Pakete. So ist etwa das Snap von Spotify 168 MByte groß, Skype schlägt mit 110 MByte zu Buche. Zudem passen sie vom Design her nicht immer in das Gesamtbild einer Distribution.

Vor- und Nachteile

Zu den Vorteilen zählen automatische Updates, die aber auf Systemen mit wenig Platz auch schnell zu Problemen führen können. Die Möglichkeit zum Abschalten dieser automatisierten Updates wiederum würde einen großen Vorteil von Snaps zunichte machen. So werden etwa im Internet der Dinge Geräte wie Router, Switches und viele mehr automatisch mit neuer Firmware versorgt, was sie weniger anfällig gegen Angriffe macht. Deshalb hat sich Canonical bisher dagegen verwehrt. Sollten Snaps jetzt mit Ubuntu vermehrt für den Desktop ausgeliefert werden, sollte das für diesen Anwendungsfall neu überdacht werden.

Transaktionelle Updates

Zudem werden Snaps so aktualisiert, dass dank transaktioneller Updates auf die alte Version zurückgerollt wird, falls etwas schief geht. Gerade für LTS-Ausgaben machen daher Snaps von Paketen, die der Anwender aktuell halten will, durchaus Sinn. Diese können auch parallel zu den normalen Debian-Paketen einer Anwendung koexistieren. Sie sind quasi wartungsfrei und können über den Snapcraft-Store, das Software-Center oder per Kommandozeile installiert und administriert werden.

Snaps für Ubuntu 18.04 LTS

Steve Langasek hält daher die Zeit für reif, Snaps mit Ubuntu 18.04 LTS im April auszuliefern. Er hat dazu in einem Aufruf auf der Mailing-Liste der Ubuntu-Entwickler seine Kollegen aufgerufen, dazu Stellung zu nehmen. Im Anhang hat er Ideen zu Richtlinien ausgearbeitet, über die zu entscheiden ist. Bei der Menge an Fragen, die dort aufgeworfen werden ist es allerdings fraglich, ob die Zeit bis zur Veröffentlichung am 26. April ausreicht um dies in verantwortungsvoller Weise zu tun.

Viele offene Fragen

Dabei geht es um Lizenzen, die Vertrauenswürdigkeit der Quelltexte und Pakete, die ja nicht durch Repositories wie bei Debian abgesichert sind. Ferner stellen sich Fragen wie wer für die Behebung von Sicherheitsproblemen verantwortlich ist oder wie der Quelltext zugänglich zu machen ist, sodass die Snaps im Launchpad verfügbar sind. Wenn alle Fragen diese geklärt sind, so macht es gerade bei LTS Sinn, bestimmte Pakete wie etwa LibreOffice, Skype, Slack, Spotify oder andere Software aus dritter Hand als Snaps auszuliefern, da gerade bei LTS auch PPAs nicht der Weisheit letzter Schluss sind.

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Alle Kommentare
  • tuxnix

    10.02.2018, 15:59 Uhr

    Ich denke mal Ubuntu 18.04 LTS wird doch Wayland mit ausliefern. Wie alle anderen Distries. Nur nicht als default Einstellung. Wo die Snaps tatsächlich hingehören, ist bei ansonsten nicht gewarteten IoT Geräten. Dort machen automatische Updates Sinn. Ansonsten beweist Microsoft erlebbar, dass automatische Zwangsupdates auf dem Desktop schlichter Müll sind. Was im Artikel aber auch fehlt, ist die Erwähnung dieser komischen Lizenz zum Gelddrucken bei Snap. Das Programmieren von Snaps ist zwar frei, aber nur Cannonical ist berechtigt einen Snap Shop zu lizensieren. Und schließlich können einen die Snaps auch recht egal sein, es sei denn man will mal einen heben. Man kann auch einfach flatpaks nutzen wenn man den ppa’s aus dem Wege gehen möchte.

  • tuxnix

    10.02.2018, 16:13 Uhr

    P.S.:
    Snaps werden dann erst interessant, wenn käufliche Software Produkte in den Shop kommen, die begehrt sind, und die sonst auf Linux nicht zu haben sind. Und ich denke dahin geht die Reise. Die Frage wird dann sein, ob sich Softwareschmieden von Cannonical abhängig machen wollen, oder ob sie nicht lieber selbst die Kohle verdienen und ein flatpak im eigenen Shop anbieten.

  • Nashorn

    12.02.2018, 21:43 Uhr

    Canonical will den Benutzer im Software-Center via persönlichem „Konto“ identifizieren bevor er ein Snap installieren oder sogar deinstallieren darf. Ich vermute und hoffe, dass sie damit auf den Bauch fallen. Dass man das im Terminal umgehen kann, weiß ich schon, aber dieser Versuch stinkt mir.