Der Mohr soll endlich weg
Foto: The next day | by Victoria Pickering | Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Seit dem unsäglichen gewaltsamen Tod von George Floyd und dem damit einhergehenden Erstarken der »Black Lives Matter«-Bewegung schwappt eine Welle von Meldungen durchs Netz, die von Dutzenden Projekten besonders aus dem Bereich Open Source berichtet, die ihre Webseiten und ihren Code nach politisch unkorrekten Bezeichnungen durchforsten und diese medienwirksam umformulieren.

Schwarz und Weiß

Allen voran GitHub, dass seinen Master-Zweig in Main umbenennen will, da der Begriff Master Assoziationen an die koloniale Zeit der Sklavenhaltung wecke. Dabei ist die Diskussion nicht neu, bereits 2018 gab es ein Plädoyer gegen Master und Slave als Bezeichnung für ein Abhängigkeitsverhältnis bei Datenbanken und anderswo.

Andere Beispiele sind Whitelist und Blacklist oder White Hats und Black Hats. Dabei kommen jeweils die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen. Auch bei Festplatten sind Master und Slave für primäre und sekundäre Platten gängige Begriffe. Wenn das so weitergeht, müssen bald auch der »Master Bedroom« und der universitäre Master-Abschluss umbenannt werden.

Latenter Rassismus

Warum diese Bezeichnungen ursprünglich so gewählt wurden und ob sie einem allgegenwärtigen latenten Rassismus entspringen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde das nicht mal in Abrede stellen wollen. Klar ist auch, dass es vermutlich in vielen Fällen gleichwertige oder gar bessere Bezeichnungen gibt. So vermittelt die Bezeichnung Main für den Hauptzweig eines GitHub-Repositories die gleiche Bedeutung wie Master.

Politisch korrekt bei Open Source

Politische Korrektheit ist ja nicht neu im Open-Source-Bereich. Social Justice Warriors sorgten im letzten Jahr dafür, dass Linus Torvalds seine nicht immer feine und manchmal auch verletzende Wortwahl ändern musste, obwohl die Mehrzahl der Entwickler mit dem rauhen Ton des Chefs umzugehen wussten. Auch der Name GIMP für GNU Image Manipulation Program wurde als anstößig empfunden, was den Fork Glimpse ins Leben rief.

Der Mohr als Symbol

Auch in deutschen Landen gab und gibt es Bestrebungen gegen Alltagsrassismus. Namen wie »Mohren Apotheke« oder der »Sartotti Mohr« als überkommenes rassistisches Symbol sind nicht mehr opportun und gelten als diskriminierend. Der Mohrenkopf gehört schon länger der Vergangenheit an und heißt nun brav Schokokuss.

Ob die Agenda der Streiter für politische Korrektheit gutzuheißen ist oder nicht, sei dahingestellt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich frage mich eher, wem soll das alles helfen? Beim Mohren wie beim Master geht es darum, dass dunkelhäutige Menschen Anstoß an den Begriffen nehmen könnten.

Ich glaube nicht, dass ein dunkelhäutiger Mitbürger beim Betreten einer Apotheke, die den Mohren im Namen führt, an Rassismus denkt. Genauso wenig werden sich vermutlich People of Color durch die Verwendung von Begriffen wie Master oder Blacklist davon abhalten lassen, zu einem Open-Source-Projekt beizutragen.

Gutes Marketing

Die Umbenennungen, die gerade zeitlich opportun vorgeschlagen und vorgenommen werden, helfen keinem einzigen Menschen aus der »Black Lives Matter«-Bewegung. Sie helfen lediglich, Unternehmen und Projekten, sich in einem guten Licht darzustellen. Die Diskussion im Netz darüber verläuft kontrovers. neben Befürwortern gibt es auch starke Kritik, die sogar in einer Petition Ausdruck findet.

Ob mit den Umbenennungen der bestimmt vorhandene latente Rassismus abgebaut werden kann, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Wie denkt ihr darüber?

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