Jolla

Jolla erneut in misslicher Lage

Das finnische IT-Unternehmen Jolla Oy, Entwickler des mobilen Betriebssystems Sailfish OS, sieht sich erneut in schwierigem Fahrwasser, das durch den Einmarsch von Russland in die Ukraine gefährlich für den Bestand des Unternehmens werden könnte. Das Thema wurde bereits gestern das Blog curius.de aufgegriffen. Die wechselvolle Geschichte des Unternehmens wurde hier im Blog 2019 behandelt.

Jolla hat in seiner zehnjährigen Geschichte bereits einige Finanzkrisen überstanden. Die letzte wurde 2015 durch das Debakel mit dem gescheiterten Jolla-Tablet ausgelöst. Rettung folgte 2018 unter anderem vom russischen Telekom-Unternehmen Rostelecom, das zu 45% dem russischen Staat gehört. Der Konzern investierte eine ungenannte Summe in Jolla, mit dem Ziel, mit dem aus Sailfish OS in Lizenz entwickelten Aurora OS die Abhängigkeit der stattlichen Stellen von Android zu verringern. Rostelecom ist der größte Anteilseigner an Jolla, hält aber keine Mehrheit.

Wie einem aktuellen Bericht des Jolla-Vorstandsvorsitzenden Samuli Simojoki auf LinkedIn zu entnehmen ist, bemüht sich Jolla bereits seit einiger Zeit, die russischen Anteile am Unternehmen signifikant zu senken und erziele derzeit keinen Umsatz aus der russischen Beteiligung mehr. Beim Versuch der Ablösung erhielt Jolla auch Unterstützung der International Investment Bank. Durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine erscheint die Situation jetzt um vieles dringlicher. Simojoki stellt in seinem Bericht klar, dass »in dieser neuen Situation es klar ist, dass das Unternehmen keine Zukunft mit einem russischen Eigentümer hat.«

Im Forum von Jolla wurde der Ruf nach einer baldigen Stellungnahme des Unternehmens laut, die gestern unter dem Account Jolla Leader folgendermaßen beantwortet wurde:

Jolla hat kein aktives Geschäft mehr und exportiert auch nicht mehr nach Russland, das Geschäft wurde im Laufe des Jahres 2021 heruntergefahren. Wir bieten weiterhin das unabhängige europäische Betriebssystem für alle an, die Wahlfreiheit wünschen und digitale Unabhängigkeit schätzen. Parallel dazu wächst Jolla besonders schnell im Automobilsektor, der bereits einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes im Jahr 2021 ausmachte. […] Die letzten Beiträge von Aurora OS wurden in die Version 4.3 im November 2021 integriert. Wir haben kein aktives Projekt mit Aurora OS mehr.

Jolla Leader

Die Aussage zum Automobilsektor bezieht sich wohl auf Daimler, die seit kurzem Mercedes-Benz Group heißt und einen Sitz im Aufsichtsrat von Jolla hat. Bereits im September 2021 warb Jolla mit dem Projekt AppSupport for Linux um Kunden aus der Automobilindustrie. Bleibt zu hoffen, dass Jolla die Ablösung in dieser prekären Situation gelingt und das Unternehmen auch die derzeitige Schieflage überstehen kann.

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