Audacity: Mehrfachlizenzierung eingeführt

Audacity

Muse Group als die neuen Besitzer des beliebten freien Audioeditors Audacity legen es weiterhin darauf an, Anwender und Entwickler vor den Kopf zu stoßen. Nachdem durch massiven Protest der Community die Einführung von Telemetrie per Google Analytics und Yandex Metrica abgewendet werden konnte, folgt nun der nächste Streich von Martin Keary, dem Vorstandsvorsitzenden der Muse Group.

Unterschrift zu CLA zwingend erforderlich

Wer in der Vergangenheit zu Audacity beigetragen hat oder künftig beitragen möchte, muss ein [wiki title=”Contributor_License_Agreement”]Contributor License Agreement[/wiki] (CLA) unterzeichnen, wie aktuell auf GitHub zu lesen ist. Zudem soll die ursprüngliche Lizenz von GPLv2 auf GPLv3 geändert werden, um beispielsweise Technologien wie das per Dual-Lizenz aus GPLv3 und der Proprietary Steinberg VST3-Lizenz gestellte [wiki title=”Virtual_Studio_Technology”]Virtual Studio Technology[/wiki] in Version 3 zu unterstützen, das mit der GPLv2 nicht kompatibel ist.

Mehrfachlizenzierungen ermöglichen

Das nun eingeführte CLA soll solche [wiki title=”Mehrfachlizenzierung”]Mehrfachlizenzierungen[/wiki] in Zukunft erleichtern. Mit der Änderung auf die GPLv3 wird Audacity auch an MuseCore angepasst, einer Anwendung, die ebenfalls zur Muse Group gehört. Zudem soll Audacity auf weiteren Plattformen zugänglich gemacht werden, was angeblich ohne CLA nicht möglich ist. Als Beispiel wird Apples App Store genannt, was aber, wie ein Kommentator berichtet, nicht zutrifft, wie das Beispiel Nextcloud belegt.

Entmündigt

Beitragende, die die CLA für Audacity unterschreiben, treten damit »eine unbefristete, nicht-exklusive, weltweite, voll bezahlte, gebührenfreie, unwiderrufliche Urheberrechtslizenz zur Vervielfältigung, Erstellung abgeleiteter Werke, öffentlicher Darstellung, öffentlicher Aufführung, Unterlizenzierung und Verteilung des Beitrags und solcher abgeleiteter Werke« an das Unternehmen MUSECY SM LTD ab. Der Schaden, denn ein CLA anrichten kann, wurde von Drew DeVault während der letzten großen Diskussion über CLAs bereits dargelegt.

Das Ausschlachten geht weiter

Die neuen Besitzer planen zudem die Einführung separater Cloud-Dienste, die Audacity-Benutzer nutzen können, wenn sie wollen. Diese Dienste sollen die zukünftige Entwicklung von Audacity finanzieren, ähnlich wie MuseScore.com die Entwicklung der MuseScore-Kompositionssoftware finanziert. Der Text des CLA kann in der FAQ im Anhang der Ankündigung nachgelesen werden. Ich bin gespannt, was als Nächstes kommt und wann ein Fork die Community unter einem nicht von der Geschäftemacherei der Muse Group verhunzten Audacity vereint.

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40 Kommentare

  1. Was solls, audacity ist für mich Geschichte, eventuell kommt das Fork stattdessen drauf, schade eigentlich, aber wer den Users so ins Gesicht schlägt, der braucht sich nicht wundern, das keiner mehr das nuztz, was eigentlich mal gut war!

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    1. das heisst dann wohl, dass man sich so langsam auf die Suche nach einer Alternative begeben sollte (obwohl ich davon ausgehe, dass die letzten sourcen noch lange kompilierfähig bleiben, müssen wir halt erstmal damit leben, mit nicht aktualisierten Paketen zu arbeiten), sofern der hoffentlich unvermeidliche fork nicht doch schon schnell bereit gestellt werden kann.

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      1. Ich denke, damit könnte man erst ein mal leben, je nach Distribution sind die Pakete eh selten Top aktuell. Aber besser so, als eine Software zu nutzen, die von Firmen aufgekauft wurden, um daraus Daten zu ziehen. Früher oder später muß man sich wohl mit dem Gedanken befassen, das freie und offene Software nicht völlig kostenlos sein kann, bevor sich weitere Projekte von diesem Gedanken leiten lassen.

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      2. Ich kenne leider bislang überhaupt keine freie Alternative. Ich habe früher noch mit dem Nero Wave Editor und Wavepurity gearbeitet, beide waren nicht wirklich frei (auch wenn der Nero Wave Editor wohl seit einiger Zeit kostenlos angeboten wird und allerhand Zusatzsoftware mit installiert). Beide hatten ihre spezifischen Stärken: Nero Wave Editor im Entrauschen (behutsam vorgegangen lieferte es wirklich angenehme Verbesserungen) und Wavepurity im Entknistern und Entknacken von Schallplattenabgriffen.
        Ich bin im Netz noch auf Oceanaudio gestoßen, aber der Quellcode ist auch nicht frei.
        Hat jemand eine gute Alternative oder warten alle auf den Fork?^^

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          1. Stellt sich die Frage, was da in den Apple-Store soll. Eventuell wird es irgendeine Audacity-basierte App oder sonstwas.

            Das CLA gibt es auch nicht, weil das unbedingt nötig wäre, um in den Apple-Store zu kommen, der wird im Grunde nur als Beispiel genannt, auch wenn er das aktuelle Ziel sein dürfte. Mit dem CLA sichert man sich quasi für die Zukunft ab, weil man die Leute dann im Fall einer erneuten Lizenz-Anpassung nicht nochmal fragen muss.

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          1. Spitzenmäßig. Ich nutze davon nur Kdenlive und gehe für Audio meist doch hinterher nochmal per FLAC ins Audacity.
            Ardour und LMMS sehen interessant aus – beide eignen sich offenbar zum komplexeren Abmischen, sie werden sicherlich meinen Bedarf übersteigen, aber manchmal kann man ja trotzdem einfachere Operationen durchführen ohne viel Aufwand 😉

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  2. Entscheidend ist die Unterzeichnung der CLA, die so wird ja behauptet, 90% der Entwickler schon unterschrieben hätten. Nach dem Abtritt der Urheberrechte könnte die Muse Group dann mit dem Code machen was immer sie will.

    Dass man die Zustimmung zur CLA als Voraussetzung (so hab ich denn Artikel verstanden) für den Zutritt zum Github Repo. ansieht schafft Fakten. Als “Diskussionsbeitrag” kann man so etwas nicht mehr werten.

    Was wieder die Frage stellt, was hat die Muse Group bisher eigentlich erworben?
    Admin Rechte auf Github? Die Rechte am Logo und Schriftzug?

    Vielleicht muss man gar nicht Forken, eventuell genügt die kollektive vorgebrachte Bitte an die Muse Group sich wieder zu verpi…n.

    Nebenbei. Glimse hat inzwischen offiziell das Handtuch geschmissen. Ich hoffe sehr, dass die feindliche Übernahme von Audacity genauso scheitert.

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    1. > Was wieder die Frage stellt, was hat die Muse Group bisher eigentlich erworben? Admin Rechte auf Github? Die Rechte am Logo und Schriftzug?

      Genau so scheint es. Sie haben wohl die Zustimmung der Entwickler mit Adminrechten gekauft sowie die Wortmarke. Ich hab das im Blog durchanalysiert.

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      1. Dann müssten sich nur genügend viele Entwickler so organisieren, dass sie dazu klar in Stellung gehen können.

        1. Ich würde dann als neues Komitee zuerst einmal die Muse Group abwählen.
        Die ehemaligen Admis hatten eine ehrenamtliche Aufgabe jedoch kein Recht irgendetwas zu verkaufen. Das was die Muse Grub erworben hat ist illegal erworben worden.

        2. Eine Erklärung aller, die eine Klage unterstützen, sobald bei Audacity die Lizenz gewechselt werden sollte.

        3. Ein Fork auf Gitlab, den ich frech Audacity nennen würde. Soll doch Muse Group erst ein mal beweisen, dass der Code tatsächlich ihnen gehört, bzw, dass man Namensrechte an etwas erwerben kann, dass einem gar nicht gehört.

        Das fällt mir jedenfalls spontan dazu ein.
        Man soll sich doch nicht gleich ins Boxhorn petzen lassen nur weil einer daherkommt und sagt, mir gehört jetzt die freie Software und ihr müsst alle unterschreiben.

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        1. Du rennst hier halt in die Frage, wem Audacity zuvor gehörte. Das war wahrscheinlich einfach nie klar definiert. Deswegen war es wohl schlicht genug für Muse, wie du eben gesagt hast, sich die Adminrechte zu kaufen.

          Du müsstest also einen Entwickler finden, der sich nicht von der Firma hat kaufen lassen, am besten selbst Adminrechte im Github-Repo zumindest besaß und signifikant so viel Code beigesteuert hat, dass sein Anteil am Projekt nicht verneint bzw ersetzt werden kann.

          Ich gehe davon aus, dass dafür maximal eine Handvoll Entwickler in Frage kommen, und würde erwarten dass genau die von Muse für ihre Zustimmung der Projektübernahme bezahlt wurden. Entsprechende vage Verweise auf Verträge und Verschwiegenheitserklärungen gab es ja bereits.

          Der Gitlab-Fork namens Audacity, das wäre so das einzige wo sie mit ihrer Marke eine echte Verteidigung gegen hätten, egal was die Entwickler machen. Die wurde ihnen wirklich übertragen. Der Fork bräuchte einen neuen Namen.

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  3. Ein Vertrieb von GPL3 lizensierter Software ist im Apple Appstore nicht möglich. Für Software, die z.B. die Qt Libraries verwendet, muss man die kommerzielle Lizenz kaufen. Das ist bei Nextcloud iOS vielleicht anders, weil der komplette Code von vornherein mit der Appstore-Ausnahme-Lizenz geschrieben wurde. Eine nachträgliche Einführung der Ausnahme bei vorher unter GPL2/3 geschriebenem Sourcecode ist m.E. nur mit Zustimmung aller Urheber möglich.

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    1. Der Apple-Appstore ist für Audacity eigentlich völlig uninteressant. Das sind Eulen die man nach Athen trägt. Bei Audio-Bearbeitung spielt Apple in einer ganz andern Liga. Dem Apple User fehlt da an nichts. Ich halte das für ein Scheinargument um die Lizenz zu ändern.

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      1. Ohne Dir _eigentlich_ widersprechen zu wollen, könnte es ja doch sein, dass jemand, der auf Apple festhängt (aus welchem Grund auch immer), dennoch (mehr oder weniger) Freier Software den Vorzug gibt, wenn sie tut, was sie soll – betrifft sicher nicht die meisten Apple-Nutzer, aber es gibt ja auch schon seit Jahren Leute, die z. B. Inkscape auf einem Mac verwenden, obwohl es da an nichts fehlte 😉

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        1. Klar, freie Software würde im Apple Store für die User durchaus Sinn machen. Ist aber so von Apple nicht gestattet.
          Es geht ja um die Lizenzänderung und Erstellung einer Bezahl-App und die ist dann eben nicht mehr frei wie Freibier und steht dann im Apple-Store in Konkurrenz zu Anwendungen die seit Jahrzehnten im professionellen Bereich eingesetzt werden.
          Das nenne ich Eulen nach Athen tragen.
          Es macht keinen Sinn dafür extra die Lizenz von Audacity ändern zu wollen, da ist man jetzt viel attraktiver, so wie man ist.

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  4. Es ist schon fast beeindruckend wie unsensibel hier im Hauruck-Verfahren vorgegangen wird. Audacity ist eine nützliche Software für mich und ich freue mich auf den Fork. Nun wird auch langsam ein Geschäftsmodell erkennbar, was mir das Audacity der MuseGroup unsympathisch macht: Nachdem es mit der direkten Weitergabe (“Verkauf”) der Nutzerdaten per Telemetrie nicht geklappt hat, versucht man nun mit Cloud-Daten vorzugehen.
    In der ersten Meldung hatte ich hier noch gefragt, welches Geschäftsmodell wohl dahinter steht. Dank der konsequenten Berichterstattung kann man den Fall gut verfolgen. Gute Arbeit!

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    1. > Nachdem […] Weitergabe […] der Nutzerdaten per Telemetrie nicht geklappt hat

      Mir hat das ja auch nicht geschmeckt – aber zum lohnenden Ausschlachten der Nutzerdaten wäre das Opt-In nicht ausreichend gewesen.
      Never attribute to malice [exclusively] that which can be adequately explained by stupidity.

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      1. Ich denke auch nicht, dass hier böser Wille im Spiel war, aber ein gerüttelt Maß an Ignoranz gegenüber der Community und den Gepflogenheiten von Open-Source. Telemetrie finde ich persönlich nicht so schlimm, wenn gut begründet, transparent und Opt-in, aber wen man sich da mit Google und Konsorten ins Boot holen wollte, geht halt mal gar nicht.

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        1. Ganz genau das meinte ich.
          @kamome: Selbst ein Opt-in wäre unschön und führt zu vielen Daten, wenn es intransparent oder unvorteilhaft eingebracht wird, z.B. standardmäßig aktivierte Checkbox, die sehr klein oder sogar auf einer anderen Seite (mit nötigem Klick auf “Zusatz-Optionen” o.ä.) versteckt ist. Bei den gewählten Partnern sowie dem üblen Vorgehen gegenüber der Community ist von so einer Praxis fast schon auszugehen.

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          1. Selbst ein Opt-in wäre unschön

            Finde ich auch …

            führt zu vielen Daten, wenn […] z.B. standardmäßig aktivierte Checkbox,

            … aber das wäre dann ein Opt-Out, kein Opt-In!

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        2. Heute heißt das “Telemetrie zur Verbesserung der Anwendung” und morgen wird diese Technik genutzt um schon beim Schnitt von Musikstücken Urheberrechte durchzusetzen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die Interventionen nicht zufällig sind, sondern im Gegenteil sehr zielgerichtet gemacht werden.
          Audacity wird sehr häufig im semiprofessionellen Bereich eingesetzt. Den letzten unabhängigen Mediengiganten hat gerade Amazon geschluckt.
          Auf youtube findet mittlerweile ein sehr striktes Regime statt und die Politik und die Gesetzgebung begünstigen die Rechte von Verlagen und Medienkonzernen.
          Ich möchte hier nicht den Teufel an die Wand mahlen. Man solle sich jedoch darüber klar werden, dass freie Software für die freie Kreativität in einer Gesellschaft ungemein wichtig ist.
          Ob man das als böse bezeichnen solll überlasse ich der eigenen Wertung, klar dürfte sein, dass hier auf der Gegenseite sehr massive Interessen vorhanden sind.

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  5. Öhm, man hätte ja irgendwie erwartet nach dem Eklat mit Google Analytics hält der mal kurz die Füße still, bis sich die Lage wieder beruhigt hat.
    Aber der legt direkt nach und gießt nochmal ordentlich Öl ins Feuer. Der will doch, dass die Community sich verdrückt, oder?

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  6. > Wer _in der Vergangenheit […] beigetragen hat_ […], muss ein Contributor License Agreement (CLA) unterzeichnen

    Für die Vergangenheit? Wie genial ist das denn!
    Da kann man ja fast vermuten, dass das jemand ersonnen hat, der einen Fork mit Erfolg sehen will 😉

    https://github.com/audacity/audacity/discussions/932
    > Q. Will Audacity remain open source?
    A. Yes. Audacity was, is, and always will be 100% open source and free in every sense.

    Das klingt ja erstmal gut …

    > The CLA also allows us to use the code in other products that may not be open source

    … aber dann „für Euch gilt die GPL, wir nutzen sie aber wie BSD”.

    Dann viel Glück! (für einen Fork)
    BSD wäre ja OK, dann aber doch für alle!

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