Code

Bcachefs, Overstreet und der Kernel-CoC

Der Streit um Bcachefs im Kernel und um die Person des Entwicklers Kent Overstreet geht in eine neue Runde. Die Patches von Overstreet für Linux 6.13 wurden vom Vorstand des Kernel Codes of Conduct (CoC) blockiert, was Overstreet veranlasste, einen sehr langen Artikel mit dem Titel Trouble in the kernel zu schreiben und seine Sicht der Dinge darzulegen.

CoC gepatched

Dem vorausgegangen war ein Patch für den CoC, der einige Anpassungen hauptsächlich zum Thema »inakzeptables Verhalten« einführt. Man könnte vermuten, dass diese Änderungen aus den Querelen zwischen Overstreet und Torvalds sowie einigen anderen Maintainern resultieren.

Überhöhtes Ego

Ohne jetzt auf den Artikel selbst einzugehen: Wer mehr oder weniger im Alleingang ein Dateisystem schreibt, das es bis in den Kernel schafft, ist zweifelsohne ein technisch sehr versierter Entwickler. Das macht ihn noch lange nicht zu einem Menschen mit gutem Sozialverhalten und Teamfähigkeit. Hohe technische Expertise führt bei manchen Menschen zu einem überhöhten Ego, das ihnen eher im Weg steht, als dass es ihnen hilft. Nach allem, was ich von Overstreet gesehen habe, trifft dies auf ihn zu.

An die Kette gelegt

Einer, der darüber bestens Bescheid wissen sollte, ist Linus Torvalds. Er wurde 2018 von der Linux Foundation und den dahinter stehenden wirtschaftlichen Interessen domestiziert und die Kernel-Community bekam in der Folge einen Code of Conduct übergestülpt. Das Gleiche passierte in vielen anderen Communities über die vergangenen Jahre.

Zukunft von Bcachefs ungewiss

Torvalds musste sich damals dem Druck beugen, wollte er seine Position als oberster Pinguin und seinen Job bei der Linux Foundation nicht gefährden. Kent Overstreet wird dem Druck eher nicht nachgeben. So wie es jetzt steht, wird Bcachefs keine Zukunft im Kernel haben und die Kernel-Community einen zwar unbequemen, aber hochtalentierten Entwickler verlieren. Da muss die Frage erlaubt sein, ob die Gleichschaltung durch die Code of Conducts der letzten Jahre in verschiedenen Communities und die dahinterstehenden Mächte einen positiven Einfluss auf die Gemeinschaft Freier Software haben oder doch eher der Entwicklung abträglich sind. Ich befürchte letzteres.

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25 Kommentare

  1. Zu Verschwörungstheoretikern:
    Galileo Galilei und Sir Isaac Neuton gehören zweifelsohne zu den schlimmsten Verschwörungstheoretikern überhaupt.
    Diese beiden Querdenker behaupten doch glatt, dass man die Geschwindigkeit mit der Gegenstände zu Boden fallen exakt berechnen kann.

    Zum CoC:
    Das CoC ist eine Machtstruktur und damit handelt es sich dabei eindeutig um Politik. Darüber für was welcher CoC im jeweiligen Projekt sorgt oder bewirken soll kann man geteilter Meinung sein. Natürlich kann man der Meinung sein, dass es sich bei Politik generell um Verschwörung handelt aber das kann man bei menschlicher Kommunikation schon immer seit Adam und Eva wenn ein dritter Teil (die Schlange) mit ins Gespräch kommt.

    Zur AfD:
    Über die AfD will ich hier gar nichts sagen. Mir ist völlig unklar wieso hier jemand meint die AfD hier überhaupt ins Gespräch bringen zu müssen.
    Nur so viel. Solange die AfD zu Wahlen zugelassen ist, gehört es zum guten demokratischen Ton es zu akzeptieren, dass es Bürger gibt, die ihr Kreuz auf dem Stimmzettel bei dieser Partei machen.
    Und wem das nicht gefällt sollte schleunigst dafür sorgen, dass der Rest der Parteien eine bessere Politik machen als es derzeit hinbekommen.

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  2. Wenn Ferdinand hier vorsichtig vermutet, dass dieser Konflikt auf ein gesteigertes Ego zurückzuführen ist, dann ist das seine Meinung und er hat auch genug Hintergrund um diese Meinung äußern zu können.

    Wenn sich dann eine Horde Schmalspurdenker anschließt und darauf hin eine Hetze gegen einen Menschen gestartet wird, ohne dass auch nur einer von den Hetzern sich mal die Mühe gemacht hat, die Argumente zu sortieren, dann ekelt mich das nur noch an.

    Für mich ist das zu einfach den Konflikt auf die persönliche Ebene abzuschieben. Kent Overstreet und Linus Torvalds haben beide Recht!

    Jeder aus seiner Sicht der Dinge und für das, für was er jeweils Verantwortung trägt. Das muss man erst einmal zulassen um überhaupt verstehen zu können, worin der Interessenskonflikt besteht und an welcher Stelle es dann technisch kollidiert.
    (Natürlich ist es einfacher wie damals im Kindergarten zu sagen “Du bist doof” oder “Du sagst das nur weil du ein Egoist bist” und den anderen persönlich abzuschieben anstatt einmal Argumenten zuzuhören aber vielleicht sind wir, so hoffe ich doch sehr, dem Kindergarten schon ein klein wenig entwachsen.)

    Kent entwickelt gerade das Dateisystem mit den Eigenschaften die wir alle von einem modernen Dateisystem erwarten und das wir spätestens in 3 Jahren alle benutzen werden. (Dafür sorgen zu wollen ist bestimmt kein Egoismus)
    Er hat seine eigene kleine Gemeinschaft die testet und er hat für die Entwicklung eine hohe Geschwindigkeit drauf. (Das ist bestimmt kein Verbrechen) Ihn jetzt zurückzuhalten wäre ein großer Fehler.

    Linus (et all) hat für die Kernelentwicklung einen bestimmten Takt vorgegeben.
    Er ist wie ein Dirigent, der darauf achten muss, dass Chor und Orchester nicht auseinanderfallen. 1!-2-3-4……1!-2-3-4. Nur auf der 1! dürfen neue Features eingebracht werden, bei 2-3-4 nur noch Korrekturen. Wer aus dem Takt fällt wird angepfiffen.

    Musikalisch und auch technisch gesehen ist die Lösung aber ganz einfach.
    Kent bekommt einen kleinen Nebenraum, wo er in seinem Tempo entwickeln kann und lässt dann immer wenn der ganze Chor und das Orchester auf der 1! sind, seine neuen Patches.
    Mit git ist das Zweifelsohne machbar und dieser Vorschlag ist auch schon längst offiziell gewacht worden.

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    1. Hier ist es halt der eine MM-Subsystem Maintainer, der dem Kent da Steine in den Weg legt, weil er keinen Bock hat, an den alten Spaghetticode ranzugehen. Dann macht der Overstreet eigene Patches und dann fühlen sie sich übergangen. Der Bcachefs-Typ ist hier definitiv nicht das Problem (zumindest nicht alleine).

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      1. Auch ohne Kenntnis des kompletten Verlaufs, würde ich mich hinreißen lassen zu behaupten, dass dieser Satz:

        Der [Bcachefs-Typ] ist hier definitiv nicht das Problem (zumindest nicht alleine).

        Auf 99,99% aller Streitigkeiten oder Unstimmigkeiten zutrifft. Den ein Streit mit sich selbst, funktioniert nur bei wenigen Menschen zuverlässig. 🙂

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      2. Natürlich kollidiert es an dieser Stelle. Aber das muss man dann auch mal eine Weile aushalten können bis sachlich entschieden ist was dort besser ist.

        Und im Großen und Ganzen passiert das ja jetzt.
        Es gab erst einmal ein Stop damit sich die Gemüter beruhigen können und damit auch die nötige Zeit für einen Kreis von Leuten vorhanden ist dort einmal genauen hinzuschauen.

        Ich glaube nicht, dass bcachefs aus dem Kernel rausfliegen wird und ansonsten gäbe es auch immer noch die Möglichkeit den Kernel zu forken, aber das wäre wirklich die schlechteste Variante von allen.

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  3. Was mich bei solchen Diskussionen stört, ist das unterbewußte unterscheiden zwischen gutem und schlechten Lobbyismus. Klar nehmen Firmen Einfluß, aber auch andere. Und das ist auch gut so.
    Man kann nicht Einfußeinnahme an sich einmal akzeptieten, weil man den Hintergrund mag und einmal nicht, weil die Meinung dahinter nicht paßt.

    Und von dunklen Mächten zu sprechen impliziert etwas, was Ferdinand nicht implizieren wollte, so wie ich ihn verstehe. Es ist eine schlechte Wortwahl.

    Wie auch immer, ein guter Entwickler kann noch so gut sein, wenn er kein Teamplayer ist, blockiert er das Team. Abgesehen davon las es für moch so, daß er lieber neue Features in bcrachefs einbringen wollte als das Vorhandene zu stabilisieren. Das kanner in unstable machen, aber in stable gehört ea nicht hinein.

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  4. “Da muss die Frage erlaubt sein, ob die Gleichschaltung durch die Code of Conducts der letzten Jahre in verschiedenen Communities und die dahinterstehenden Mächte einen positiven Einfluss auf die Gemeinschaft Freier Software haben oder doch eher der Entwicklung abträglich sind. Ich befürchte letzteres.”

    Das ist genau das was ich seit einigen Jahren auch so empfinde und sehe. Mag den Juengeren und denen die noch nicht so lange dabei sind nicht so auffallen, aber den Alten, die seit Begin quasi dabei sind schon.

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  5. Also ich bekomm da selbst nicht soo viel mit, aber im IRC ist Kent immer nett und höflich und versucht dein Problem schnell zu lösen, da merke ich nichts von arroganz oder der gleichen..

    Auf der Mailingliste, nunja da verfolge ich nicht alles, und so richtig verstehen tu ich manches auch nicht, aber ich seh oft das es nicht das ist was gesagt wird sondern WIE..
    Kent findet es heutzutage sehr altbacken wie man Patches auf den Kernel einreicht, er findet das Konzept das auf einer ML zu posten sehr altbacken.
    Wenn er argumente vorgebracht hat warum er sie so gemacht hat waren diese stets besser als diejenigen die etwas dagegen gesagt haben.

    Ich würde mir wünschen wenn sich die gemüter über die baldigen Feiertage wieder beruhigen und vor allem das bcachefs im Kernel bleibt, es wird mMn DAS dateisystem unter Linux werden..

    zu den Verschwörungstheorien (ich will da auch was unernstes zu sagen):
    wenn man sich die Members/Sponsoren so anguckt findet man da einige Storagehersteller und btrfs-fans drin, die wollen natürlich das ihr Produkt besser da steht und ein Linux mit bcachefs würde denen das Wasser abgraben bzw hätte man ein Konkurrenzprodukt was in vielen mindestens genauso gut ist.

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  6. Moin,
    ich überlege gerade ob sich Torvalds oder gar RM Stallman sich einer solchen Einschränkung in jungen Jahren gebeugt hätten. Die andere Wahrheit ist sie haben sich nicht aufhalten lassen egal von wo der Wind kam.
    Ich wünsche Bcachefs im Kernel und wenn der Entwickler es nicht auf die Reihe bekommt dann muss halt die Community einspringen.
    Gruß

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  7. Gruppen benötigen gewisse Regeln um zu funktionieren und die gibt es in irgendeiner Form auch immer, ob nun informell oder in Form eines CoC. Angesichts dieser meist relativ banalen CoCs dann von “Gleichschaltung” und “dahinterstehenden Mächte[n]” zu sprechen, halte ich auch für maßlos übertrieben.

    Außerdem ist es hier auch Overstreet, der sich mit seinem Verhalten keinen Gefallen tut. Sein Filesystem kann noch so gut sein, aber wenn er es im Kernel haben will, und ich gehe mal davon aus, dass er ein Interesse daran hat, dann muss er sich auch so benehmen, dass die anderen mit ihm zusammenarbeiten wollen. Denn sie müssen das schlicht nicht.

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      1. Ja sicher wird sie das, das hat Torvald ja neulich erst bewiesen. “Wessen Geld ich nehm dessen Lied ich singe.” aber das ist ja ein anderes Thema. Nichtsdestotrotz geht es so wie sich Overstreet das vorstellt eben nicht.

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      2. Jedenfalls nicht wegen dieser Geschichte hier oder allgemein wegen CoCs. Die enthalten meist nur relativ banale Regeln, die auch praktisch überall in der realen Welt (zurecht) eingefordert werden. Wer damit dann ernsthaft in Konflikt gerät, ist in 99% der Fälle selbst schuld. Ein gewisses Maß an Professionalität kann man halt erwarten. Für Leute, die sich daneben benehmen und hinterher dann rumheulen, weil andere die Konsequenzen daraus ziehen, habe ich jedenfalls kein Mitleid.

        Dass die in der Linux Foundation vertretenen Unternehmen Interessen haben lässt sich natürlich nicht bestreiten, dass ist zunächst aber auch überhaupt nicht verwerflich. Die Linux Community ist auf die Arbeit dieser Unternehmen und die von ihnen bezahlten Entwickler angewiesen und profitiert davon. Trotzdem führt das natürlich auch mal zu Entwicklungen, die nicht jedem Heimanwender schmecken, aber Verschwörungen dunkler Mächte sehe ich hier nicht.

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          1. Nein, aber “dahinterstehende Mächte”, die alles mögliche kontrollieren, sind ein typisches Element von Verschwörungstheorien. Und wenn man das dann noch historisch vorbelasteten Begriffen wie “Gleichschaltung” kombiniert, dann klingt das so langsam wie bei der AfD.

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              1. Ich wollte dir da jetzt keine Nähe zur AfD unterstellen und vielleicht war das daher unangebracht, halte die leichtfertige Verwendung solcher Begriffe aber für ungut.

                Und natürlich ist Microsoft einflussreich, deren Mitgliedschaft in der Linux Foundation halte ich aber für kein großes Problem. Außerdem sind sie der Linux Foundation ganz bestimmt nicht beigetreten, um irgendwelche CoCs einzuführen. Die sind eher das Resultat einer gesellschaftlichen Entwicklung und vor allem einer breiteren Entwickler-Basis.

                Das Problem hier ist dann auch einfach nicht der CoC, sondern dass sich Overstreet wohl einfach nicht benehmen kann bzw. nicht teamfähig ist.

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                1. Also Mircosoft und Linux speziell der Kernel ist eine buchfuellende Geschichte. Hat was mit Firmenstrategie und die Aenderung derer zu tun. Ist sehr interessant aber gehoert dann doch nicht in einen Newsblock. 🙂

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                2. Ich sehe das nicht unbedingt so, dass Overstreet nicht teamfähig ist. Die anderen gießen dem bei Meinungsverschiedenheiten bzw. unterschiedlichen Designansichten aber auch nicht wenig Öl ins Feuer. Gerade hier in dem letzten Fall sieht man es sehr deutlich, wenn man sich mal den ganzen Thread von anfang an reinzieht.
                  Wenn man dem mit dämlichen Argumenten kommt, geht der halt hoch. Wissen die. Und er läuft denen dann ins Messer.
                  Vollkommen dämlich. Eigentlich hätten da mehrere eine Auszeit verdient.

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    1. Wenn Du Deinen Nachbarn bestellst um Deine Hof zu pflastern und Dich mit ihm auf schwarz steuerbefreite Bezahlung einigst, dann hab ihr implizit auch stillschweigen gegenüber der benachteiligten Partei – dem Staat – vereinbart.

      Ihr seit also Verschwörer. Verschworen gegen den Staat um beidseitige finanzielle Vorteile/Interessen durchzusetzen, im Rahmen der verfügbaren Mittel, welche in dem Beispiel nicht besonders groß sind, weshalb so eine Verschwörung – außer vom FA – praktisch gerne übersehen wird.

      Es braucht keine “dunklen Mächte”, diese Art der Verschwörung passieren ständig und heißt im Volksmund “Wahrung der Interessen” während deren Ausmaß schlicht von den zur Verfügung stehenden Mittel begrenzt ist.

      Oder wie wäre Deine Interpretation diese Vorgangs “Nachbar pflaster Hof”?

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