Der Passwortmanager Bitwarden galt lange als Musterbeispiel dafür, wie sich Open Source und ein kommerzielles Geschäftsmodell miteinander vereinbaren lassen. Doch in den vergangenen Monaten haben mehrere Entscheidungen des Unternehmens Zweifel an dessen zukünftiger Ausrichtung geweckt. Eine am 9. Oktober angekündigte Änderung bei der Lizenzierung der Anwendungen sorgt nun erneut für Diskussionen.
Kommerzielle Lizenz für offizielle Anwendungen
Wie Bitwarden auf seiner Webseite mitteilte, werden die über App-Stores vertriebenen Anwendungen ab der kommenden Version zusätzlich unter einer kommerziellen Lizenz bereitgestellt. Auch die offiziellen Downloads über die Bitwarden-Webseite sollen von der Änderung betroffen sein. Der bisher unter der GPLv3 veröffentlichte Quellcode bleibt weiterhin auf GitHub verfügbar und soll auch künftig gepflegt werden. Sämtliche derzeit vorhandenen Funktionen stehen laut Bitwarden in beiden Varianten zur Verfügung. Für Anwender ändert sich zunächst nichts, auch das kostenlose Angebot und die Möglichkeit zum Selbsthosting via Vaultwarden bleiben unverändert bestehen.
Künftige Einschränkungen
Allerdings enthält die Ankündigung eine Einschränkung: Künftige Funktionen könnten ausschließlich unter der kommerziellen Lizenz veröffentlicht werden. Welche Komponenten davon betroffen sein werden, will Bitwarden jeweils im Einzelfall entscheiden. Damit könnten sich die freie und die kommerzielle Variante künftig funktional auseinanderentwickeln.
Bitwarden betont, dass der Quellcode weiterhin öffentlich einsehbar und überprüfbar bleibe. Das ist allerdings nicht gleichbedeutend mit Open Source im Sinne der Open Source Initiative (OSI). Die kommerzielle Bitwarden-Lizenz schränkt insbesondere die Nutzung und Weiterverbreitung ein. Als Begründung für die Änderung nennt das Unternehmen den Schutz vor der kommerziellen Weiterverwertung seiner Anwendungen durch Dritte.
Personelle und strukturelle Veränderungen
Die neue Lizenzpolitik trifft auf eine Community, die bereits seit Monaten über die Entwicklung des Unternehmens diskutiert. Im Februar 2026 wechselte der langjährige CEO Michael Crandell in eine beratende Funktion. Sein Nachfolger Mike Sullivan bringt unter anderem Erfahrung mit Übernahmen und Private-Equity-Investoren mit. Im April verließ zudem Finanzchef Stephen Morrison das Unternehmen.
Im Mai wurde bekannt, dass Bitwarden seine öffentlich kommunizierten Unternehmenswerte verändert hatte. Aus den bisherigen Grundsätzen Gratitude, Responsibility, Inclusion und Transparency wurden Gratitude, Responsibility, Innovation und Trust. Gleichzeitig verschwand vorübergehend die Formulierung Always free von der Preisübersicht. Bitwarden bezeichnete Letzteres als Versehen und stellte die Formulierung wieder her.
Im Juni folgte ein weiterer Umbau: Gründer Kyle Spearrin wechselte von der Position des CTO in die neu geschaffene Rolle des Chief Innovation Officer. Die technische Leitung übernahm Andrew Hartnett. Gleichzeitig kündigte Bitwarden an, die Investitionen in Forschung und Entwicklung um 50 Prozent zu erhöhen. Bereits zu Jahresbeginn hatte Bitwarden außerdem die Preise für sein Premium-Abonnement von jährlich 10 auf 19,80 US-Dollar angehoben. Auch diese Entscheidung war in Teilen der Community auf Kritik gestoßen.
Wohin bewegt sich Bitwarden?
Die Reaktionen auf die aktuelle Ankündigung fallen entsprechend kritisch aus. In Diskussionen auf Reddit und anderen Community-Foren befürchten Anwender, dass die GPL-Version langfristig gegenüber den kommerziell lizenzierten Anwendungen an Bedeutung verlieren könnte. Insbesondere die Möglichkeit, künftige Funktionen exklusiv in der kommerziellen Variante anzubieten, wird negativ bewertet. Andere Stimmen weisen dagegen darauf hin, dass Bitwarden bereits seit Jahren kommerziell lizenzierte Komponenten verwendet und die Finanzierung der Entwicklung auch wirtschaftliche Interessen berücksichtigen muss.
Noch gibt es keinen Anlass, Bitwarden als proprietären Passwortmanager einzuordnen. Die GPL-lizenzierten Komponenten bleiben verfügbar und das Unternehmen bekräftigt seine Verpflichtung gegenüber Open Source. Allerdings schafft die neue Lizenzpolitik die Voraussetzungen für eine stärkere Trennung zwischen freier und kommerzieller Software.
Ob Bitwarden diese Möglichkeit tatsächlich nutzt und wie weit die Trennung künftig reicht, wird die Zukunft zeigen. Dass die jüngste Entscheidung vor dem Hintergrund der personellen Wechsel, der geänderten Unternehmenswerte und der Preiserhöhungen auf besonderes Misstrauen in der Community trifft, ist nachvollziehbar. Für einen Passwortmanager, dessen Erfolg wesentlich auf dem Vertrauen seiner Anwender beruht, lassen die Entwicklungen im Jahr 2026 aufhorchen.
