Ich bin immer auf der Suche nach dem einen Markdown-Editor, der meiner Wunschvorstellung möglichst nahekommt. Dabei steht Ablenkungsfreiheit ganz weit oben auf meinem Zettel. Über Jahre kam der unter MIT-Lizenz stehende und bereits seit 2017 gepflegte Editor MarkText meinem idealen Markdown-Editor sehr nahe.
Vier Jahre Stagnation
Mit v0.17.1 erschien vor vier Jahren die letzte stabile Version, das Projekt stagnierte. Um den Tod des Projekts abzuwenden, entstand ein Community-Fork, der MarkText von Grund auf modernisierte. Das veraltete Babel-plus-Webpack-Set-up wurde durch electron-vite ersetzt, alle Bibliotheken auf aktuelle Versionen gehoben und die Codebasis von Vue 2 auf Vue 3 migriert.
Entwicklung wird fortgesetzt
Vor rund zwei Wochen kehrte nun der Originaldeveloper Jocs zur Pflege des ursprünglichen Repositorys zurück und mergte die Verbesserungen des Forks in den Hauptzweig ein. Der entsprechende Pull Request umfasst 467 Commits und integriert den neuen technischen Unterbau. MarkText bietet eine Echtzeit-WYSIWYG-Vorschau, unterstützt CommonMark, GitHub Flavored Markdown sowie optional Pandoc-Markdown und bringt Erweiterungen wie KaTeX-Matheformeln, Front Matter und Emojis mit. Exportiert werden kann in HTML und PDF. Das Angebot an Themes wurde massiv erhöht.
Für Einsteiger und Profis
MarkText eignet sich gleichermaßen für Markdown-Einsteiger wie für Profis. Einsteiger schreiben Text wie in einem normalen Texteditor. Wird der Text anschließend markiert, erscheint eine kleine, schwebende Symbolleiste mit Optionen für Fettdruck, Kursivschrift, Unterstreichung, Durchstreichen, Inline-Code und Links. Unter den Menüpunkten Paragraph und Format finden sich viele weitere Markdown-Tags. Neben dem Hamburger-Menü oben links werden die Absätze, Worte und Zeichen gezählt, sodass man nicht lange danach suchen muss. Tabs öffnet man mit [STRG]+[T]. Dateien können als HTML oder PDF exportiert werden.
Verschiedene Modi
Für ablenkungsfreies Denken und Schreiben bietet MarkText einen Schreibmaschinenmodus und einen Fokusmodus. Im Schreibmaschinenmodus bleibt die aktuelle Zeile in der Mitte des Bildschirms, und im Fokusmodus wird alles außer dem Absatz, an dem Sie gerade arbeiten, abgeblendet.
Wer MarkText testen möchte, sollte nicht zum Flatpak greifen, denn das steht noch bei der vier Jahre alten v0.17.1. Auf GitHub ist seit heute Nacht die aktuelle Version 19.0 verfügbar. Dort stehen auch Pakete für macOS oder Windows bereit. Arch-Nutzer finden entsprechende Pakete im AUR.
