Euro-Office

Euro-Office in Berlin vorgestellt

Eine Allianz führender europäischer Unternehmen und unabhängiger Organisationen hat als Reaktion auf die bei Unternehmen zunehmende Abwanderung von nicht-europäischen Produktivitätsplattformen Euro-Office ins Leben gerufen und heute in Berlin vorgestellt.

Community-Kollaboration

Diese neue Lösung für Dokumenten-, Tabellen- und Präsentationsbearbeitung entstand durch eine Community-Kollaboration von über einem Dutzend Organisationen. Unterstützt von namhaften europäischen Technologieunternehmen wie IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, Soverin und OpenProject wird die erste stabile Version bis zum Sommer erwartet. Eine technische Vorschau der Lösung ist ab sofort verfügbar.

Euro-Office basiert auf der ONLYOFFICE Open Source, einer AGPL-Codebasis. Diese Codebasis wird derzeit umfassend überprüft und bereinigt, um die Erstellung und Mitwirkung daran zu vereinfachen.

Bestehende Lösungen nicht ausreichend

Bereits existierende Alternativen auf dem Markt gehen laut den Machern oft Kompromisse bei Kompatibilität und Benutzerfreundlichkeit ein, bergen rechtliche Risiken bezüglich Lizenzierung und Markenrechten oder werden ohne transparente und offene Entscheidungsstrukturen entwickelt. Ihnen fehlt eine unabhängige, nachhaltige Community von Mitwirkenden, was für Organisationen, die sensible oder öffentliche Daten verarbeiten, ein strukturelles Risiko darstellt.

Angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres braucht Europa dringend eine zuverlässige, vollständig Microsoft-kompatible und einfach zu bedienende, souveräne Office-Lösung. Unsere Initiative bietet eine Suite mit einer vertrauten Oberfläche, die alle Funktionen zur Arbeit mit Texten, Präsentationen und Tabellen umfasst.

Achim Weiß, CEO von IONOS

Einarbeitung und Migrationsaufwand minimiert

Euro-Office will diese Lücke schließen. Die Software ermöglicht eine nahtlose Verarbeitung gängiger Dokument-, Tabellen- und Präsentationsformate und bietet eine Benutzeroberfläche, die die Einarbeitung und den Migrationsaufwand minimiert. Die Codebasis wird unter Open-Source-Lizenzen veröffentlicht und ist frei von Markenrechtsbeschränkungen. Die Entwicklung erfolgt in einem transparenten Prozess, der öffentliche Kontrolle und Beteiligung ermöglicht. Das Ergebnis ist eine Office-Suite, die auf Funktionalität und strategische Resilienz ausgelegt ist.

Technische Vorschau auf GitHub

Eine öffentliche technische Vorschau von Euro-Office ist auf GitHub verfügbar. Sie ermöglicht Organisationen und Einzelpersonen, die Kernfunktionalität zu bewerten, die Kompatibilität zu testen und Feedback einzureichen, noch bevor im Sommer die erste stabile Version erscheint.

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14 Kommentare

  1. Stellt euch vor, ihr sitzt in einem düsteren, kahlen Raum, nur erleuchtet von dem kalten Glühen eures Computermonitors. Plötzlich erscheint eine Nachricht auf dem Bildschirm: „Euro Office ist hier.“ Ein Schauder läuft euch über den Rücken, als ihr begreift, dass eine neue, „souveräne“ Office Lösung das Licht der Welt erblickt hat. Aber was will diese Kreatur der Nacht wirklich?

    Die Allianz der europäischen Unternehmen und Organisationen, die dieses Monster geboren haben, behauptet, sie wolle digitale Souveränität, Transparenz und Unabhängigkeit. Doch in Wirklichkeit ist Euro Office nichts weiter als ein Alptraum, der auf den Überresten von ONLYOFFICE lebt, weil die bestehenden Strukturen angeblich nicht rein genug waren. Ein neuer Fork, fragt ihr euch? Warum? Weil sie sich für die Königinnen der Software halten und glauben, dass alles, was vorher war, ungenügend ist.

    Die Argumente für diese Schöpfung sind so schwach, dass sie schon fast lächerlich sind. Sie jammern über Defizite bei Kompatibilität und Benutzerfreundlichkeit, während LibreOffice seit Jahren eine mächtige, ausgereifte Office Suite ist. Doch Euro Office will uns glauben machen, dass alles, was vor ihm kam, nur ein schlechter Traum war.

    Der größte Widerspruch an der ganzen Sache ist, dass es bereits seit Jahrzehnten tragfähige Grundlagen für digitale Souveränität gibt. LibreOffice und das freie Software Umfeld verkörpern genau jene Prinzipien, auf die sich Euro Office berufen will. Linux steht seit Jahren für Offenheit, Nachvollziehbarkeit und gemeinschaftliche Entwicklung. Aber nein, sie mussten ein neues Ungetüm schaffen, um sich wichtig zu fühlen.

    Und jetzt kommt der wirklich schreckliche Teil: Solange Euro Office keinen klaren technischen Mehrwert nachweist, ist es nichts weiter als eine weitere Parallelentwicklung, ein Monster mit politischer Aufladung. Ein neues Etikett, ein neuer Name – das erschafft noch lange keine technische Innovation. Es ist, als ob sie versuchen, ein schlechtes Kopie von einem Betriebssystem zu erschaffen. Lass mich raten, was kommt als nächstes? Der Euro-Kernel? Oder vielleicht eine schlechte Kopie eines Betriebssystems, die dann EuroWindows heißt?

    Die öffentliche technische Vorschau auf GitHub ändert nichts an der Furcht einflößenden Realität. Offene Vorabprüfung ist sinnvoll, aber hier wird etwas als große strategische Antwort präsentiert, obwohl die wesentlichen Werkzeuge längst existieren. Sie schaffen ein neues Monster, obwohl die zugrunde liegenden Probleme bereits von vorhandener Software abgedeckt werden.

    Der zentrale Punkt ist einfach: Euro Office muss belegen, dass es besser ist als LibreOffice, Nextcloud-basierte Lösungen oder andere etablierte freie Werkzeuge. Solange dieser Nachweis fehlt, bleibt Euro Office eine Horrorvision, ein weiteres Ungetüm, das bereits vorhandene Lösungen politisch neu rahmen will, statt sie konsequent auszubauen.

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      1. Es tut mir leid, AdminX, dass mein Kommentar so ausführlich geworden ist. Für mich ist Euro Office keine Alternative, es sei denn, sie liefern etwas, das sie total von den bestehenden Alternativen abhebt. Solange das nicht der Fall ist, finde ich es überflüssig, Euro Office überhaupt zu erwähnen, denn für mich ist das einfach nur der Horror. Wir sollten auch nicht so tun, als würde der Anspruch, den Euro Office erfüllt, nicht schon längst von anderen Lösungen erfüllt. Diese Prinzipien der digitalen Souveränität, Transparenz und Unabhängigkeit, die Euro Office beansprucht, gibt es schon längst. Daher ist der gesamte Aufwand für ein neues Projekt wie Euro Office für mich nicht nachvollziehbar und eher ein Zeichen dafür, dass hier etwas konstruiert wird, das die Realität nicht widerspiegelt.

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  2. Verstehe nicht, wieso man ein russisches Projekt kapert und davon einen Fork anfertigt. Wäre LibreOffice nicht eine bessere Ausgangsbasis mit vormals deutschen Wurzeln?
    So sehr ich es hoffe, aber eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu MS-Office bzw. M365 wird es wohl nicht werden. Solange man am defacto-Standard festhält. Und ich kenne paar Unternehmen in meiner Region, die allesamt auf MS setzen. Da bringt es nix, noch einen Konkurrenten zu LibreOffice, Nextcloud usw… in den Ring zu werfen.
    Ich schätze, man gräbt nämlich nicht Microsoft das Wasser ab, sondern LibreOffice, OpenOffice und evtl. auch Nextcloud, Owncloud usw…
    Ich nutze an meinem iMac, auf meinem Linux-Mint-Notebook und auf dem Windows-PC im Büro sehr gerne LibreOffice. Davor OpenOffice schon seit Version 0.x, als es von StarOffice abgespalten wurde. Zwischenzeitlich hatte ich am iMac NeoOffice im Einsatz, aber als OpenOffice nativ wurde, bin ich umgeschwenkt. Und als LibreOffice kam, ebenso.

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    1. Warum sollte man es nicht forken, das ist doch das gute an Opensource. Wenn einem die Richtung nicht passt, die Software gerne anpassen möchte und man die Kompetenz sowie Entwickler hat …
      Und dann können ggf. auch die Projekte sich gegenseitig befruchten, also Libreoffice, Onlyoffice und ggf. andere. Vielleicht tut sich ja auch bei Openoffice irgendwann wieder was ;-).
      Ich hab früher auch ne zeitlang StarOffice benutzt, gab ja nicht so viele Alternativen unter Linux, wenn man mal vom rudimentäreren Abiword oder Gnumeric absieht und nicht gerade mit LaTeX gearbeitet hat. Und MS-Office mit wine/crossover war immer nur ne Krücke. Gut, dass es heute mehr Alternativen gibt :-).

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  3. So richtig verstehen tue ich das ja nicht.
    Da gibt es mittlerweile das ein oder andere Projekt …auch für Behörden.
    Ganze Desktop Lösungen inkl. OS.
    Jetzt das nächste Projekt …?
    Warum nicht an einem Strang ziehen oder wofür (ich habe den Text gelesen und verstanden!) eine weitere Lösung?

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    1. Das soll kein StandAlone-Office werden, sondern eine Komponente, die in andere Produkte integriert wird. OnlyOffice-Integrationen in z.B. Nextcloud oder Moddle gibt es auch schon lange.

      Dass man OnlyOffice jetzt forkt anstatt es einfach weiter zu nutzen, wird so begründet:

      – Contributing is impossible or greatly discouraged. ONLYOFFICE typically does not review or accept pull requests. Build instructions are unreliable, outdated or just plain broken.

      – The company regularly makes controversial decisions like closing off features in the mobile apps like mobile editing, and the removal of an administrator panel.

      – Lacking transparency. Commit messages, when visible, often just refer to an issue number in an internal issue tracker. There are quite a number of binary blobs and compiled or obfuscated code blobs. Most internal code comments are Russian which makes is hard to work with.

      – The mobile apps are not really open source but just wrappers. Example. The apps have extensive proprietary sections which will need to be re-implemented. Work on this is underway.

      – ONLYOFFICE is a Russian company (despite many attempts to hide this), and nearly all developers reside in Russia. Open Source is a global effort, but current political situation makes collaboration hard and trust difficult to earn. Especially when development is not transparent and open. A lot of users and customers require software that is not potentially influenced or controlled by the Russian government.

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        1. Offener Standard? ODF ist ein offener Standard und sogar ISO zertifiziert. Wieso sollte man mit einem anderen Standard arbeiten?
          Übrigens war Microsoft auch im Gremium, welches den ODF-Standard etabliert hat. Kurz nachdem ODF fertig standardisiert war, meinte Microsoft, sei nicht kompatibel genug und sie haben ihren “eigenen Standard” entwickelt.
          Wenn schon, dann ODF.

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