Frankreich macht Ernst mit Linux

Seit das politische Klima zwischen den USA und der EU zum Jahresbeginn merklich abkühlte, stellten sich die Franzosen öffentlich die Frage: »Wäre es möglich, dass die USA den Zugang zu den Diensten amerikanischer Tech-Konzerne vollständig unterbrechen?« Oder könnte umgekehrt die EU mit einem Ausschluss amerikanischer Anbieter aus ihrem Binnenmarkt drohen?

In Frankreich überwacht die Interministerielle Direktion für digitale Angelegenheiten (DINUM) die IT-Ausrüstung und die Bereitstellung von Diensten in den verschiedenen Regierungsabteilungen. Der französische Premier Sébastien Lecornu beauftragte kürzlich DINUM, »die digitale Abhängigkeit des Staates von außereuropäischen Anbietern zu verringern«.

Umsetzungspläne bis zum Herbst gefordert

Vor zwei Tagen veröffentlichte DINUM Informationen zum derzeitigen Stand von Planung und Umsetzung der Digitalstrategie. Im Rahmen des bereits laufenden Umstellungsprojekts »Poste de travail« (Workstation) wird die Ablösung von Windows durch Linux und einen europäischen Desktop‑Stack verkündet. Dazu wurde ein interministerieller Plan beschlossen, für den jedes Ministerium bis Herbst 2026 einen Umsetzungsplan vorlegen soll, der die Bereiche Workstations, Kollaborationswerkzeuge, Antivirensoftware, künstliche Intelligenz, Datenbanken, Virtualisierung und Netzwerk umfasst.

Teillösungen

Weitere souveräne Lösungen kündigte der Nationale Krankenversicherungsfonds vor wenigen Tagen in Form von Tools der interministeriellen digitalen Plattform wie Tchap (Messenger), Visio (Videokonferenzen) und FranceTransfert (sichere Dateiübertragung) an. Im vergangenen Monat kündigte die Regierung die Umstellung der Gesundheitsdatenplattform auf eine vertrauenswürdige Lösung bis Ende 2026 an. Bereits 2024 hatten Deutschland und Frankreich eine Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Stärkung der digitalen Souveränität der öffentlichen Verwaltung beschlossen.

Pilotprojekt läuft

DINUM ist derzeit dabei, die eigenen Arbeitsplätze im Rahmen eines Pilotprojekts auf ein Linux‑basiertes System umzustellen. Die interministerielle Digitaldirektion orientiert sich dabei an der Arbeit der französischen Gendarmerie, die bereits seit 2008 erfolgreich mit dem Ubuntu-Derivat Gendbuntu arbeitet. Als weitere Distribution ist auch EU-OS im Gespräch, eine Fedora-basierte Distribution mit KDE Plasma-Desktop.

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22 Kommentare

  1. Warum wird nicht Linux Mint verwendet, es hat französische Wurzeln. Aber klar am besten was von Fedora nehmen und dann diesen Käse auf GitHub zum Hosten stellen…. Lauter Vollprofis am Werk in den EU Staaten deren “Souveränität” und “unsere Demokraie” also ihre Demokratie sind so Sachen da glaub ich nicht dran, diese ganzen voll Katastrophen. Einfach nur peinlich.

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  2. Ich bin an sich nicht unbedingt ein Fan der galoppierenden “Ent-Globalisierung”, aber vielleicht ist das trotzdem ein wichtiger Schritt. Lernen wir also wieder, mit Oktetten (octet = Byte) und Klavieren (clavier = Tastatur) umzugehen … 😉

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  3. Gibt es überhaupt noch einen Distributeur mit Sitz in der EU? Fedora unterliegt beispielsweise einem US-amerikanischen Sanktionsregime. Canonical hat seinen Sitz im Vereinigten Königreich. SUSE hat unklare Anteilseigner im Hintergrund und steht aktuell zum Verkauf. Ich weiß, Linux ist OpenSource, aber sobald es um hochwertigen Support und technische Anfragen geht, braucht es einen professionellen lokalen Ansprechpartner. Vielleicht sollte jemand in der EU die aktuelle Chance nutzen und SUSE kaufen und es dann zu einem professionellen Desktop-OS erweitern. Und das oben genannte “EU-OS” ist ja meiner Meinung nach ein Witz, da es nicht mal die Lokalisierung von Sprachen ordentlich unterstützt; und genau Lokalisierung ist ja eine identätsstiftende Säule der EU.

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    1. Ein Klick weiter, hättest du lesen können, wie EU-OS Dinge wie Lokalisierung organisiert:
      “Layers define a clear and transparent hierarchy of responsability for software and configuration. Each layer to EU OS would only contain the very specifics for their use cases and users. Using common layers allows then to pool responsability at the appropriate level, so that teams close to the end users can keep the focus on their specific environment.”

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  4. Schade ist, dass wir in der EU eigentlich gute Ansätze haben, SAP, Hetzner etc.. Es ist aber wie immer der Leidensdruck muss erst mal soweit steigen, bis der Schmerz so groß ist, dass er genügend Energie erzeugt um Bewegung zu erzeugen. Das Problem ist nur, dass damit wertvolle und notwendige Zeit mit festhalten und zementieren der Abhängigkeiten vertan wird. Und die sog. Politik der “klaren Kante” hilft vielleicht bei der Elternpflegschaft im Kindergarten aber nicht auf nationaler und internationaler politischer Ebene. Da hilft meiner Meinung nur kluges und strategischkluges Taktieren und geschickte Diplomatie. Die dafür notwendigen Fähigkeiten finden wir auf Bundes- und EU-Ebene leider nicht so häufig was zu halb garen unvollständig designten Softwarearchitekturen und nicht vollständig durchdachte und ausgeführte Implementierungen führt. Traurig, ich hoffe die Franzosen schaffen es und drücke ganz fest die Daumen. Bei uns wird wahrscheinlich eine schöne App herauskommen die nach digitaler Souveränität aussieht.

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  5. Die sog. Fachanwendungen werden immer als Killerkriterium genannt. Notwendig wäre zunächst mal anzuerkennen, daß die jeweiligen Stellen die Ausschreibung dieser individuellen Entwicklungen verkackt haben, weil sie die Portabilität nicht vorgeschrieben haben. Mit entsprechenden Tools ist es ziemlich einfach Anwendungen portabel zu erstellen, die sowohl auf Windows als auch auf GNU/Linux laufen. Die Unbedarften haben sich von den Anbietern den üblichen Microsoft Quark andrehen lassen, der schwerlich portiert werden kann und aus Qualitätsgründen besser als greenfield neu entwicklet wird.
    Eine fertige Distro wie Fedora zu verwenden, halte ich für problematisch, denn es erzeugt neue Abhängigkeiten. Besser seine eigene Distro bauen, die vielen Debian Derivate machen es vor.

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      1. Ausgerechnet Fedora, also der Community-Ableger des US-Unternehmens Red Hat? Jau, so wird die Unabhängigkeit von den USA gelingen!

        Im Ernst, wenn man nicht mal in der Lage ist, eine echte unabhängige Basis zu finden, wird das nichts. Dabei macht es ausgerechnet China mit Deepin vor, wie man es richtig macht.

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  6. Schön, aber das wird wieder nix werden. Da sind immer die “Gscheiterl”, die rum werkeln und es einfach nicht auf die Reihe kriegen, eine der zahlreichen bereits bewährten Distributionen zu nehmen. Nein, dass muss was eigenes sein und anstelle mit den zahlreichen Tools (Perl, Rust, etc.) ordentliche Fachanwendungen aufzustellen, muss das Rad neu erfunden werden.

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    1. Das sind doch aber nicht wirklich eigene Distributionen. Das EU-OS-Konzept ist letztendlich nur ein vorkonfiguriertes Fedora, also nichts eigenes. Und dass man auf dieser Ebene vorkonfigurierte Images nutzt und eigene Repos/Mirror betreibt, halte ich für selbstverständlich.

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      1. Genau, ziemlicher Quark. Bei den Millitärbullen läuft das auch schon seit 2008. Frankreich bekommt sowas hin. Wir hier mit unserer kopflastigen Kleinstaaterei verkacken sowas. Wenn die Schleswig-Holstein Lösung mal zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat und von anderen Ländern übernommen wurde, dann werde ich meine Meinung vielleicht ändern 😎

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    2. Was heißt denn das Rad neu erfinden? So unterschiedlich sind die Distris ja auch nicht. Hier stellen sie sich einfach zusammen was sie brauchen. Ein Grundsystem mit Installer und Desktop. Debian-, Redhat- oder Archbasierend. Noch ein Logo dazu fertig. Wichtig ist, dass sie die Gemeinschaft unterstützen und nicht nur nehmen.

      Ich denke das wichtigste sind die Anwendungen. Wie du schon schreibst. Ich finde da tun sich bisher alle schwer. Dieses EU-Office haben sie ja nun ich sage mal auch nicht neu erfunden. Dennoch ist es wichtig für sie die Kontrolle also einen eigenen Stack zu haben. Das verstehe ich schon.

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    3. Wenn man es ernst meint und wirklich unabhängig sein möchte, dann darf man niemals amerikanische oder andere Distros verwenden. Also nix Ubuntu (die schon gar nicht) und auch nix Fedora. Das muss eine europäische Distro sein. Und auch das ganz was sie umsetzen wollen sollte auf europäischer Ebene geschehen. Damit man Geld spart und kompatibel ist.
      Und daran sollten nicht “Schauspieler” arbeiten die sich profilieren wollen, aber nicht zu Potte kommen, sondern wirkliche Fachleute, denen es ganz alleine um die Sache geht.
      Entweder eine eigene Diostro dafür erstellen oder eine europäische nehmen. Glaub Mageia ist eine europäische. Glaub sogar französisch.

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        1. Großbritannien gehört immer noch zu den “Five Eyes (FZ)”, wie auch USA, Kanada, Australien und Neuseeland. FZ ist einer der weltweit bedeutendsten Spionage-Netzwerke. Somit doch irgendwie USA ¯\_(ツ)_/¯
          Europäische Distributuionen gibt es genug: Neben den gennaten Mageia (ach, wie schön war damals Mandriva), S.U.S.E (ja, ich schreib’s immer noch mit Punkten 😉 ), Linux Mint, Zorin OS, Endeavour OS… EU OS wohl noch nicht fertig?

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          1. Ich finde Fedora Kinoite ideal als Einstiegsbasis für dieses Vorhaben. Da man Updates über die eigenen Repositorien verteilt, kann man jederzeit Anteile seinen Wünschen entsprechend anpassen.

            Der Plasma Desktop ist für den ehemaligen Windows-User einfach zu bedienen. Der immutable Aufbau mit atomaren Updates sorgt dafür, das der Rechner immer startet und mittels flatpak lassen sich Anwendungs-Versionen mit dem jeweiligen Schulungsstand von Mitarbeitern synchronisieren.

            Man könnte das ganze System auch von Grund auf neu stricken, aber wozu sollte man mit diesem Schritt beginnen?

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            1. Da fängt dann das Linux-“Dilemma” an, das vielfach kritisiert wird. Ich finde z.B., dass Plasma/KDE zwar funktioniert, aber da passieren zu schnell Änderungen, die für die Mitarbeiter in Behörden dann ggf. Schulungsbedarf bedeuten. Und das passiert halt genausowenig, wie deutsche Lehrer in Sachen IT geschult werden.
              Ich würde auf XFCE4 setzen, das bleibt vermutlich noch die nächsten 100 Jahre stabil im Aussehen und Verhalten und reicht völlig aus, um die paar Anwendungen zu starten, die so gebraucht werden.

              Nur mal als Denkanstoss. Immutable sehe ich in dem Zusammenhang sogar irgendwie als sinnvoll an, wenn die dahinterstehende IT damit umgehen kann.

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              1. Wenn ich das richtig interpretiere, dann ist EU-OS im Grunde ein Verteilsystem. Aufbauend auf einem imutablen Kern-OS werden jeh nach Anforderung unterschiedliche Zusammenstellungen ausgeliefert. Das könnte theoretisch auch die Auswahl des Desktops mit einbeziehen.

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                1. Bisher geplant ist Plasma als Standard mit GNOME als Alternative. Ein Layer-Modell sieht eine EU‑weite Basisschicht plus nationale/regionale und organisations‑ bzw. sektorspezifische Schichten vor, sodass Kernfunktionen gleich bleiben, aber lokale Anpassungen möglich sind.

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                  1. Ok, ich glaub die Desktop-Auswahl ist das kleinste Problem bei einem Projekt mit einer Vision für die Verwaltung in einem ganzen Land, da fallen definitiv grössere Baustellen an. Und wenn es genug Softpower gibt, diese zu lösen, dann sollte das Desktop-Problem auch gelöst werden können, falls es denn überhaupt eins gibt.

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