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Klassik bringt den KDE-3-Desktop auf der Basis von Plasma 6 zurück

Wer KDE schon zu Zeiten von KDE 3 genutzt hat, dürfte sich beim Anblick von Klassik unmittelbar zu Hause fühlen. Das noch junge Projekt will die Desktop-Erfahrung von KDE 3 möglichst originalgetreu unter KDE Plasma 6 nachbilden. Anders als beim seit vielen Jahren gepflegten Trinity Desktop Environment steckt dahinter jedoch keine Weiterentwicklung des historischen KDE-3-Codes. Klassik setzt vollständig auf moderne KDE- und Qt-Technik.

KDE 3 auf neuer Technik

Der Entwickler beschreibt Klassik als moderne Rekonstruktion des klassischen KDE-3-Desktops, der erstmals am 3. April 2002 veröffentlicht wurde. Grundlage sind Qt 6, Qt Quick, KDE Frameworks 6 und Plasma 6. Damit unterstützt Klassik von vornherein auch Wayland und Fractional Scaling für HiDPI-Displays .

Mehr als ein Theme

Dabei handelt es sich nicht lediglich um ein Global Theme, das Plasma mit alten Symbolen, Farben und Hintergrundbildern versieht. Mehrere zentrale Bestandteile des Desktops wurden speziell für Klassik neu implementiert. Dazu zählen derzeit das klassische K-Menü, ein Quicklaunch-Applet, die Fensterleiste, Schaltflächen zum Sperren und Abmelden sowie analoge und digitale Uhren. Hinzu kommt eine eigene Panel-Komponente im Stil von KDE 3.

Der aus KDE 2 und KDE 3 bekannte Anwendungsstil wurde für Qt 6 neu implementiert. Klassik bringt darüber hinaus KDE-3-Farbschemata und Hintergrundbilder mit. Erste alte KWin-Fensterdekorationen werden auf die aktuelle KDecoration3-Schnittstelle portiert.

Trinity geht den umgekehrten Weg

Damit unterscheidet sich Klassik grundlegend vom Trinity Desktop Environment. Trinity entstand 2008 als Fork von KDE 3.5.10 und führt dessen Codebasis bis heute als eigenständige Desktop-Umgebung weiter. Ziel des Projekts ist ausdrücklich der Erhalt einer traditionellen, effizienten Desktop-Oberfläche.

Statt KDE 3 auf aktuelle KDE-Technik zu übertragen, hält Trinity daher wesentliche Bestandteile der alten Architektur am Leben. Dazu gehört insbesondere TQt, ein Fork von Qt 3.3.8. Der ursprüngliche KDE-Code wurde im Laufe der Jahre allerdings umfangreich angepasst: Trinity funktioniert beispielsweise ohne das längst obsolete HAL, unterstützt moderne Linux-Distributionen und besitzt unter anderem einen eigenen Compositor sowie eine D-Bus-Integration.

Auch funktional ist Trinity wesentlich mehr als ein Theme. Zur Umgebung gehören ein vollständiges Panel, Kontrollzentrum, Dateimanager, Texteditoren, Bildbetrachter und zahlreiche weitere Anwendungen aus der KDE-3-Ära. Selbst Programme wie der klassische Amarok werden innerhalb des Projekts weiter gepflegt.

Trinity ist auch heute noch unter ständiger Entwicklung. Mit R14.1.6 erschien am 26. April 2026 eine aktuelle Version, die neben Fehlerkorrekturen unter anderem Verbesserungen an Konqueror, Kicker, Twin und mehreren Bibliotheken enthält. Das Projekt unterstützt weiterhin verschiedene Linux-Distributionen sowie BSD-Systeme und bietet vergleichsweise niedrige Hardware-Anforderungen, während der Ressourcenverbrauch von Klassik dem einer unveränderten Plasma-6-Sitzung auf derselben Hardware entspricht.

Zweierlei Nostalgie

Klassik und Trinity verfolgen damit trotz des gemeinsamen Vorbilds unterschiedliche Ziele. Trinity bewahrt nicht nur das Erscheinungsbild von KDE 3, sondern große Teile der damaligen Desktop-Architektur und des dazugehörigen Anwendungsbestands. Klassik übernimmt dagegen in erster Linie Bedienkonzept und Erscheinungsbild und setzt diese auf Plasma 6, Qt 6 und KDE Frameworks 6 neu um.

Das hat einen entscheidenden Vorteil: Anwender müssen sich nicht zwischen einem aktuellen Plasma-Desktop und der klassischen KDE-Oberfläche entscheiden. Klassik läuft als Erweiterung innerhalb von Plasma 6 und kann damit dessen aktuelle Infrastruktur einschließlich Wayland verwenden. Trinity ist dagegen eine eigenständige Desktop-Umgebung.

Am Anfang der Entwicklung

Noch befindet sich Klassik allerdings am Anfang seiner Entwicklung. Auf GitHub gibt es bislang keine veröffentlichten Releases oder fertigen Pakete. Wer das Projekt ausprobieren möchte, muss den Quellcode aus dem Repository beziehen und selbst mit CMake übersetzen. Anschließend lässt sich Klassik in den Plasma-Systemeinstellungen als globales Design aktivieren. Der Entwickler weist zudem ausdrücklich darauf hin, den master-Branch zu verwenden; der develop-Zweig enthält unfertige Funktionen.

Ob daraus langfristig eine annähernd vollständige KDE-3-Erfahrung unter Plasma entsteht, hängt davon ab, wie weit der Entwickler die noch fehlenden Applets, Dekorationen und übrigen Bestandteile portiert. Der technische Unterbau steht jedenfalls nicht im Weg.

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