
Chromebooks sind auch hierzulande nicht nur in Schulen, Behörden und Unternehmen beliebt, sondern stehen auch in vielen Privathaushalten als erschwingliche Alternative zu den teureren Notebooks abseits der ARM-Plattform. Bereits seit Mitte letzten Jahres können viele Chromebooks neben Chrome OS und Android-Apps mit ein wenig Aufwand auch Linux-Anwendungen und Distributionen ausführen.
Linux für alle
Eher am Rande hat Google vor einigen Tagen auf seiner Entwicklerkonferenz I/O verlauten lassen, dass alle Chromebooks, die ab 2019 den Markt betreten, standardmäßig bereit für Linux sind, egal ob sie einen Prozessor von ARM oder Intel beherbergen.
Nicht weiter erstaunlich, wenn man weiß, dass Chrome OS anfänglich auf der Basis von Ubuntu und Gentoo entwickelt wurde. Aber bis letztes Jahr war es nicht möglich, ohne erheblichen Aufwand Linux-Anwendungen lauffähig zu bekommen. Dazu bedurfte es des Projekts Crostini, dass auch die Interaktion zwischen Linux und Chrome OS erlaubte.
Einfacher denn je
Jetzt werden die Dinge nochmals einfacher, denn auf neuen Geräten muss der Anwender lediglich den App-Switcher öffnen und Terminal eintippen. Das öffnet eine virtuelle Maschine namens Termina, die einen Container mit Debian 9.x »Stretch« startet. Auch andere Systeme und Apps lassen sich per Termina installieren.
Welten verschmelzen
In der neuesten, noch nicht veröffentlichten Version des Chrome OS Dateimanagers können Dateien zwischen Chrome OS, Google Drive, Linux und Android verschoben werden. Die Betriebssystemwelten verschmelzen, demnächst wird die Android-Entwicklungsumgebung Android Studio auch auf Chrome OS laufen – in einem Linux-Container.
Bevor ihr jetzt zu übermütig werdet, muss gesagt werden, dass all dies noch Beta-Status hat. Es funktionieren noch nicht alle Anwendungen und auch an Hardwarebeschleunigung, Grafikunterstützung und Sound wird noch geschraubt.
Chromebooks aufgewertet
Das Konzept erlaubt Entwicklern, ähnlich wie mit Microsofts WSL, für mehrere Plattformen auf einer Maschine zu entwickeln. Dabei hilft, dass jetzt Port-Forwarding verwendet werden kann, um Netzwerkdienste zwischen Linux und Chrome OS zu verbinden. Aber auch für zu Hause wertet die bessere Linux-Unterstützung ein Chromebook auf. Laut diesem Video ist es sogar möglich, Chrome OS zu entfernen und Linux als alleiniges System zu installieren.
Auch für normale Anwender
Ausgebuffte Linux-Cracks installieren Linux auch auf einer Klorolle, wenn es sein muss. Mit den neuen Chromebooks erhalten aber auch weniger technikaffine Chromebook-Käufer einen guten Mehrwert in Form von quasi vorinstalliertem Linux. Für Linux und seine Verbreitung kann das nur von Vorteil sein.

Ich finde die Entwicklung sehr gut und überleg mir ggf. ein Chromebook der neuen Generation anzuschaffen. Hauptgrund wäre für mich die in Chrome OS eingebaute Verwendung von Android Apps. Dadurch gibt es viele Möglichkeiten moderne, mit Touchscreen und Stylus ausgestattete Geräte überhaupt erst anständig zu nutzen. Leider ist in diesem Bereich bei Linux in den letzten Jahren noch so gut wie gar nichts geschehen.
Es hat schon Vorteile Strukturen zu nutzen, die man auch selbst in der Hand hat. Dagegen steht aber der enorme Aufwand den man treiben muss bis man auch nur annähernd den gleichen Nutzen hat. Purism hat hier eine sehr interessante Variante gestartet, Es nennt sich Librem One und vereinigt etliche Dienste mit nur einer Anmeldung. Ein -encrypted cloud storage- ist auch schon geplant.
https://librem.one/#mce_1
@Juerg
Aus Deiner und Ferdinands Sicht sicherlich ok.
Mir ist es egal ob man mich altmodisch schimpft. Ich brauch nur eine 220V/50Hz Wechselstomquelle (Steckdose) und kann meine paar Daten autark bearbeiten. Und genau das ist mir wichtig. Ich will nicht von irgendwelchen Netzen, Fremdservern abhängig sein! Der ganze Wahn fing m.E. mit der Spieleindustrie an. Aktuell: Zwangsanbindung an Publisher, siehe z.B. Anno 1800.
Anno 1800: Am Veröffentlichungstag wird der Verkauf auf Steam eingestellt
Wechselt in den Epic Games Store.
https://www.eurogamer.de/articles/2019-04-01-anno-1800-am-veroeffentlichungstag-wird-der-verkauf-auf-steam-eingestellt
Nee, darauf verzichte ich.
Die Datenzombis von heute hängen doch nur noch im Netz (zwangsweise) rum, weils nicht mehr anders geht. Irre!! Internet als Infoquelle, JA !
Aber nicht als Zwangsmassnahme um z.B. die Kiste überhaupt starten zu können oder normale DV zu machen.
@Uwe Ist das nicht ein wenig eine altertümliche Denkweise ? Wir haben schliesslich 2019 und nicht mehr 1992 wo man wirklich noch alles lokal hatte. Technik entwickelt sich (zum Glück) weiter. Ich habe die Cloud seit guten 10 Jahren in meinen festen Workflow eingebaut und ich möchte die Cloud nicht mehr missen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Aber hast Recht, dieses Internet wird sich sicher nicht durchsetzen 🙂
Ich denke man muss Google und andere Anbieter sowie den generellen Begriff »Cloud« auseinanderhalten. Denn Nextcloud macht ja beispielweise in etwa das Gleiche (und mehr) wie Google Drive, beide sollten aber keinesfalls in einen Topf, pardon, in eine Cloud geworfen werden. Während Nextcloud meist auf gemieteten Servern oder beim Hoster des Vertrauens läuft, gibt man bei Drive seine Daten aus der Hand und auf Googles Server. Hier kann man sich nur durch Verschlüsselung der Unversehrtheit seiner Daten versicherrn.
…Daten und Einstellungen werden in der Regel nicht lokal, sondern in der Google-Cloud gespeichert und online zur Verfügung gestellt. …
…Mit der Anmeldung über ein persönliches Google-Konto auf einem anderen Gerät werden alle Daten und Einstellungen synchronisiert. Um ihren vollen Funktionsumfang auszuschöpfen, sind Chromebooks auf die Anbindung an die Google-Server über einen Internetzugang angewiesen. Weiteres wesentliches Merkmal von Chromebooks ist das schnelle Hochfahren, da Chrome OS im weitesten Sinn nur ein Browser ist. ….
https://de.wikipedia.org/wiki/Chromebook
Und genau das ist für mich ein absolutes NOGO bei solchen Dingern. Dieser Cloud-Mist und Zwangsinternet wird immer mehr in die digitale Welt gedrückt!