Anwender, die unter Linux auf die Unterstützung für Microsofts Dateisystem NTFS angewiesen sind, kennen die Probleme, die dabei über die letzten 20 Jahre zu überwinden waren. Bereits seit 1995 existierte ein Treiber, heute stehen mehrere Treiber zur Verfügung, die NTFS unterstützen.
Drei Treiber zur Auswahl
Wenn es nur um lesende Unterstützung geht, kann der kaum noch gepflegte Kerneltreiber NTFS der Firma Tuxera eingesetzt werden, der mit dem Kernel ausgeliefert wird. Der freie Treiber NTFS-3G erreichte 2007 die stabile Version 1.0, basiert auf [wiki title=”https://de.wikipedia.org/wiki/Filesystem_in_Userspace”]FUSE[/wiki], ist langsam und bietet unter bestimmten Bedingungen auch nur lesenden Zugriff.
Der Dritte im Bunde ist der bisher proprietäre Treiber Microsoft NTFS for Linux des deutschen Softwareunternehmens Paragon Software, der als externes Kernelmodul (out of tree) ausgeliefert wird. Für 40 USD pro Rechner erhält der Käufer vollständigen Schreib- und Lesezugriff auf NTFS-Partitionen in Version NTFSv3.1 in angemessener Geschwindigkeit.
Lizenzänderung zu GPL
So how exactly do you expect someone to review this monstrosity ?
Nikolay Borisov
Im August 2020 schlug Paragon Software das aus dem Code von Microsoft NTFS for Linux entwickelte NTFS3 als Ersatz für den alten NTFS-Treiber im Mainline-Kernel vor. Ein erster Patch wurde von der Kernel-Gemeinde unter anderem deshalb kritisiert, weil Paragon den gesamten Treiber als einzelnen Patch mit 27.000 Zeilen eingereicht hatte. Ein Review eines solchen Code-Brockens ist viel zu aufwendig.
Gut genug für Linux 5.11?
Im zweiten Patch war der Brocken zumindest in 10 einzelne Patches unterteilt, nun ging es an die Kritik des Codes selbst. Seit letzter Woche liegt als Ergebnis der Kritik die elfte Patch-Serie vor und der Code ist in einem Zustand, der eine Integration in Kernel 5.11 im Frühjahr 2021 als denkbar erscheinen lässt. Paragon will zusätzlich als Zubehör auch mkfs.NTFS und eventuell weitere Werkzeuge freigeben.
NTFS verliert an Bedeutung
Auch wenn die Bedeutung von NTFS in den letzten Jahren abgenommen hat, wäre der unter der GPL stehende NTFS3-Treiber von Paragon eine Erleichterung für Anwender, die bisher NTFS-3G verwenden, vor allem, da Paragon zusagt, den Treiber auch im Kernel weiter zu pflegen. Die nachlassende Bedeutung von NTFS und damit nicht mehr relevante Einnahmen sind vermutlich auch der Grund für die Freigabe des Treibers. Auf seiner Webseite beantwortet Paragon Fragen zur Änderung der Lizenz und Aufnahme in den Kernel.

Hat das am End irgend etwas damit zu tun, dass Microsoft den linuxkernel in Windows integriert?
Gehört Paragon etwa zu Microsoft?
Wieso sollte Microsoft hier nicht einen Spezialisten beauftragen?
Warum muss denn NTFS-3G unbedingt in den Kernel und kann nicht im userland verbleiben?
Nach der Aufnahme in den Kernel wird doch sicherlich (hoffentlich) niemand auf die abwegige Idee kommen wollen, NTFS zur nativen Installation auf einem Linuxsystem zu verwenden.
Du musst NTFS3 (von Paragon) und NTFS-3G unterscheiden. NTFS-3G verbleibt im Userspace und ist damit halt recht langsam.
Danke für deine Antwort.
Aber die zentrale Frage, warum es ein NTFS Kernelmodul braucht, stellt sich mir immer noch.
NTFS-3G ist lahm. Braucht es noch mehr Gründe?
Wie wäre es einmal mit echten Argumenten?
Geschwindigkeitsunterschied (vermutlich um Größenordnung) ist kein Argument für Dich?
Darum geht es nicht, sondern um die Unterwanderung der Linux Foundation von Microsoft & Partnern, deren Marktmacht damit weiter ausgebaut wird.
Was hat denn NTFS konkret mit Linux zu tun und weswegen sollte dieses Filessystem im Kernel landen?
Und wenn es dir wirklich um (mehr) Geschwindigkeit gehen sollte, da gibt es in Linuxkernel noch genügend Optimierungspotenzial, an denen gearbeitet werden könnte, beispielsweise Sheduling, diversen Subsystemen, oder im Speichermanagement.
Versteht mich nicht falsch, die Kernalhacker leisten eine großartige Arbeit!
Ein erster – aus meiner Sicht, guter – Schritt ist es, die Schnittstellen für proprietäre Technologie im Kernel auf absehbare Zeit zu kappen und damit endlich solche Krücken wie den nvidia Treiber, oder zFS zu erschweren bzw. auf lange Sicht zu verbannen.
Aber ich sehe nicht ein, warum für ein paar Nutzer, die es einfach nicht schaffen, sich von SpyOS zu verabschieden, den Kernel weiter aufzublähen!
Vielleicht verstehst du nach dem Lesen dieses Artikels [0] von Jörg Luther welche Problematik sich hier aufwirft?
Mit Jörg Luther kann man übrigens auch trefflich über Canonical diskutieren, so wie ich das herausgehört habe, ist auch er kein großer Fan dieses Unternehmens, dessen Geschäftsgebaren und der Distributionen.
[0] https://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2020/11/editorial-11-2020/
NTFS ist doch bereits seit 1995 mit Linux 2.1.74 mit damals noch eingeschränktem Lesezugriff im Kernel.
Ja, und wenn ich das richtig interpretiere, wurde der Code [0] auch mindestens 3 Jahre nicht mehr angefasst, besser noch, dieser steht zur Disposition.
[0] https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/aia21/ntfs.git/
Dieser steht zur Disposition, durch NTFS3 ersetzt zu werden. Ich verstehe Deinen Punkt gerade nicht. Die »Unterwanderung der Linux Foundation von Microsoft & Partnern« findet ganz woanders statt als im Kernel.
Eigentlich wollte ich darauf verzichten, die Geschichte von Microsoft zu bemühen, aber die Vergangheit zeigt doch, dass wer sich mit Microsoft einlässt, kann nur verlieren.
Ich erinnere in diesem Zusammenhang gern an das Befüllen der Kriegskasse von SCO (für Klagen gegen Linux) durch Microsoft.
Oder an die Strategie
Auch wenn Microsoft es heute perfider anstellt, haben die sich im Kern nicht geändert.
Und wenn man genau hinschaut, unterstützt Microsoft lediglich die Technologien, die sie für ihr eigenes Geschäft (vorrangig die Azur Cloud) benötigen und nicht Linux in Gänze.
Soviel zu “Microsoft loves Linux”.
Interessanter Punkt, wo siehst du die Unterwanderung der Linux Foundation, anders als im Kernel?
Microsoft gilt – laut Github Statistik – als größter Commiter, und baut so (bereits durch personelle Übermacht) seinen Einfluss auf die bestehende und zukünftige Ausrichtung des Kernels.
Aber ich lass mich gern von guten Argumenten überzeugen, sollte ich etwas übersehen, oder mich geirrt haben.
Wenn Microsoft Teile seiner Software opensourced, so habe ich da nichts dagegen, auch wenn mir klar ist, dass hier keinesfalls altruistische Motive dahinterstehen. Es gibt mittlerweile eine Reihe Gläubiger in den Reihen von Open Source, die Microsofts Mantra vom geliebten Linux nachbeten, aber da kann man wenig gegen tun. Ich habe keine Ahnung, ob Microsoft in irgendeiner Weise etwas mit der Befreiung von NTFS3 durch Paragon zu tun hat, vom Gefühl her würde ich es eher verneinen. Allerdings sehe ich, dass viele Leute davon profitieren, wenn die Einbindung von NTFS-Partitionen einfacher wird. Mich betrifft es nicht. Den Einfluss auf Linux von den Big Playern der Foundation sehe ich eher ideologischer als technischer Natur. So beispielsweise die Zähmung des brüllenden Löwen Torvalds.
Erst einmal ein großes Kompliment, es macht echt Laune mit dir zu diskutieren bzw. sich auszutauschen, auch wenn wir nicht immer (oder gerade deswegen) einer Meinung sind.
Ja, die hauen jede Menge Resterampen-Technologie als OSS raus, weil die sich so a) neue Impulse aus der Community erhoffen, b) ihre Technologie zum quasi-Standard (ähnlich MS Office) erheben möchten und c) Entwicklungskosten sparen.
Außerdem fehlt der MS OSS ein wichtiges Merkmal was es auch GNU/Linux Community interessant macht, nämlich das copyleft, für dich als Debianer ist das sicherlich nicht uninteressant.
Doch das geht, die Lösung des Problems heißt, MS Technologie konsequent zu ignorieren, denn nur wenn diese in Distributionen aufgenommen, pakettiert und installiert wird, hat Microsoft (& Co) den Fuß in der Tür bzw. in unserem Fall in der Community.
Canonical ist da ein abschreckendes Beispiel für.
Das weis ich auch nicht, aber es würde mich auch nicht überraschen wenn dem so wäre.
Ich sehe keine Vorteile, wenn ein Filesystem welches nativ nicht für Linux gebraucht wird, im Linuxkernel landet.
Das Einbinden von NTFS ist doch heute (dank FUSE) auch nicht besonders aufwendig, kompliziert oder schwer.
Was wäre gewonnen aus deiner Sicht?
Mich ebenso nicht, denn ich betreibe keine SpyOSes.
Aber ich möchte auch keinen künstlich aufgeblähten Kernel, schon gar nicht für externe Filesysteme die eindeutig ins userland gehören.
Denn im Kernelspace sollte nur das sein, was für das Booten und/oder das Betreiben eines Linuxsystems benötigt wird.
Darunter fällt NTFS eindeutig nicht.
Ich meine, das so, oder so ähnlich im LSB gelesen zu haben?
Kannst du diesen Satz bitte noch etwas ausführen, als F(L)OSS Verfechter klingt das sehr negativ.
Aber da ich nicht vorschnell urteilen möchte, wäre eine Erklärung hilfreich.
Ich finde die klare Kante von Linus Torvalds sehr angenehm.
Den Stinkefinger in Richtung nvidia (2014) zum Beispiel habe ich gefeiert und dieser war längst überfällig.
Auch wenn er sich nicht immer durchsetzen kann und wird.
Danke, das kann ich uneingeschränkt zurückgeben.
Dem stimme ich zu. Was Aufnahmen in den Kernel angeht, so vertraue ich Linus, denn ich glaube nicht, dass er an dem Punkt kompromittierbar ist.
Lediglich die Geschwindigkeit. Die ist bei einem Dateisystem ein nicht zu vernachlässigender Faktor.
Wo ist denn die LSB noch relevant? Debian hat sich beispielsweise bereits 2015 davon verabschiedet.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass nach meiner Meinung von der Linux Foundation mehr Gefahr ausgeht als von Patches für den Kernel. Ich habe über die letzten Jahre das Vertrauen in den Wert dieser Schirmorganisation immer mehr verloren.
Das ist mir immer noch zu diffus, kannst du bitte diesen (deinen) Eindruck vielleicht an einem, oder gern auch mehreren Beispielen verdeutlichen?
Danke!
Ich denke nicht, dass das “Linux” im Namen weiterhin gerechtfertigt ist, auch wenn Torvalds und Kroah-Hartman auf der Lohnliste stehen. Ich glaube nicht mehr daran, dass es den Leuten im Vorstand um Linux geht. Von Jim Zemlin ist bekannt, dass er MacBooks mit Apple-Software verwendet und dies auch öffentlich vertritt, denn irgendwie sei ja macOS auch Linux. Den Mitgliedern wie Microsoft, Google, Facebook und vielen anderen geht es natürlich darum, ihre Interessen voranzutreiben. Aber auch bei den Angestellten, die die eigentliche Arbeit machen, scheint Linux nicht beliebt zu sein, denn wie erklärt es sich sonst, dass die Reports und Umfragen, die die LF als PDF herausgibt, mit Adobe Software auf macOS erstellt wird? Das mag nicht jeden stören, mich stört es.
Ich fand es toll, dass Paragon seinen bisher proprietären NTFS3-Treiber freigegeben hat. Ein weiterer Baustein für mehr Kompatibilität mit dem Desktop-Betriebssystem-Marktführer Windows schadet Linux sicherlich nicht.
Das die Kernel-Gemeinde zuerst über die Patch-Größe meckerte, finde ich weniger gut.
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Qualitätssicherung völlig egal?
Die Qualitätssicherung bei einer (Code)Spende kann man auch durchführen ohne den Spender anzumeckern.
Alle Beiträge zum Kernel sind ja wohl irgendwie “Spenden”.
Würde man stets alles nehmen wie es kommt, dann wäre der Linux-Kernel recht schnell der meist ineffiziente und unsichere Dreck der existiert. Gerade dem je nach Berechtigung angewandten rauen Ton ist zu verdanken, dass die Qualität des Code im Linux-Kernel deutlich höher ist als woanders. Auch wird hier ein erhebliches Maß an Kompetenz gebündelt, womit aufkommende Kritik nahezu immer sehr fundierte Gründe hat. Und das ist wiedermal ein typischer Fall in Verbindung mit einem Unternehmen, welches etwas in den Linux-Kernel einzubringen versucht, und erstmals damit konfrontiert wird was ordentlichen Code tatsächlich ausmacht. Alleine 11 Revisions sagen hier alles darüber aus, wie es um die Qualität von NTFS3 stand und wie wenig man davon verstand diesen sauber zu integrieren. Und letztlich darf man auch nicht vergessen, dass niemand NTFS3 aufgrund von Alternativen (reichen für das ranzige Windows allemal) akut benötigt, weshalb das eher keine Priorität hat.
Gut gebrüllt, Löwe! Ich finde es auch eine Unverschämtheit, den Entwicklern so einen Brocken vorzuwerfen, von der Qualität mal ganz abgesehen.
Das ist völlig falsch! (Vielleicht hat das inzwischen sogar Linus ansatzweise kapiert.) Es kommt auf eine klare Linie und strenge Regeln an – nicht auf einen rauhen Ton!
Ich kenne mich jetzt nicht so in der MS-Windows Welt aus: Inwiefern läßt die Bedeutung von NTFS nach?
Mobile Geräte erhalten einen immer größeren Marktanteil. Dort werden aber FAT32 oder exFAT eingesetzt. Im professionellen Bereich bietet etwa ReFS Vorteile gegenüber NTFS.
Das mag sein, trotzdem braucht quasi jeder, der Dual-Boot mit Windows macht, NTFS. Zumindest, wenn er auf die NTFS-Partition zugreifen will.
Dieses ominöse ReFS das seit Ewigkeiten nur theoretisch existiert, nie marktreif wurde von konkurrenzfähig ganz zu schweigen? Ich habe in professionellen Umgebungen nie etwas abseits von NTFS gesehen.
Ich habe da persönlich keinen Einblick oder Kontakte in die Windows-Welt.