Das OpenDocument-Format 1.4 wurde jetzt durch OASIS als Standard eingeführt und ist Teil der ISO/IEC 26300-Norm. Damit einher gehen primär Verbesserungen bei der Barrierefreiheit, bei Layout und Typografie sowie bei Tabellen und Listen. ODF 1.4 wird bereits seit einiger Zeit von Office-Suiten wie LibreOffice, Collabora und Microsoft Office 365 in deren aktuellen Veröffentlichungen in Teilen umgesetzt.
Zentrale Neuerungen
- Erweiterte Unterstützung für Barrierefreiheit: Für alle nichttextuellen Inhalte wie Bilder, Grafiken und dekorative Objekte muss ein Alternativtext bereitgestellt werden. Objekte können explizit als dekorativ markiert werden, sodass Screenreader sie ignorieren und PDFs sie als Artefakte auszeichnen. Zudem wurden semantische und strukturelle Tags für Überschriften, Listen und Tabellen präzisiert, was die Navigation mit Hilfstechnologien verbessert.
- In den Dokumentmetadaten kann explizit festgelegt werden, dass das Dokument barrierefrei ist oder welche Barrierefreiheitsfunktionen umgesetzt wurden. Diese Vorgaben sind sowohl für Softwarehersteller als auch für Dokumentenersteller verbindlicher und überprüfbarer als bisher umgesetzt.
- Dokumentenelemente wie Tabellenüberschriften, Absätze, Listen etc. werden strikter semantisch ausgezeichnet, um die Maschinenlesbarkeit zu verbessern. Alle Steuerungs- und Formularelemente müssen vollständig per Tastatur erreichbar und bedienbar sein.
- Verbesserte professionelle Dokumentgestaltung: Komplexe Hintergründe wie Farbverläufe oder Schraffuren lassen sich nun auf mehr Objekttypen anwenden, und die Spezifikation zur Schreibrichtung wurde erweitert und klargestellt, inklusive zusätzlicher Schreibrichtungen und 90°‑Rotationen.
- Tabellen in Formen: Tabellen können jetzt direkt in beliebigen Formen platziert werden, nicht mehr nur in Textboxen, was ein wichtiges Kompatibilitätsloch gegenüber OOXML schließt.
- Verbesserte Listenformatierung: Die Formatierung von Nummerierungen, insbesondere für nichtwestliche Schriftsysteme, wurde erweitert; außerdem gibt es ein flexibleres Schema für Nummernformate in mehrstufigen Listen.
ODF 1.4 bietet zudem neue Diagrammtypen, bessere Charting-Optionen und erweiterte Textformatierungen. Die Verarbeitung von Multimedia-Elementen und Animationen wurde besonders für Präsentationsdokumente weiter ausgebaut und die Einbettung und Darstellung von Bildern und Multimedia wurde modernisiert. Die Kontrolle und Verwaltung von Metadaten, vornehmlich über das Resource Description Framework (RDF) für archivierte und akademische Inhalte, wurde verbessert.
Listen können jetzt bei 0 beginnen. Auch Präsentationen unterstützen die Foliennummerierung ab Null und gedrehte Textrichtung in Tabellenzellen. Die Überlappung von Bildern und Formen kann jetzt explizit verhindert werden, gerade und ungerade Seitenumbrüche werden bei Abschnittswechseln berücksichtigt. Ferner erlauben neue Schreibmodi speziell bei Sprachen und Absätzen differenzierte Formatierungen.
Weitere Einzelheiten zum neuen Standard vermittelt ein Blogpost der Document Foundation sowie die Spezifikation von OASIS.

Gute Sache, aber warum wird das in den erwähnten Office-Suiten nur zum Teil umgesetzt? Weil noch nicht endgülitg durchzertifiziert? Wird sich das ändern? Bringt ja nix, einen Standard nur teilweise zu unterstützen, das soll ja interoperabel zwischen allen unterstützenden Programmen sein.
Eine Frage von Prioritäten und Ressourcen. Projekte wie LibreOffice müssen da “haushalten”. Spenden alleine werden das Problem nicht lösen, aber deutlich zur Lösung beitragen.
Bei Microsoft ist es anders: Dort ist es ein Marketinginstrument. Der Standard wird bewusst nicht vollständig unterstützt oder sogar untergraben, damit MS-Office-User auf die Idee kommen, dass andere Programme “ihr MS-Office” ja nicht voll unterstützen. “Die Dateien von den anderen sind immer kaputt und gehen nicht in meinem Word.”
Das wird sich nicht ändern, solange Interoperabilität nicht verpflichtender Bestandteil von öffentlichen Ausschreibungen ist und das Untergraben von Interoperabilität nicht unter Strafe gestellt ist.