Das OwnPhone des niederländischen Unternehmens YourData Network basiert auf dem Volla Quintus mit Volla OS, das wir euch vor etwas über einem Jahr vorgestellt haben. Es wird als »Smartphone für das dezentrale sichere Internet« vermarktet.
Your OS
Als Betriebssystem kommt das eigens entwickelte Your OS (YOS) zum Einsatz, das auf Volla OS aufbaut und in eine alternative Netz- und Cloud-Infrastruktur integriert ist. Herzstück dieser Infrastruktur ist ein sogenanntes Meshnet, das auf zentrale Instanzen wie IP-Adressen oder DNS-Server verzichtet und stattdessen auf eine direkte, dezentrale Kommunikation zwischen den Geräten setzt – für maximale Kontrolle, Sicherheit und Unabhängigkeit.
Volla und YourData Network möchten dem Anwender mit dem OwnPhone die Kontrolle über seine Daten, seine Infrastruktur und seine digitale Identität zurückgeben. Die Kombination aus quelloffenem Betriebssystem, dezentraler Cloud und Meshnet soll neue Wege zu einer sicheren Nutzung des Internets führen – unabhängig von Konzernen und zentralen Plattformen.
Wie die Pilze im Wald
Die hinter den hehren Worten stehende Infrastruktur hört auf den Namen Threefold, eine verteilte Meshnet-Infrastruktur, die anstelle klassischer IP-Protokolle auf ein eigenes Netzwerkprotokoll namens Mycelium setzt. Der Name leitet sich von den Mycelien im Waldboden ab, den unterirdischen Wurzelnetzwerken der Pilze. Analog dazu ist Mycelium ein dezentrales Netzwerk, bei dem Knotenpunkte direkt miteinander kommunizieren – ohne zentrale Vermittler. Nutzer können eigene Dienste betreiben, ohne auf klassische Hosting- oder Cloud-Anbieter angewiesen zu sein. Die Vision dahinter: mehr Kontrolle, Privatsphäre und digitale Souveränität.
Diese Prinzipien bilden die Grundlage für das OwnPhone. Bereits vorinstalliert ist zudem eine Nextcloud-App. Nutzer können diesen Dienst inklusive Dateispeicherung und Kollaborationsfunktionen mieten, ohne ihre Daten in fremde Hände zu geben.
Das OwnPhone ist unsere Antwort auf die wachsende Nachfrage nach digitaler Souveränität und dezentraler Infrastruktur. Mit YOS und dem Meshnet schaffen wir eine neue Realität für sichere, unabhängige Kommunikation und Datenhaltung.
Robert Jan Lamers, Geschäftsführer von YourData Network
Dr. Jörg Wurzer, Gründer von Volla, sagt, das OwnPhone mit YOS sei mehr als nur ein Smartphone. Es sei »Knotenpunkt des neuen dezentralen Internets… mit der Möglichkeit, einen Cloud-Dienst wie eine Dateiablage einfach selbst zu betreiben – ohne Rechenzentrum.« Das OwnPhone kann ab sofort vorbestellt werden und soll 699 EUR kosten.

Bei diesem Satz wurde es interessant im obigen Artikel:
“…anstelle klassischer IP-Protokolle auf ein eigenes Netzwerkprotokoll namens Mycelium setzt.”
Jetzt die Eckdaten vom “Mycelium” von der Herstellerseite https://mycelium.threefold.io/
* “…IPv6 overlay network. an end-to-end encrypted IPv6 overlay network…”
* “…Each node joining the network receives an IP in the 400::/7 range…”
* “…data travels along the shortest path in terms of latency…”
Also was heisst das in einfachen Sätzen für den Benutzer.
Der Zugang zum Mycelium Netz basiert auf IPv6, die Endpunkte im Mycelim Netz bekommen einen IPv6 Präfix aus dem 400::/7 Netz. Dieser IP Präfix ist im Internet nicht geroutet und weder allokiert noch reserviert, und nicht einmal der Firma Threefold zugeordnet.
Mycelium/Threefol benutzt es einfach. Hier die Übersicht der Präfixe, sucht mal nach Mycelium oder Threefold (hier findet man Nichts):
* https://www.iana.org/assignments/ipv6-address-space/ipv6-address-space.xhtml
* https://www.iana.org/assignments/iana-ipv6-special-registry/iana-ipv6-special-registry.xhtml
Danach werden peer-to-peer Nachbarschaften aufgebaut. Ich vermute hier kommt das OSPF Protokoll zum Einsatz, und danach werden die Nachbarschaften zum jeden Peer (OSPF Peer) verschlüsselt. Der Shortest Path also der kürzeste Weg für die verschlüsselten IPv6 Packete wird anhand der Latenz ermittelt. Das ist das Overlay Netz (verschlüsselt) und das Underlay Netz ist ein IPv6 Netz, die die Firma Threefold einfach so für sich geschnappt hat, ohne IANA darüber zu informieren, frei nach dem Motto “…Wir machen das einfach…benutzt keiner.. ist unser verschlüsseltes IPv6 Netz…”
Jetzt müssen die IPv6 Packete irgendwo in das öffenltiche IPv6 Internet. Das Internet im IPv6 Bereich ist 2000::/3, also muss es irgendowo ein IPv6 Gateway im Mycelium Netzwerk stehen um die Übersetztung vom 4000::/7 auf den 2000::/3 öffentlich freigegeben IPv6 Bereich zu machen (NAT).
Meiner persönlichen Meinung nach ist ist ein mit heisser Nadel gestrickickter vendor lock-in dieses Produkt.
Oben drauf, der URL zur Dokumentation ist leer: https://threefold.info/mycelium/docs/
Danke fürs aufdröseln.
Du steckst anscheinend tiefer in der Materie, weil ich es eher interessant finde. Immer noch besser als wenn niemand etwas “erfinden” würde.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Woher nimmst du deine Weisheit?
Wieder so eine Totgeburt, von der man nie wieder etwas hören wird. Aber Hauptsache mit Blockchain.
Ja du hast recht, solange das “App-Gap” Problem nicht gelöst ist, sind alle Google-freien Handys eine Totgeburt. Software verkauft die Hardware.
Das Betriebssystem ist Android-basiert, da kriegt man die Apps dann also irgendwie, aber natürlich verkaufen sie einem das Gerät wieder zum mindestens 3-fahen Preis (mir werden sogar 799€ angezeigt).
Das andere ist diese Meshnet-Infrastruktur. Das ganze ist vor allem mal so ein Web3 Geschäftsmodell. Da soll man Speicher und Rechenkapazität bereitstellen, um sich irgendeine Krypto-Währung zu verdienen, während die Nutzer entsprechende Kapazitäten dann mieten. Mit irgendwelchem Idealismus hat das hier nichts zu tun, das ist der typische Web3-Kapitalismus, bei dem alles in Form irgendwelcher Tokens gehandelt werden soll, und wo die Macht dann am Ende vermutlich auch zentralisiert ist, nur halt bei irgendwelchen Crypto-Bro-Investoren.