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Pine64 soll seine Prioritäten überdenken

Das ist die Ansicht von Drew DeVault, der er in einem aktuellen Blog-Eintrag Ausdruck verleiht. Drew ist ein umtriebiger Open-Source-Entwickler, der seine Hände in vielen Töpfen hat und mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg hält. Er ist unter anderem für den Wayland-Tiling-Manager Sway verantwortlich.

In seinem Beitrag kritisiert er die Prioritäten der Verteilung der finanziellen Unterstützung, die Pine64 an Projekte vergibt, die an Software für die Hardware von Pine64 arbeiten. Pine64 stellt günstige Hardware her und überlässt die Software-Entwicklung komplett der Community. Diese erhält dafür Spenden in Form von Prozenten der Verkaufserlöse.

Fragmentierung gefördert

Drew kritisiert als Kernpunkt, dass Pine64 mit seiner Verteilung von Spenden hauptsächlich an Distributionen für das PinePhone, das PineBook und andere Projekte eine unnötige Fragmentierung erzeugt. Dabei seien die Distributionen nicht der Teil des Linux-Phone-Ökosystems, der neue Entwicklungen hervorbringt, sondern diese lediglich verpackt und ausliefert. Drew ordnet die anstehenden Aufgaben ihrer Wichtigkeit nach folgendermaßen:

  • Implementierung und Upstreaming von Kernel-Treibern, U-Boot-Unterstützung, usw.
  • Aufbau eines robusten Telefonie-Stacks für Linux
  • Entwicklung einer mobilen Benutzeroberfläche für Linux
  • Pflege von Distributionen, die alles miteinander verbinden

Falsche Reihenfolge

Drew bemängelt, dass die Aufgaben in der umgekehrten Reihenfolge gefördert werden. Als Beispiel führt er an, dass es recht einfach wäre, einen Standard-arch64-UEFI-ISO-Installer für die Installation der verschiedenen Distributionen für das Pinebook Pro zu erstellen, wenn jemand sich die Zeit nehmen würde, die letzten 6 Patches für Mainline-Linux einzureichen und ein geeignetes U-Boot-Payload zum Flashen auf den SPI-Flash-Chip zusammenzustellen. Statt einer funktionierenden Lösung für alle gibt es mehr als 20 Linux-Distributionen, die Pine64-spezifische Images zum Flashen auf microSD-Karten veröffentlichen.

Distributionen erhalten Zuwendungen von Pine64 und verwenden diese laut Drew oft zeitgleich mit anderen bei der Lösung der gleichen Probleme. Besser sollten Entwickler gefördert werden, ihre Zeit in die Erstellung eines robusten Telefonie-Stacks samt des nötigen Upstreamings für den Mainline-Kernel zu investieren. Die Erledigung der anstehenden Aufgaben gehe wegen dieser falschen Prioritäten viel zu langsam vonstatten.

Ineffiziente Zusammenarbeit

Obwohl es einen gewissen Austausch von Patches und eine Zusammenarbeit zwischen den Distributionen gibt, geschieht dies informell über ein Dutzend unabhängiger Organisationsstrukturen mit unterschiedlichen Graden der Zusammenarbeit. In einem System mit begrenzten Ressourcen, was Finanzierung, und Entwicklerzeit angeht, können diese Ineffizienzen sehr verschwenderisch sein.

Drew sieht aufgrund dieser Tatsachen einen Kurswechsel als nötig an, wenn Pine64 seine Erfolgschancen mit seinen aktuellen und zukünftigen Produktlinien maximieren will. Die beste strategische Entscheidung sieht er darin, einen Vollzeitentwickler bei Pine64 einzustellen, der sich speziell auf die Entwicklung und das Upstreaming von Linux Mainline, U-Boot Mainline, ModemManager und weiterer Komponenten konzentriert sowie auf das Schreiben von Dokumentation und die Zusammenarbeit mit anderen Projekten.

Die Kritik an der Fragmentierung und den daraus resultierenden Problemen ist in Teilen vermutlich auf Linux im allgemeinen übertragbar, aber Projekte wie das Calamares-Installer-Framework beweisen, dass es auch anders geht.

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17 Kommentare

  1. Billige Hardware ist leider wichtig, es gibt so viele Smartphones. Da ist es gut wenn es eins gibt bei dem man die Software auch entwickeln kann. Und als Entwickler finde ich es gut ein Telefon zum Spielen zu haben, das nictht so teuer ist. Klar ist die Hardware nicht Top, aber dadurch, dass sie so billig verfügbar ist finden sich einfach mehr Leute. Die ganzen Elfenbeinturm Smpartphones müssen halt auch finanziert werden und 800$ für ein Telefon dass nicht funktioniert nur zum zumspielen wie das purism ist einfach zu viel. Ich entwickle lieber selber wie Leute dafür zu bezahlen.
    Und genau das macht Pin64 aus.

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      1. Ist mir grade als erstes eingefallen als ich deinen Artikel hier las.
        Für mich klingt das bei mobian in etwa so “zuviel aneinander vorbei geredet, für das nächste Pine64-Projekt machen wir es definitiv besser”. Das scheint aber irgendwie an dem DeVault vorbei gegangen zu sein, daher wirkt sein Rant eher ein wenig “am Ziel vorbei” zu sein 🙂

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          1. Aus Entwickler Sicht klingt das stimmig und nah klar, es sollte schneller gehen, denn wir alle warten schon recht lange.

            Aber was sind denn “die falschen Töpfe” und um welche Summen dreht es sich dabei? Manjaro wurde ausgewählt, weil es die meisten User bei Laune hält.
            Weiß denn jemand, was sie dafür bekommen? So viel dürfte das auch nicht sein.

            Pine64 spart dabei eine menge Geld, weil sie den ganzen Usersupport ansonsten alleine stemmen müssten.

            Wenn DeVault weiß bei welchen Schwerpunkten man die Entwicklung beschleunigen kann, dann soll er ein Entwicklerteam zusammenstellen und sagen was dafür zu zahlen ist. Ich denke, das da viele dankbar wären.

            Ich denke aber auch, dass Pine64 vieles richtig macht und im Rahmen ihrer Möglichkeiten nicht viel anderes drin ist. Immerhin sind sie noch nicht pleite gegangen und das will schon was heißen.

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  2. Man sollte das Konzept von Purism einmal mit dem von Pine64 vergleichen:

    Purism sammelt zuerst das Geld bei seinen Förderern und stellt dann damit Entwickler ein.
    Man will Qualität produzieren und braucht entsprechend lange Zeit. Inzwischen finanziert man das Librem5 Projekt hauptsächlich über die Branche Made in USA für ein mehr oder weniger exklusives Publikum, denn alles andere rechnet sich nicht bei den inzwischen stark gestiegenen Hardwarepreisen.

    Pine64 hat sich mit eins, zwei Projekten die billige Produktion und den Vertrieb von Entwicklerplatinen und Zubehör aufgebaut. Man ist angewiesen darauf Stückzahlen zu produzieren. Die Distributionen dienen als Promotoren. Sie führen die Produkte bei ihren Usern ein und deshalb wird der Kram auch gekauft, selbst wenn noch lange nicht alles fertig ist. Außerdem bewältigen die Distributionen die Kommunikation mit den Usern. Dies müsste Pine64 ansonsten selbst bewältigen. Im Gegensatz zu Purism ist Pine64 großzügig beim Verschenken von Hardware an die Entwickler-Community. Und man fördert auch in bescheidenen Rahmen den einen oder anderen Entwickler direkt. Siehe hier bzw. hier.
    Das Modell von Pine64 funktioniert nur, wenn man ständige Kosten outsourced. Fest angestellte Entwickler sind da wohl gar nicht vorgesehen.

    Aber es gibt da auch noch andere fördernde Unternehmen in der Landschaft.
    Wie ich hier lesen konnte ist unter anderen Caleb Connolly dabei für das SHIFT 6mq mainline Linux support herzustellen und Luca Weiss der sich auch bei postmarketOS stark engagiert ist Angestellter bei der Firma Fairphone.

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  3. DeVault kritisiert Manjaro :

    Ich werde zu Protokoll geben, dass Manjaro Linux eine schlechte Linux-Distribution ist und ein schlechter Ort, um dieses Geld zu schicken. Sie haben eine Geschichte von interner Korruption, eine Geschichte von fragwürdigen Ausgaben und eine Fülle von technischen Problemen und problematischem Verhalten im FOSS-Ökosystem. Das begrenzte Budget, das zur Verfügung steht, wurde in ihren Händen vergeudet.

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

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    1. Ja, das habe ich absichtlich rausgelassen, um die Diskussion nicht vom Thema wegzuführen. DeVault hat da sicher recht, wie jeder weiß, der ein wenig hinter die Kulissen zu blicken vermag. Einige Dinge sind auch öffentlich geworden. Ich hätte das aber an Drews Stelle in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

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      1. Ja, das habe ich absichtlich rausgelassen, um die Diskussion nicht vom Thema wegzuführen.

        Guter Punkt. Gibt es irgendwo einen Überblick über die dunkle Seite von Manjaro?
        Die Vorwürfe sind ziemlich massiv, da würden mich Fakten interessieren, um die Vorgänge einordnen zu können.

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  4. Das ist womöglich gleichzeitig richtig und falsch. Für das gesamte Ökosystem trifft diese Priorisierung sicherlich zu. Für eine Firma, die sich in erster Linie als Hardware-Hersteller sieht, dem Kunden aber trotzdem irgendein lauffähiges OS bieten will, sieht es dann womöglich schon wieder ganz anders aus.

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    1. Eigentlich gibt es diesen Widerspruch nicht.

      Aktuell muss Pine64 für jede neue Distribution Geld in die Hand nehmen – wären Punkt 1 und 2 erfüllt, würden alle Linuxsysteme das Pine64 automatisch unterstützen, und es würde deutlich weniger Geld für 4 benötigt.

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