Amarok

Rediscover your music: Amarok 3.0 Beta ist da

Wer schon etwas länger die Software von KDE verwendet, wird ihn kennen. Amarok war eine der besten Audio-Jukeboxen seiner Zeit. Er fand ab 2002 weite Verbreitung nicht nur in Linux, ab 2013 gab es auch eine Windows-Version. Amarok verwaltete die Musiksammlungen über Datenbanken wie SQLite, MySQL oder PostgreSQL und ließ dem Hörer die Wahl aus verschiedenen Backends zum Abspielen der Musik.

Der Wolf ist wieder da

Amarok, ein mythischer Wolf aus der Kultur der Inuit, spielte lokale Musiksammlungen und Internetradio, synchronisierte mit dem iPod und klinkte sich bei Last.fm und MusicBrainz ein. Zudem zeigte er Songtexte an und bot Informationen zu den Künstlern über die Wikipedia. Auch die Archive des freien Musikportals Jamendo und der freien Hörbuchsammlung LibriVox waren eingebunden.

In den Sand gesetzt

Ab 2010 hat es sich Amarok mit vielen Anwendern gründlich verscherzt. Der Umstieg von Version 1.4 auf 2.0 führte zu massiver Kritik. Es fehlten viele Funktionen und das neue dreispaltige Layout der Oberfläche fand wenig Anklang. So entstand in der Folge mit Clementine ein Fork von Amarok 1.4, der schnell viele Anhänger fand und von den meisten Distributionen ins Programm genommen wurde. Amarok verharrte in der Folge bei v2.8. Ab 2017 folgte der Versuch einer Portierung auf KDE Frameworks 5, die 2018 als Amarok 2.9 veröffentlichte Version basierte aber immer noch auf KDELibs 4. Die dringend notwendige Umsetzung auf Qt 5 verlief im Sand.

Amarok 3.0 Beta

Bis jetzt. Gestern erschien die Ankündigung von Amarok 3.0 Beta (2.9.82). Die neue Testversion basiert auf Qt 5.15, und KDE Frameworks 5.77. Der Entwickler stellt je nach den anfallenden Fehlern eine weitere Beta oder die finale Version 3.0 in rund drei Wochen in Aussicht. Nach einigen Bugfix-Releases soll die Portierung auf Qt6/KF6 folgen. Derzeit muss man Amarok 3.0 Beta aus dem Quelltext bauen, ein Flatpak ist vage in Aussicht gestellt. Das Changelog liest sich ganz interessant. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg.

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29 Kommentare

  1. Ich habe einen Streamingdienst (für die Familie), den ich aber kaum benutze. Ich hatte Amazon Prime, dessen Musik-“Abteilung” ich so gut wie nie benutzte. Ich bin tatsächlich ein lokaler Musikbibliothek-Nutzer, auch wenn die meiste Hörzeit am Smartphone stattfindet (gibt ja glücklicherweise noch welche, bei denen man eine microSD reinbekommt). Ich finde lokale Player daher immer noch relevant und werde mir Amarok 3 gerne mal anschauen.

    Streaming ist wohl trotzdem (leider) die Zukunft, was ich persönlich sehr schade finde, denn der Künstler bekommt per Stream fast nichts und per 100.000 Streams kaum genug, um eine Monatsmiete zu zahlen. Den Nutzern scheint das egal zu sein. Deren Aufmerksamkeitsspanne reicht für eine ganze CD-Länge ohnehin meist nicht mehr aus. Und ich gebe zu, dass auch mein Hörverhalten mit der Zeit etwas erratischer geworden ist. Ich habe per Streaming allerdings auch ein paar nette Entdeckungen gemacht.

    Wenn ich meine CD-Wand so anschaue, dann bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob irgendjemand in Zukunft mit dem “Plastikhaufen” irgendwas sinnvoll anfangen kann. Ich bin daher DRM-freien Downloads gar nicht mehr abgeneigt. So “gehören” die Dateien mir und sind nicht vom Gedeih oder Verderb (oder den Launen, siehe Amazon) des Streaminganbieters abhängig. DOWNLOADs sind aber anscheinend so richtig 2000 (also von gestern). Da ist es doch schön, wenn es noch Anbieter wie Qobuz gibt. Oder, was ich jedem Musikliebhaber ans Herz legen kann: Bandcamp. Dort kann man dem Künstler für den Download (so er bei Bandcamp ist) für den (auch verlustfreien) Musikdownload, der meist sehr fair bepreist ist, noch ein paar extra Euro oder Cent draufgeben. Zudem gehen lt. Bandcamp 80% der Einnahmen an die Band/den Künstler.

    Und für die heruntergeladenen Dateien braucht man am PC dann wieder Amarok/Clementine/Strawberry/Elisa/etc. … so schließt sich für mich persönlich der Kreis.

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  2. Schön.
    Ich bin auch ein Freund lokaler Abspielsoftware. Ich kaufe auch noch CDs. Benutze seit Jahren Quodlibet, der dann die geOGGten oder -mp3ten Lieder abspielt.
    Amarok wird es bei mir wohl nicht schaffen, außer es gibt nicht so viele KDE-Abhängigkeiten – aber dass er wieder da ist freut mich trotzdem; dann weiß ich, was ich nehmen kann, wenn ich mal eine KDE-Umgebung vor mir habe (ja, mir ist bewusst, dass ich den auch unter XFCE etc. nutzen könnte – daher der Verweis auf die KDE-Abhängigkeiten).

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  3. Warum in der Linux Gemeinde solche Diskussionen immer so dogmatisch verlaufen müssen. Als Kind meiner Generation habe ich meine Sammlung auf NAS, Vinyl und CD nutze aber auch einen Streaming Dienst, der beispielsweise sehr hilfreich ist Songs und Interpreten zu finden, die mir gefallen.

    Habt Euch lieb! Ferdinand hält uns auf dem Laufenden. Die, die es nicht betrifft, müssen es auch nicht unbedingt kommentieren! 😉

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    1. Streaming-Dienste nutze ich für Musik generell nicht. Meine Musiksammlung liegt digitalisiert auf einem NAS und von dort wird im LAN zugegriffen. An meiner Workstation läuft immer noch ein lokaler Player, vielleicht bald wieder Amarok.

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      1. Ich habe mir die Zeit genommen um meine CDs als FLAC auf das heimische NAS zu transportieren.
        Das wird vom OMV via DLNA auf jedes beliebige Gerät gestreamt.
        Ich nutze Musik Streaminigdienste nicht wirklich. Bin da eher konservativ.
        Verstehe den heimischen Ansatz.
        Kenne Amarok auch noch in der 1.4er Version und war als GNOME User ein wenig neidisch. Ist aber mittlerweile verflogen.
        Trotzdem wünsche ich viel Glück und Erfolg.
        Für mich lebt dieses Konzept nach wie vor.

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        1. Naja ich vergleich das mal mit online Spiele und dort Geld bezahlen fuer alles moegliche.

          Wer macht so etwas? Ich will doch schon was in der Hand haben, wenn ich bezahle und nix Virtuelles. Fuer mich ist das einfach verarsche pur. Warum soll ich staendig fuer den Streaming bezahlen? Warum soll ich beim Handy Datenvolumen bezahlen? Braucht man doch nicht.
          Aber gut ich komme aus einer Generation wo man Wert noch sieht, fuehlt und anfassen kann. Alles andere ist quasi nix.
          Aber ich muss denen zu gestehen, das es eine geniale Geschaeftsidee ist um die Leute immer wieder zur Kasse zu bitten und sie merken es nicht mal.

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          1. > Ich will doch schon was in der Hand haben, wenn ich bezahle und nix Virtuelles.

            Wenn ich in die Glaskugel schauen, sehe ich, dass es so kommen wird. Für alles, das nicht virtuell ausgeliefert werden kann, wird es eben entsprechende Abos geben. Auto[¹] und Fernseher[²] fallen mir spontan ein, sicher aber wird versucht den Kreis auf nahezu alle Konsum- oder Gebrauchsgüter auszuweiten.

            Einen positiven Effekt könnte ich mir vorstellen. Ein Auto-Abo-Anbieter sollte eigentlich Interesse daran haben, dass sein Produkt möglichst langlebig ist. Möglicherweise führt das zu Fahrzeugen, die nicht nach 10 Jahren als obsolet behandelt – und damit tatsächlich nachhaltiger – werden.

            [¹] https://www.finn.com/de-DE
            [²] https://t3n.de/news/telly-kostenloser-fernseher-permanente-werbung-1553300/

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            1. Lange Lebenszeit von Autos ist doch garnicht gewuenscht, deshalb baut man doch jetzt auch solchen Schrott.
              Nee die verdienen doch daran am meisten, das Du beim leasing das Teil wieder ab gibst und sie dir dann ne Rechnung aufmachen, die nicht lustig ist. Nebenher schreiben sie ja die Auto’s ja auch noch ab, da es ja ihre sind. d.h. wenn das Teil abgeschrieben ist, ist kein Nutzen mehr drin und es muss weg.

              Das was Du erwaehnst ist “sie werden nichts besitzen…” na lustig, noch dazu kein Bargeld mehr und alle messen sind gtelesen. kann man nur hoffen, das es doch anders kommt.

              Virtuelles zu verkaufen ist genial, genau so genial wie die Luft zu besteuern. Aber eben nur fuer die, die das Geld bekommen.

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              1. Schön auf den Punkt gebracht.

                Meine Idee fußt auf folgender Überlegung:

                Unter der Annahme, dass die Hersteller selbst die Abo-Anbieter sind.

                Die Herstellungskosten für ein Fahrzeug belaufen sich auf 25.000 Euro, verkauft wird es für 35.000 Euro. Gewinn vor Steuern 10.000 Euro. Anvisierte Lebenszeit 10 Jahre. Heißt alle 10 Jahre müssen 25.000 Euro eingesetzt werden um 10.000 Euro zu gewinnen. In 20 Jahren verdiene ich also an einem Fahrzeughalter 20.000 Euro.

                Wenn ich aber das gleiche Fahrzeug 20 Jahre zu 3000,00 Euro/Jahr im Abo anbieten kann, nehme ich 60.000 Euro ein, abzüglich der 25.000 Herstellungskosten wäre noch 35.000 Euro über. Sicher, über die Zeit fallen bestimmt noch Reparaturen, etc an. Das müsste einkalkuliert werden.

                Angenommen in groben Zügen wäre das die Kalkulation, dann müsste bei diesem Modell der Hersteller daran interessiert sein, sein Fahrzeug für einen viel längere Nutzungsdauer (Reparierbarkeit, Ersatzteile, etc.) auszulegen. Oder?

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                1. Ja Du vergisst aber, Abschreibung, Reperaturen, Instandhaltung, waere doch viel besser, wenn er die Lebenszeit des Autros auf 8 jahre begrenzt.

                  Ist eh jetzt schon so, denn die Wueste Afrikas ist voll von Autofriedhoefen von nagelneuen Autos der Hersteller. Es gibt da riesen Flaechen mit nagelneuen Autos, die dann dort verotten. Die Rechnung geht etwas anders. 😉 Als Privatmann klingt sie gut aus der Sicht grosser Firmen/Konzerne nicht.

                  Wobei es wuenschenswert waere, wenn sie wieder richtige Autos bauen wuerden.

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                  1. > Als Privatmann klingt sie gut aus der Sicht grosser Firmen/Konzerne nicht.

                    Vermutlich hast Du recht, den wäre die Rechnung wie von mir vermutet, wäre es wahrscheinlich längst so. Keine Ahnung zu haben ist wirklich ein Hindernis beim denken 🙂

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    2. Mit tausend prozentiger Sicherheit nicht!
      Ich möchte meine Musik. Nicht irgendeine, die irgendeine KI meint, dass ich die hören möchte.
      Ich bin noch aus einer Generation die selbstständig denken und entscheiden kann.
      Dann kommt noch hinzu, dass ich ein komplette C am Stück hören möchte. Kein Durcheinander.
      Oder eben alles von einer Gruppe.
      Und ich möchte Qualität.
      Deshalb habe ich meine Sammlung als FLAC auf einem Nextcloud-Server.
      Somit kann ich sie von überall hören.
      Außerdem die FLACs immer per Nextcloud auf Smartphone gesynct.
      Höre ich zu Hause Musik und steige ins Auto höre meine Musik im Auto nahtlos weiter.

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  4. Ich schließe mich den Stimmen hier an, der lokale Player gehört in die 2000er.

    Die Zukunft sind Server. Früher langer Nutzer von Amarok, Clementine, Strawberry. Sogar Elisa (von KDE) habe ich mir angetan.

    Und nichts davon kann mit einer ordentlichen MPD-Implementierung mithalten.

    Das Einzige was MPD fehlt. Eine richtig gute GUI. Hier war lange Cantatea im Einsatz. Da es kein Qt6 geben wird, habe ich das bereits abgesägt. Aktuell wird MyMPD genutzt von mir. Vorteil, ich kann von der ganzen Bude aus meine Sammlung steuern. Per Handy und Browser. 🙂

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  5. Same here. Ich habe Amarok 1.4 in erster Linie als Random Player benutzt, was er ganz gut konnte. Alle nachfolgenden Versionen waren eine Katastrophe: Funktionen, die ich nicht brauche und eh nicht richtig funktionieren (Lyrics), dafür war das zufällig einen Title abspielen, ohne eine Playlist zu erzeugen, unmöglich. Hat dann damit geendet, dass ich mir selber aus einer Datenbank, Perl und mpv einen Player gebaut habe.

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  6. Amarok 1.4 hatte ich auch lange genutzt, war damals ein toller Player. Auch die 2er Serie habe ich mir noch eine Weile angetan, bin dann aber irgendwann auf mpd gewechselt und inzwischen beim Logitech Media Server.

    Diese Art von Playern wie Amaraok sind für mich inzwischen irgendwie aus der Zeit gefallen. Heutzutage erwarte ich Netzwerkfähigkeiten (Steuerung per Smartphone oder Tablet). Vor 20 Jahren hatte ich einen kompletten Rechner an der Stereoanlage, das will ich heutzutage nicht mehr 🙂

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  7. Amarok 1.4 habe ich noch bis vor wenigen Jahren genutzt (von TDE). Der beste Player!

    Das Amarok 2 Desaster geht Hand in Hand mit dem von KDE 4. Auf dem Reißbrett alles gut, letzter Stand der UI Forschung wird mit der Brechstange reingedrückt. Entwickler/ Projektleiter die von sich 500% überzeugt sind. Alte Version wird auch gleich fallen gelassen…

    Ich bin auch jetzt sehr gespannt. Das Bild in diesem Artikel, der Wolf, erzeugt gleich ein wohliges Gefühl. 🙂

    Aber mein Nutzungsverhalten hat sich geändert, irgendwie nutze ich solche Programme nur noch selten. Jetzt ist zwar Strawberry installiert, aber das Handy und gute Boxen tun Ihren Dienst.

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