Code

Umfrage: GUI oder doch lieber CLI?

Es gibt nicht nur viele Linux-Distributionen, es gibt auch viele Wege, mit diesen Distributionen zu arbeiten. Grundsätzlich unterteilt sich die Arbeitsweise in die Nutzung von grafischen Oberflächen oder der Kommandozeile mittels Terminal-Emulator sowie Mischformen davon. Dann gibt es noch die Zeitgenossen, die völlig ohne X-Server direkt im Terminal arbeiten.

Gemischter Workflow

Ich persönlich freue mich immer, wenn ich beim Testen neuer Distributionen sehe, dass neben diversen grafischen Anwendungen ein Terminal-Emulator zur Bedienleiste hinzugefügt wurde, da mir das eine gewisse Wertschätzung signalisiert. Andererseits begegnen mir des Öfteren Linuxer, die das CLI für ein Relikt aus der Vergangenheit halten, dass man am besten gegenüber Einsteigern gar nicht erwähnen sollte.

Bei Rolling Release CLI bevorzugt

Mein persönlicher Workflow ist eine Mischform aus beiden Welten, der sich mit der Zeit so eingespielt hat. Die Verwendung ist ziemlich ausgeglichen, ich wüsste nicht mal, was ich mehr nutze. Grundsätzlich immer nutze ich die mit Plasma ausgelieferte Konsole für die täglichen System-Full-Upgrades. Da lasse ich keine grafische Anwendung ran, da mir dort die wichtigen Ausgaben fehlen. Das ist bei stabilen Distributionen vermutlich weniger wichtig, aber bei Rolling Release regiert hier CLI. Viele weitere Tätigkeiten sind gemischt, da ich aus dem Dateimanager Dolphin mit F4 jederzeit in die Konsole springen oder per F12 Yakuake ausklappen kann.

Server per SSH

Ich mache aber nicht alles, was gehen würde, auf der Kommandozeile. Natürlich könnte ich Bilder mit ImageMagick bearbeiten, dazu nehme ich dann doch lieber etwas Grafisches. Musik dagegen höre ich sowohl mit Elisa als auch mit CMUS, je nach Gelegenheit. Bei Servern ist es nochmals anders. Hier kann man sich zwischen der Administration per SSH und diversen Web GUI Management Panels wie Cockpit, Webmin, Froxlor und anderen entscheiden. Hier tendiere ich klar zu SSH.

Und ihr so?

Wie ist denn euer Workflow in der Hinsicht? Entspringt der einer bewussten Entscheidung oder ist der eher historisch gewachsen? Hat die Kommandozeile noch ihre Berechtigung, oder sollte man sie eher verstecken und den kettenrauchenden Jungs im Tiefparterre überlassen, die sich von Pizza und Cola ernähren? Falls ihr zu der Fraktion gehört, die CLI eifrig nutzen: Wo seht ihr die Vor- oder auch Nachteile gegenüber grafischen Anwendungen?

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

20 Kommentare

  1. Ein weitrer, oft nicht beachteter Aspekt bei diesem Thema ist der Umgang mit GUI bei sehbehinderten Menschen. Bin selbst auf einem Auge erblindet und manche GUI macht es ziemlich schwer, sie zu bedienen. Das liegt meistens am benutzten Farbschema, dunkles Grau auf hellem, grauen Hintergrund, also wenig Kontrast, dazu hohe Umgebungshelligkeit führt zu sehr schlechter Erkennbarke den Bildschirm fokussieren zu müssen. Das betrifft die Verwaltung der Systeme. GUI überall dort, wo man sie grundsätzlich sowieso verwendet.

    0
  2. 95 % GUI.

    Manchmal logge ich mich per SSH auf meinem Pi-Hole (RPi3) ein.

    Manchmal mache ich ein Upgrade auf dem Rechner der Kinder über SSH, aber meist setze ich mich doch lieber an den Rechner, um es graphisch zu machen.

    Wenn ich ein Problem habe, dann finde ich oft nur Lösungsansätze mit der CLI, da wage ich mich dann in die Eingeweide meines Systems.

    0
  3. 90% GUI, 10% CLI.
    Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie direkt, unmittelbar und konsequent die CLI ist. Sich damit zu beschäftigen hilft ungemein, die Struktur von Linuxsystemen zu verstehen. Love it!
    Muss unbedingt an Board bleiben. Es ist aber ebenso faszinierend, dass neue User heute auch ganz ohne Terminal auskommen können, wenn sie wollen.

    1
  4. Für mich könnte man sagen, dass es zwei Welten sind.

    Ich möchte die CLI bei Konfigurationsarbeiten usw. wirklich nicht missen!
    Besonders bei wiederholende Arbeiten ist die Möglichkeit das vorhandene Wissen sofort als Script umzusetzen und zu automatisieren extrem wichtig!
    Da haben GUIs das Nachsehen, da sie sich entweder gar nicht oder nur recht schlecht automatisieren kann. Oder man muss sich schlicht in neue angepasste Skriptsprachen einlesen und sie lernen, damit man mal ein bisschen was zusammenbringt. 🙁

    Als normaler Anwender finde ich es aber auch nicht schlecht, wenn man die Möglichkeit hat, Konfigurationen mal kurz über GUI zu überprüfen oder anzupassen.

    Klar, für Anfänger stellt die CLI eine Herausforderung dar, aber es lohnt sich!

    In der Zeit als ich stärker mit Linux zu tun hatte und weniger mit Windows-Server usw. vermisste ich jedoch die Konsole schmerzlich.
    Ständig das eine Häkchen suchen, was musste ich noch dazu einstellen?
    Warum springt ein Assistent mir in die Konfiguration und macht die Arbeit zunichte?!
    Wie war ggf. die Konfiguration von Dienst z für Programm / System XY?
    –> Da passieren immer wieder Fehler, da man ggf. kurz angebunden ist und etwas vergisst.
    Und wenn man es mal automatisiert hatte, wurden irgendwelche Schnittstellen geändert und die Arbeit war dahin. 🙁

    Ich kann mich noch erinnern, dass viele damals unter Linux damit anfingen, einfach GUIs für vorhandene Konsolenprogramme zu schreiben.
    Das fand ich so richtig gut!
    In der GUI hatte man sofort eine Erklärung neben den Optionen, usw. und konnte sich dann in der Log / Ausgabefenster schön ansehen, welches Häkchen, welches Option, usw. darstellte.

    Das halte ich immer noch für das beste, was man machen kann!
    Es ist transparent und man sieht was passiert!
    Und wenn man daraus etwas automatisieren möchte, kann man es einfach herauskopieren.

    Lerneffekt und Automatisierung zusammen!

    Für “Normale” Arbeiten wie Briefe schreiben, Bildbearbeitung (Fotos retuschieren, usw.), Soundbearbeitung oder eben wirklich seltene Sachen möchte ich aber die GUI beibehalten.
    Im Büro, Kunst, usw. ist es schlicht einfacher.

    Diese Web-Config-GUIs finde ich jedoch meist fürchterlich und als potenzielle Sicherheitslücke.
    Natürlich wieder ein für und wider.

    Bei ständig wiederholenden Arbeiten und gerade bei Server (allein schon keine GUI um Ressourcen zu sparen!) macht GUI eher selten Sinn für mich.
    Höchstens am Admin-Rechner, um mehrere CLIs gleichzeitig offen und um Blick zu haben. ^^

    0
  5. Hallo,
    also bei mir ist die Kommandozeile durchaus gefragt, wenn es darum geht, das System zu aktualisieren oder zur Bearbeitung von Nutzerrechten, sowie nicht mehr benötigte Programme vom System zu entfernen. Ansonsten ist meist Synaptic zum installieren von Programmen bevorzugt, wenn ich keinen genauen Programmname parat habe, oder wenn ich mal auf der Suche nach was neues bin.

    0
  6. Eine Frage der Effizienz&Komfort. Aufjedenfall beides. Timeshift bspw. lässt sich wunderbar über CLI steuern, wenn es eingerichtet ist. Sowieso kann man ja dank Aliases super vieles extrem beschleunigen.

    0
  7. Hallo liebe Gemeinde,

    ich finde die Frage lautet nicht “entweder oder”.

    Die CLI möchte ich niemals missen, nichts ist schneller und direkter sowie für Remote-Support über lahme Leitungen besser geeignet, als die CLI. Mit Servern kommuniziere ich nahezu ausschließlich über ein CLI. Außerdem ist die Möglichkeit, Programme über Scripte und Pipes anzusprechen weitgehend an CLI gebunden.

    Aber ohne GUI geht es auch nicht, man denke an CMS-Admin, eMail, Bildbearbeitung etc. ohne “gscheite” GUI. Wer Linux als Desktop verwenden will, braucht logischerweise eine GUI. Aber die CLI sollte integraler Bestandteil bleiben. Ein Linux-System ohne CLI wäre kein Linux (IMHO).

    Insofern sollten alle Programme eine CLI-Bedienung ermöglichen und – wo nötig und sinnvoll – eine brauchbare GUI “on Top” bieten 😉

    1
  8. Bei mir passiert das meiste in der GUI, liegt aber auch an meinem Arbeitsalltag. Textverarbeitung ist auf der Konsole doch etwas dürftig – wobei es bei LaTeX gut gehen würde 😀 -, aber Vektorgraphiken sind einfacher mit Inkscape…

    Was mich an der CLI so fasziniert ist, wie einfach – bzw. einfachER – man hier Aufgaben erledigen kann, vor allem, wenn man sie mehrfach oder häufiger erledigt. Bspw. habe ich Skripte, die Dateinamen bereinigen oder .md in .pdf über LaTeX Beamer umwandeln. Sowas erleichtert einem den Alltag ungemein.

    Und in Thunar kann man sich solche Befehle ins Menü holen – sehr praktisch!

    0
  9. Bei mir ist es auch gemischt. Durch meinen Beruf (Programmierung) es sich teilweise mehr zu GUI neigt, je nachdem was an liegt. Konfigurationen, server etc. prinzipiell Konsole.
    ……
    Liegt meiner Meinung auch sehr dran mit was man “groß” gewurden ist. Ich weis noch wie sehr wie uns damals alle sträubten als die ersten GUI konfig tools bzw Vorkonfigurierungen auf kamen. In unseren Augen war das Frevel, weil man nicht wusste was die alles machen und ehrlich gesagt auch heute noch machen die viel mehr als man wirklich braucht. 😉
    …..
    Da gab es den schoenen Spruch: “Ein echter Admin muss wenigstens einmal eine Sendmailkonfiguration selbst gemacht haben von 0.”
    🙂

    0
  10. Bei mir ist es ebenfalls eine gemischte Nutzung mit einer starken Tendenz zur Kommandozeile. Lustigerweise musste ich im Artikel bei der Erwähnung von ImageMagick schmunzeln, da ich hierbei (sieht man mal von Arbeiten ab, die wirklich besser in Gimp zu erledigen sind) die Kommandozeile vorziehe: Es ist für mich oft schneller, wenn ich nur schnell die Größe oder die Farbe anpassen möchte. Wenn es sich dann noch um mehrere Bilder handelt, ist das zweifelsfrei schneller.
    Mein Setup sieht dann so aus, dass ich eine stabile, flüssig laufende und gut verwendbare Oberfläche bevorzuge, um beispielsweise einen Musikplayer als graphische Anwendung zu haben und dann einige Terminalfenster offen habe, um die ‚richtige‘ Arbeit zu erledigen 😉 Bei Datenbanken finde ich auch die direkte Kommunikation über die Kommandozeile aufgrund ihrer Einfachheit und Eindeutigkeit schön. Für eine bessere Übersicht nutze ich da aber ebenfalls oft einen graphischen Client. Kommt eben darauf an, was gerade ansteht.

    Ebenfalls lustig: Nachdem ich nun beruflich lange Zeit begeistert mit FreeBSD-Servern gearbeitet habe (natürlich ausschließlich über SSH), habe ich vorgestern spaßeshalber einen FreeBSD-Desktop eingerichtet: Ab dem Zeitpunkt, ab dem ich von der Kommandozeile in die Oberfläche wechseln wollte, ergaben sich nur Probleme (die u.a. auch im Setup der Hardware zu suchen sind) und ich fing sogar an, meine Begeisterung für das saubere, logisch aufgebaute FreeBSD zu hinterfragen. Allerdings sind eben Desktops und Server unterschiedliche Schuhe und letztendlich liegt es auch nicht direkt am System, wenn die Software (Gnome und KDE) Macken hat, bzw. die Hardware eine Sonderbehandlung in Form von zusätzlichen Einstellungen braucht. Trotzdem: Ich stieß auf Probleme, die ich ohne Oberfläche noch nie hatte, weil dann doch noch einiges an potenziellen Fehlerquellen hinzukommt.

    0
    1. Bei mehreren Bildern ist ImageMagick unbesehen schneller. Bei mir sind es eher über den Tag verteilt einzelne Screenshots, die neben der Größenanpassung oft auch zu beschneiden sind. Da bevorzuge ich dann Gwenview. Gimp eher nur bei Fotos vom Smartphone, die etwa graduell in der Ausrichtung korrigiert werden müssen.

      0
  11. Durch berufsbedingte, jahrelange Nutzung von u.a. Unix bin ich auf einer Konsole genauso zuhause, ich brauche also kein X. Warum aber sollte ich den Komfort einer grafischen Oberfläche nicht nutzen, wenn ich den DE meiner Wahl aufrufe, das wäre doch albern.
    Auch wenn es bei einigen verpönt ist, nutze ich auch sehr gerne Synaptic, da in den Einstellungen wirklich alles abgebildet ist, auch die Ausgaben, die sonst mit apt auf der Konsole erscheinen. Man muß es nur aufrufen und sich das Programm sehr genau ansehen, das ist aber immer so.
    Also ich nutze beides, wie es gerade paßt.

    2
  12. Ich benutze ElementaryOS auf Rechner und Laptop. Im täglichen Gebrauch benötige ich die “Kommandozeile” eigentlich nie. Am häufigsten benutze ich es bei der Installation für den “Feinschliff”. Außerdem bevorzuge ich es, Software darüber zu installieren und nicht über das “Appcenter”.

    0
  13. Definitiv gemischte Arbeitsweise.

    Simples Beispiel.

    Ich habe einen NFS-Storage für meinen Kodi-Dienst. Diesen benötige ich jedoch nicht immer, somit läuft er nicht dauerhaft.

    Da der Storage keine GUI hat, wurde er lange von mir per CLI an/aus geschaltet.

    Irgendwann war mir das zu blöd und habe mir mit simplen Mitteln über KDE-Dialog eine kleinen “An/aus/neustart” Button gebastelt.

    Die Anzahl der Schritte die nun nur noch notwendig sind um diesen Dienst zu starten sind 3 Mausklicks.

    Kurz, ich sehe nicht dass irgendwas davon “besser” ist, es komt ganz auf den Anwendungsfall an.

    Einen Server zu administrieren ist schlicht effizienter per SSH/CLI. Bei einer Desktop-Umgebung wünsche ich mir aber dennoch dass nicht alles hinter einer CLI versteckt ist. Da möchte ich es schon in einer GUI sehen. ^^

    1

Kommentar hinterlassen