Woche 4 des neuen Jahres ist vorbei und die Pandemie wütet schlimmer als je zuvor. Noch nie habe ich meinen Home-Office-Job so wertgeschätzt wie in diesen Zeiten. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und passt auf euch auf. Das Leben geht derweil weiter und so auch Linux. Wir schauen mal, was Woche 4 so zu bieten hatte.
Den Lacher der Woche kann Linus Torvalds für sich verbuchen. Er gibt den RCs zu seinen Kerneln gerne Codenamen. So erhielt Linux 5.17-rc1 den Codenamen »I am Satoshi«, was für einigen Wirbel sorgte. Einige Publikationen aus dem Bereich Crypto-Currency sprachen dem vermeintlichen Anspruch, der Erfinder von Bitcoin zu sein, einige Kredibilität zu, da ja immerhin die Entstehung der Blockchain auf Git zurückzuführen sei. In den Kommentaren auf Hacker News wird die Urheberschaft aber eher infrage gestellt. Ich könnte mir vorstellen, dass Torvalds heute bei der Veröffentlichung von 5.17-rc2 ein paar Worte dazu verliert.
Distributionen
Mit ArchBang 2201 und Mabox 21.11 sind in dieser Woche zwei Arch-Ableger erschienen. Eine neue Ausgabe von Raspberry Pi OS als Version 2022-01-28 kommt mit Kernel 5.10.92 und vereinfacht die Konfiguration unter anderem bei VNC sowohl im grafischen Modus als auch im Terminal. OPNsense. eine Distribution für Router und Firewalls auf der Basis von FreeBSD 13 hat Version 22.1 mit dem Codenamen »Observant Owl« vorgelegt. Die Entwickler haben an der Geschwindigkeit gearbeitet und ältere unsichere Crypto-Komponenten entfernt.
Anwendungen
WordPress 5.9 »Josephine« baut mit neuen Design-Werkzeugen seinen Anspruch als Website-Baukasten auf Basis des Gutenberg-Editors weiter aus. Scribus, eine der besten Anwendungen für Desktop-Publishing, erschien in Version 1.5.8. Die Entwickler konzentrierten sich angesichts des Beginns der Portierung auf Qt 6 auf Code- und Fehler-Bereinigung. Zudem gab es unter anderem Verbesserungen beim Dateiimport, beim Export als PDF und beim Build-System.
PipeWire schickt sich an, in diesem Jahr die Krone beim Audio-/Video-Streaming unter Linux zu übernehmen. PipeWire 0.3.44 ist ein weiterer Schritt dorthin. Unter anderem ermöglicht die neue Version einen minimalen PipeWire-Server, der ohne den Session-Manager WirePlumber auskommt und trotzdem JACK-Clients laufen lassen kann. Der Paketmanager Nix, Grundlage unter anderem von NixOS, erschien in Version 2.6.0. Auf Wine 7.0 von letzter Woche folgt nun bereits Wine 7.1, das Unterstützung für das frisch veröffentlichte Vulkan 1.3 bietet.
Der Linux Vendor Firmware Service (LVFS), der mithilfe des Tools fwupd Firmware unter Linux aktualisiert, wird möglicherweise bald ältere Notebooks mit abgelaufenem Support, wie etwa das ThinkPad X220, mit der freien Firmware Coreboot versorgen und so abgesichert ihre Nutzungsspanne verlängern können. Jedenfalls stellte Entwickler Richard Hughes auf Twitter Überlegungen dazu an. Bereits zu Jahresbeginn wurde das Modem des PinePhone in die Liste der unterstützten Geräte des LVFS aufgenommen.
Auch bei KDE und GNOME geht die Entwicklung weiter. Nate Graham berichtet in seiner wöchentlichen Kolumne über die Vorbereitungen zur Veröffentlichung von Plasma 5.24 am 8. Februar. Bei GNOME sorgt ein neues Theme dafür, dass das Design von libadweita, dass das Aussehen von GNOME 42 bestimmen wird, künftig auch für ältere Veröffentlichungen auf der Basis von GTK 3 genutzt werden kann.
Lesestoff
Mit den Entwicklungen von Mozilla für Firefox zur neuen Architektur der Seitenisolation und einem neuen Sandbox-Verfahren setzen sich in dieser Woche zwei Artikel auseinander. Wer Systemd auf experimenteller Basis im Browser besser verstehen möchte, sollte sich das Projekt systemd by example anschauen. Über die Schwierigkeiten bei der Erstellung von freien Grafiktreibern ohne die entsprechende Hardware schreibt die bei Collabora angestellte Alyssa Rosenzweig, die seit Jahren an den Panfrost-Treibern für Mali-GPUs von ARM arbeitet. Sein ambivalentes Verhältnis zu NixOS beschreibt Entwickler Wesley Aptekar-Cassels. Wer Zeit und Lust hat, Dokumentation in einem Team zu erstellen, sollte sich das Projekt FLOSS Manuals anschauen.
Und das war’s auch schon wieder für diese Woche. Bis zum nächsten Mal…

Danke für den Wochenrückblick.
Ich habe lxqt entdeckt und das ist mein absoluter Favorit.
Hoffe das lxqt bei Debian noch lange erhalten bleibt.
Ja, LXQt ist eine feine DE für Laptops. Auf dem Pinebook Pro hat es gut funktioniert.
Der systemd playground ist interessant. Danke für den und die anderen Links.
Das Anpassen irgendwelcher im Web aufgefundenen Beispiele ist das, was systemd-Admins typischerweise so machen. Da auch nach 15? Jahren systemd sich noch keiner der systemd-Durchblicker dazu herabgelassen hat eine ordentliche Benutzer-Dokumentation zu schreiben. Aber die Grundlage eines Benutzerhandbuchs wäre ja eine Spezifikation, etwas, worauf sich ein Autor zurückziehen kann, wenn alle Stricke reissen. Die existiert ebenfalls nicht. So kann sich ein potentieller Autor nur auf eines Verlassen: Dass er von seinen Lesern in der Luft zerrissen wird. Unter anderem deshalb, weil diese Blackbox sowieso intern ganz anders funktioniert, als sie dem Benutzer glauben machen will und dessen Verhalten in Problem- und Randfällen von diesem im besten Fall als “erratisch” wahrgenommen wird.
Was Du schreibst ist nicht unwahr, die Komplexität in sich selbst ist hoch. Klar habe ich vor 20 Jahren noch im Detail verstanden wie alles funktioniert. Aber Systemd vereinfacht für mich als Anwender jetzt sehr viel. Es ermöglicht eine Menge Automatismen die früher immer in stundenlanges Rumgefrickel mit Testen ausgeartet sind.
Ich mag z.B. network dispatcherscripte um wenn der Rechner sich mit dem Netz AB verbindet die scripte XY ausführt. Bei Netz CD soll das NAS GJ gemountet werden. Wenn im Netz FG ein neuverbinden stattfindet, soll wieder was anderes gemacht werden.
Die Logs sind an einer Stelle einsehbar.
Für mich die beste Zusammenfassung 🙂
Vielen Dank dafür!