Aufgrund der anhaltenden Speicherkrise erhöht die Raspberry Pi Foundation die Preise für einige SBCs aus ihrem Portfolio. Das gab CEO Eben Upton gestern bekannt. Um die Preissteigerungen ein wenig abzufangen, erhielt der Raspberry Pi 4 ein neues Modell mit 3 GB RAM für 83,75 US-Dollar für Anwender, die keine 4 GB benötigen.
Modelle von 4 GB aufwärts betroffen
Die Preissteigerungen betreffen die Baureihen Raspberry Pi 4 und 5 mit 4 oder mehr GB RAM. Bei 4 GB beträgt der Preisanstieg für beide Baureihen 25 USD, bei 8 GB sind es 50 USD und bei 15 GB werden 100 USD aufgeschlagen. Bei den Compute-Modules betragen die Aufschläge zwischen 12,50 und 100 USD.

Unverändert im Preis bleiben die kleinen Varianten von Raspberry Pi 4 und 5 mit 1 oder 2 GB RAM ebenso wie der Raspberry Pi 400 mit 4 GB RAM, der weiterhin 60 USD kostet. Upton betont, dass bei fallenden RAM-Preisen die Preisaufschläge sukzessive wieder zurückgenommen werden.
Hobbyistenszene in Gefahr
Der bekannte Open-Source-Entwickler, YouTuber und SBC-Fan Jeff Geerling sieht bei anhaltender Speicherkrise die Hobbyistenszene rund um Raspberry Pi und andere SBCs in Gefahr, wie er in seinem aktuellen Video erläutert.

Es wirkt schon etwas fragwürdig, dass beim Raspberry Pi erneut eine Preissteigerung ansteht – vor allem, wenn man bedenkt, dass Modelle mit 8 GB oder gar 16 GB RAM kaum praktischen Nutzen bringen, solange essenzielle Schnittstellen fehlen.
Noch immer gibt es kein vollwertiges PCIe, keine nativen SATA-Ports und keinen M.2-Steckplatz direkt auf dem Board. Natürlich lässt sich vieles über HATs oder Adapter nachrüsten, aber das bleibt eine Bastellösung, die selten in Standardgehäuse passt. Es wirkt fast so, als würde die Foundation glauben, dass mehr RAM allein schon als Innovation ausreicht.
Andere Embedded-Plattformen sind längst weiter: Orange Pi, Radxa Rock 5 oder diverse Rockchip-Boards bieten PCIe 3.0, NVMe-Slots und 2.5-GbE oft zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich habe inzwischen mehrere dieser Boards im Einsatz; sie erledigen ihre Aufgaben ohne Adapter-Zirkus oder Bandbreiten-Engpässe.
Mit den aktuellen Preisen wird der Pi zunehmend unattraktiv. Für fast 300 Euro (beim 16-GB-Modell) bekommt man bereits einen ausgewachsenen NUC oder Refurbished-Mini-PCs, die Kreise um den Broadcom-Chip ziehen. Man muss sich fragen, ob der Anschluss verpasst wurde, während die Konkurrenz die einstige ‘universelle Lösung’ rechts überholt.
Für mich bleibt ein Embedded‑Computer nach wie vor eine attraktive Lösung für viele Aufgaben, die früher nur große Systeme bewältigen konnten. Und das lässt sich heute problemlos mit oder ohne Raspberry Pi erreichen.
Moin,
zu den technischen Hintergründen kann ich kaum etwas sagen.
Aber zu Deinem Hinweis “… wenn man bedenkt, dass Modelle mit 8 GB oder gar 16 GB RAM kaum praktischen Nutzen bringen, …”: wenn 8GB oder mehr kaum einen Nutzen für den Anwender bringen, kann der clevere Käufer ja auch einfach 4GB kaufen, oder nicht?!
Aus meiner Sicht ist der ständige Preis-Vergleich mit chinesischen Herstellern schwierig und “unfair” (so weit ich weiß, sind Orange Pi und Radxa chinesische Unternehmen).
Welches europäische (Elektronik-) Unternehmen kann gegen den Kostendruck aus China mithalten?
Wenn jeder Verbraucher bei “ein paar Euro Kostenvorteil” gleich zum chinesischen Produkt greift, muss man sich nicht wundern, wenn die europäischen Unternehmen Eines nach dem Anderen die Lichter ausmachen.
VG
Und man darf auch nicht ausblenden das sich die Firma hinter Raspi um den Support und die Community kümmert. Selbst heute noch wird der Pi1 supported. Ich habe noch einen “alten” Banana Pi den ich mal geschenkt bekommen habe. Der ist eigentlich nur noch Elektro-Schrott weil es keine aktuellen Images mehr gibt. Auch Dietpi supported den nicht mehr. Mit “original” Raspis absolut kein Problem und das ist mir der Aufpreis wert. Zumindest bis zu den 2GB Modellen. Die teureren finde ich irgendwie sinnlos. Aber das ist natürlich Ansichtssache. 😉
Das ist ein interessanter Standpunkt. Es stimmt, dass man nicht alles aus Fernost beziehen muss.
Beim Raspberry Pi sehe ich allerdings ein Ungleichgewicht: Wofür brauche ich mehr als 4 GB RAM, wenn die Schnittstellen ohnehin der Flaschenhals sind? Das von euch vorgebrachte Argument, man unterstütze damit einen europäischen Anbieter, überzeugt mich nur bedingt. Wenn ich für europäische Innovation mehr bezahlen soll, muss das Gesamtpaket stimmen.
Schauen wir uns die verfügbaren Alternativen an:
Ein Arduino (Italien) reicht für kleinere Aufgaben völlig aus. BeagleBoard (USA, teilweise Fertigung in Europa) ist dem Raspberry Pi in Echtzeitanwendungen und im industriellen Umfeld klar überlegen. Die APU‑Boards von PC Engines (Schweiz) sind leider vom Markt verschwunden, waren aber deutlich leistungsfähiger.
Und wie sieht es bei PCs aus? Kauft ihr die dann konsequenterweise auch nur von deutschen oder europäischen Herstellern wie z. B. Cirrus? Prime Computer hat die Produktion eingestellt, und viele andere entwickeln zwar hier, lassen aber im Grunde nur noch ihr Etikett auf asiatische Hardware kleben.
Auch mit dem Argument der hohen europäischen Lohnkosten braucht man nicht kommen. Es gibt durchaus positive Gegenbeispiele wie Prusa: Sie produzieren Open‑Source‑Hardware in Polen und zeigen, dass man trotz europäischer Löhne wettbewerbsfähig bleiben kann, wenn Support und Innovationskraft stimmen.
Beim Raspberry Pi wirkt es dagegen so, als sei die Luft raus – für mich stagniert das Board auf dem Niveau einer Bastellösung. Ihr könnt natürlich weiter auf einem System bestehen, das sich nur begrenzt erweitern lässt. Aber ein größeres Board, bei dem die von mir angesprochenen Schnittstellen bereits integriert sind, müsste durchaus möglich sein.
Gerade deshalb zeigt sich für mich: Wenn ein 3D‑Druckerhersteller seine komplexen Systeme langfristig supporten kann, sollte man von einem Embedded‑Spezialisten mehr erwarten können als nur eine Erhöhung des Arbeitsspeichers. Am Ende ist es eine Frage des Wollens, nicht der Lohnkosten.
Nochmal, wenn du den Arbeitsspeicher nicht brauchst, kaufe eine Version mit weniger davon, die werden schließlich immer noch angeboten. Wer den Speicher doch braucht, hat nun aber die Möglichkeit.
Ansonsten halte ich es auch für verkehrt, gerade beim Pi5 von Stagnation zu sprechen. Da wurde nicht nur der SoC gegen einen etwas schnelleren ausgetauscht, es kam mit dem RP1 auch ein selbst entwickelter I/O-Chip dazu und die Möglichkeit PCIe-Geräte anzuschließen.
Machen wir es doch einfach: Für kleinere Anwendungen nutze ich weiterhin meine APU2 oder ähnliche Boards – solange der Raspberry Pi keine vergleichbare Lösung bietet. Erstaunlicherweise bekomme ich eine gebrauchte APU2 zum gleichen Preis wie einen neuen Raspberry Pi inklusive der ganzen Erweiterungen, die man benötigt, um daraus eine halbwegs performante Firewall oder einen Fileserver zu bauen.
Die 2 oder 4 GB RAM der APU2 reichen dafür völlig aus, dazu eine M.2‑SSD für lokalen Speicher oder alternativ HDDs am SATA‑Anschluss. Und über die mPCIe‑Slots lassen sich sogar noch einmal bis zu acht weitere Laufwerke anbinden.
Das alles bei einem Board, das seit Jahren nicht mehr produziert wird. Wenn das kein Argument dafür ist, dass man beim Rasperry Pi bei der Entwicklung hinterherhinkt. Dabei habe ich noch nicht einmal den Vergleich zu einer typischen Embedded‑Lösung aus Fernost gezogen.
Speicher kostet halt Geld und die Kosten reichen sie logischerweise an den Kunden weiter. Und wer keine 8 oder 16 GB braucht, kann immer noch Varianten mit weniger Speicher kaufen.
Das wird wohl nicht die letzte Preissteigerung sein. Allgemein werden Computer jetzt recht teuer werden. Solange Trump auf Kriegspfad ist, besteht da auch keine Hoffnung auf Besserung. Sesam öffne Dich geht anders.