GNOME-Entwickler Christian Schaller gab in seinem Blog die Freigabe des Projekts Pipewire bekannt, das er bereits des öfteren in Blogposts erwähnt hatte. Pipewire will über PulseAudio hinausgehen, indem es professionelle Lösungen in Bezug auf den Soundserver Jack bietet, die PulseAudio vermissen lässt. Zudem unterstützt Pipewire auch den Bereich Video. Zudem bietet es ein Sicherheitsmodell, dass die Interaktion mit containerisierten Anwendungen erleichtert, wobei der Fokus auf Flatpak liegt. Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass Pipewire mit Wayland kompatibel ist.

Langfristig Ersatz für PulseAudio

Federführend entwickelt wurde Pipewire von GStreamer-Co-Entwickler Wim Taymans , der wie Schaller bei Red Hat angestellt ist. Taymans arbeitete dort bereits an einem Sicherheitsmodell für PulseAudio, um containerisierten Anwendungen zu erlauben, Sound per PulseAudio auszugeben. Im Verlaufe dessen begann er auch eine Anwendung zu schreiben, die er anfänglich PulseVideo nannte. Dabei erinnerte er die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von GStreamer, Audio und Video synchron zu halten und entschloss sich, den Audio-Part ebenfalls neu zu schreiben.

Professionelle Einsatzszenarien

Dabei sollte Pipewire auch professionelle Einsatzszenarien im Zusammenahng mit Jack abdecken, die PulseAudio nie bedient hat. Aber nicht nur dieses neue Ziel verlängerte die Entwicklungszeit, wie Schaller schreibt, sondern auch die Tatsache, dass für Wayland eine sichere Methode des Screen-Capturing von simplen Screenshots bis zu Screencasts und Remote-Protokollen erstellt werden musste.

Bereit für Wayland

Wayland-Entwickler Jonas Ådahl schuf dafür eine API, die im Wayland-Compositor unterstützt wird und Pipewire zur Ausgabe nutzt.  Dabei beschränkt sich die Unterstützung für Remote-Protokolle nicht auf einzelne Protokolle wie RDP oder VNC, sondern bietet eine Infrastruktur, auf der Protokolle aufsetzen können. So soll etwa auch Spice von der Entwicklung profitieren.

Stand der Entwicklung

Pipewire wird nach mehreren Jahren Entwicklungszeit mit dem voraussichtlich am 24. Oktober veröffentlichten Fedora 27 erstmals ausgeliefert. Die erste Implementation wird nur Video unterstützen, da hier der Bedarf für Wayland und Flatpaks am größten ist. Die Auslieferung von Audio-Funktionalität mit Pipewire wird noch einer Menge Arbeit bedürfen. Schallert erinnert an die mit vielen Problemen behaftete Einführung von PulseAudio und möchte diese Geschichte nicht wiederholt sehen. Pipewire kann bereits in der Beta-Version zu  Fedora 27, die am 26. September  erscheinen soll, getestet werden. Im Pipewire-Wiki findet sich eine anfängliche Dokumentation zum Projekt.

 

 

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