Open-Source-Phone NC_1

Vor einigen Wochen berichtete ich an dieser Stelle über Necunos Solutions, einen schwedischen Hersteller, der eine Community-Ausgabe seines auf exrem hohe Sicherheit ausgelegten und die Privatsphäre respektierenden Smartphones für den Enterprise-Markt plant. Wie der neu gestalteten Webseite zu entnehmen ist, wurde die Entwicklung bereits vor über zwei Jahren gestartet und konnte ohne Crowdfunding finanziert werden.

Zunächst 500 Stück

Nachdem es keine zeitlichen Angaben und zunächst auch keine umfassenden Angaben zur Hardware gab, war ich positiv überrascht zu erfahren, dass das Necunos NC_1 ab heute vorbestellt werden kann. Ausgeliefert wird eine erste Charge des Open-Source-Phones von 500 Stück ab März.

Die Hardware des NC_1 ist identisch mit der des für Unternehmen entwickelten NE_1, lediglich die Software ist unterschiedlich. Die erste »Necunos NC_1 Community Edition« richtet sich an Entwickler, Early Adopters, FOSS- und Linux-Enthusiasten.

Sechs freie Betriebssysteme

Während das NE_1 mit dem bei Necunos entwickelten Betriebssystem necunOS verkauft wird, ist das Unternehmen für das NC_1 Partnerschaften mit sechs Open-Source-Communities eingegangen, um Interessierten eine Auswahl an freien Betriebssystemen zu bieten.

Neben dem als erstes angekündigten Plasma Mobile handelt es sich um Postmarket OS, Maemo Leste, LuneOS, Replicant und Nemo Mobile. Die Pressemitteilung betont, dass sich die Betriebssysteme zum Auslieferungszeitpunkt des NC_1 in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Einige seien eher für Entwickler und Enthusiasten zu empfehlen als andere. Bei der Bestellung entscheidet sich der Kunde für eines der Systeme, kann aber jederzeit auf ein anderes wechseln.

Gut abgehangene CPU

Die Hardware des 5-Zoll Phone, das in einem Alu-Gehäuse steckt, basiert auf einem i.MX6-SoC von NXP mit Cortex-A9 Kernen. Die Vivante-GPU des SoC läuft mit dem freien Etnaviv-Treiber. Das Phone kommt mit einem GByte RAM und acht GByte internem Speicher auf den Markt. Die verbaute Kamera bietet 5 MPixel. Der Bootloader ist entsperrt. Necunos verspricht zudem, dass das Gerät keinerlei binäre Blobs enthält. Das NC_1 wird über Micro-USB geladen, der Datentransfer über diese Schnittstelle ist deaktiviert.

Zunächst kein Modem

Verbindung zur Außenwelt nimmt das NC_1 über WLAN per SDIO mit 2,4 GHz und Ethernet mit 100Mb/s auf. Ein Modem ist aus Sicherheitsgründen nicht verbaut. Das NC_1 soll eine sichere Plattform bieten, aber das Endziel für die mobilen Geräte von Necunos ist es, ein voll ausgestattetes, datenschutzorientiertes Open-Source-Smartphone zu entwickeln. Das Gerät wird in Finnland hergestellt, um eine sichere Lieferkette und hohe Qualität zu gewährleisten.

Ab heute im Shop

Der Preis für das Necunos NC_1, das ab heute im Shop bestellt werden kann, beträgt 1.199 Euro. Ein Teil davon geht an die jeweiligen Communities. Direkter Mitbewerber des NC_1 wird das ähnlich ausgerichtete Librem 5 von Purism sein, das im April 2019 ausgeliefert werden soll.

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Alle Kommentare
  • LinuxWindowsMacHilfe

    LinuxWindowsMacHilfe

    03.01.2019, 15:23 Uhr

    Wenn man den Akkuwechseln kann sicher eine gute alternative wenn man noch keins hat.

    • Ferdinand Thommes

      03.01.2019, 15:38 Uhr

      Ich finde es für das Gebotene zu teuer. Das Librem 5 ist besser ausgestattet, hat ein getrenntes Moden und kostet die Hälfte. Das halte ich bei dem Entwicklungsaufwand für angemessen.

  • tuxnix

    03.01.2019, 17:48 Uhr

    Da hat man sich wohl noch schnell den Titel, “Worlds first modern truly privacy and security focused smart mobile device” ergattern wollen, bevor das Librem 5 im April ausgeliefert wird. Für den Preis von 1199 € muss man schon sehr enthusiastisch sein. Die erste Charge von 500 Stück ist wohl eher für Unternehmen interessant, die entsprechenden Sicherheitsbedarf haben und die Kommunikation innerbetrieblich auf WLan beschrenken können.
    Entwickler greifen da doch lieber auf die wesentlich günstigeren Dev-Boards zurück.
    Immerhin, es werden von Necuno auch Entwickler unterstützt. Dies dürfte für das Weiterkommen von Plasma-Mobile sehr wichtig sein.

    Fehlt dann nur noch eine Ankündigung von Pine64. Sie möchten zunächst ein Tablet und danach ein Smartphone im niedrig Preissequment herausbringen. Auch der 4.20 Linux-Kernel hatte jetzt ein paar Verbesserungen für die Mali GPU/VPU gebracht.
    https://bootlin.com/blog/mali-opengl-support-on-allwinner-platforms-with-mainline-linux/
    https://bootlin.com/blog/tag/vpu/
    Ich denke das man von Pine64 hierzu noch einiges in der zweiten Jahreshälfte hören wird.
    2019 wird ein sehr spannendes Jahr für das Linux Phone werden.

  • putzerstammer

    03.01.2019, 20:11 Uhr

    der Preis ist aber sehr heftig,bin gespannt wie es sich verkauft