32-Bit
Bild: old painted Ubuntu logo on wood planks | Quelle: blumblaum | Lizenz: CC BY 2.0

Bereits seit Ubuntu 17.10 »Artful Aardvark« liefert Canonical für seine Desktop-Distribution Ubuntu keine Images der 32-Bit Architektur mehr aus. Trotzdem konnten Anwender der 32-Bit Plattform ihre Installationen bisher aktuell halten, da das Ubuntu-Archiv weiterhin Pakete in 32-Bit zur Verfügung stellte.

Kein 32-Bit mehr

Damit soll mit Ubuntu 19.10 »Eoan Ermine« nun Schluss sein, wie aus einem Thread auf der Mailing-Liste sowie einem Artikel auf der Webseite hervorgeht. Ubuntu-Entwickler Steve Langasek begründet den Schritt auf der Mailingliste damit, dass die eingesetzten Ressourcen an Infrastruktur und Entwicklerzeit in keinem Verhältnis zur stetig schwindenden Relevanz der Architektur stünden.

Was wird aus Wine und Steam?

Dabei hat er wohl gleich zwei Anwendergruppen vergessen, die sich nun besorgt zu Wort melden. Sowohl der Windows-API-Nachbau Wine als auch die Online-Gaming-Plattform Steam sind auf 32-Bit Bibliotheken angewiesen. Der Client liefert zwar eine Laufzeitumgebung mit gebündelten 32-Bit Bibliotheken, was aber vermutlich nicht ausreicht, um die Mehrzahl der angebotenen Spiele zu unterstützen.

Keine Unterstützung für Steam

Aus diesem Grund hat der bekannte bei Steam-Hersteller Valve beschäftigte Entwickler Pierre-Loup Griffais, in der Szene auch als Plagman2 bekannt, auf Twitter verkündet, Ubuntu 19.10 und folgende Veröffentlichungen würden von Steam nicht mehr unterstützt und man werde seinen Kunden Ubuntu nicht mehr empfehlen. Valve werde eine andere Distribution suchen, die offiziell unterstützt wird.

Steam in 64-Bit?

Auf den Webseiten der Steam-Plattform gibt es noch keine Stellungnahme. Einige Kommentatoren auf Twitter fragen sich, warum Valve noch immer keine 64-Bit-Version von Steam anbietet. Erste Ansätze dazu gab es bereits letztes Jahr, seither ist jedoch keine weitere Aktivität in dieser Richtung zu verzeichnen.Canonical schreibt, man sei in Gesprächen mit Valve, wie die Steam-Anwender künftig am besten unterstützt werden könne.

Eine der Ideen ist, Gamer könnten 32-Bit Spiele in einem Container mit Ubuntu 18.04 laufen lassen. Ob dieser Vorschlag allerdings großen Anklang findet, darf bezweifelt werden.

Wine will Ubuntu fallen lassen

Auch im Wine-Projekt stellen sich die Entwickler die Frage, wie sie mit dem Wegfall der 32-Bit Plattform bei Ubuntu umgehen sollen. Es wird unter anderem diskutiert, ob man Wine für die kommende Ubuntu-Version überhaupt noch paketieren soll. Zudem nutzt Ubuntu eine eigene Wine-Version, wobei bisher unklar ist, was damit passieren wird.

Container lösen das Problem nicht

Ubuntu sagt dazu in der FAQ, die dem Artikel angehängt ist, die Anwender sollten 64-Bit Wine versuchen, viele Anwendungen würden damit problemlos laufen. Die Wine-Entwickler bestreiten das, da die meisten 64-Bit Windows-Anwendungen aus technischen Gründen einen 32-Bit Installer hätten. Ansonsten auch hier Ubuntus Vorschlag einer virtuellen Maschine oder eines LXC-Containers.

Ob sich Canonical von dsen Sorgen der Entwickler und dem Protest der Anwender beeindrucken lässt und seine Entscheidung revidiert, bleibt abzuwarten. Ganz durchdacht erscheint der komplette Ausstieg aus der 32-Bit Plattform jedenfalls nicht.

Ubuntu lässt die 32-Bit Plattform fallen und erntet Kritik

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Alle Kommentare
  • tuxnix

    24.06.2019, 00:44 Uhr

    Technisch bereitet es keine Schwierigkeit 32bit Pakete in einem gesonderten Repositorium anzubieten.
    Arch Linux unterstützt seit Ende 2017 keine 32bit Architektur mehr. Wine läuft aber immer noch und die notwendigen 32bit Pakete werden im multilib Repositorium https://www.archlinux.de/packages/multilib/x86_64/wine dazu gereicht. So machen dies etliche Distributionen.
    Die Mitteilung Canonicals “we will not provide 32-bit builds of new upstream versions of libraries” verstehe ich als kalte Absage an Steam und Wine. Wahrscheinlich gehören deren Anwender nicht mehr der Zielgruppe von Ubuntu an.

  • Klaus Meier

    24.06.2019, 08:20 Uhr

    Na und? Dann nutzen halt noch weniger diesen Klump. Die ersten Versionen von Ubuntu waren wirklich genial. Sie haben mich dazu gebracht, komplett auf Linux umzusteigen. Aber dann kamen die Alleingänge. Und wie groß ist denn der Aufwand für 32-bit Pakete? Gentoo ist in der Lage, diesen Aufwand zu stemmen. Komisch.

    Mit der Begründung müsste man auch alle Steakhäuser schließen. Der Aufwand für ein gutes Steak ist viel höher als für einen Hamburger. Und es gehen auch viel weniger Menschen hin.

    Sorry, jeder kann halt ein freies System nutzen. Und dafür liebe ich Gentoo. Systemd, Pulseaudio, 32-bit und was es da alles so gibt, dir schreibt keiner vor, was du zu nutzen hast. Für Plasma kannst du Vlc oder Gstreamer als Backend nutzen. Ach so, Wayland/X h#tte ich ja fast vergessen. Bei den meisten Distributionen wird ja mehr Zeit damit verschwendet, was man dem Anwender als Standard vorsetzt. Wayland oder X, das ist ein Klick beim Systemstart, mehr nicht.

    Deshalb aus vollem Herzen: Nie wieder Ubuntu.